„Wegen der Familie gibt es bei Bosch keinen Karriereknick“

Mehr als 300.000 Mitarbeiter in etwa 50 Ländern schaffen für das schwäbische Unternehmen. Wie das Ranking bei „kununu“, dem Arbeitgebervergleichsportal von Xing, zeigt, tun sie das auch überwiegend gern. Das Technologie- und Dienstleistungsunternehmen Bosch zählt zu den attraktivsten Arbeitgebern und ist das „familienfreundlichste Großunternehmen Deutschlands“.

Ob in Londons Tower Bridge, in fahrerlosen Autos in Palo Alto oder im World Financial Center in Shanghai: Technologische Innovationen von Bosch finden sich weltweit. Doch nicht nur die Produkte der Robert Bosch AG gelten national wie international als hervorragend, auch in Sachen Unternehmenskultur übernimmt die Traditionsfirma eine Vorbildfunktion.

In der Stuttgarter Zentrale wird oft über Motivation und Flexibilität diskutiert, denn nur vielfältige Arbeitsformen können dem künftigen Fachkräftemangel vorbeugen. Bei Bosch will man Lösungen finden, bevor Probleme auftreten. Einerseits ist das Unternehmen mit Sitz in Stuttgart sehr schwäbisch, sehr beständig und verantwortungsvoll. Andererseits aber auch ein sehr moderner multinationaler Player, der sich anpassen kann und will.

Von einer dogmatischen Präsenzkultur hält man bei Bosch heute nichts mehr. Flexibilität trage dazu bei, die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben zu erleichtern – und damit die Gesundheit zu erhalten, sagt Christoph Kübel, Geschäftsführer der Robert Bosch AG. „Die Arbeitswelt der Zukunft muss den Bedürfnissen von jüngeren und älteren Arbeitnehmern gerecht werden, wenn Unternehmen am Arbeitsmarkt wettbewerbsfähig bleiben wollen.“

Ob Fortbildungen, Theater- oder Fotografie-Betriebsgruppen, ob Aerobic, Ausdauersport oder Volleyball mit den Kollegen: Der Bosch-Geschäftsführer sieht lebenslanges Lernen sowie ein betriebliches Gesundheitsmanagement künftig als wichtige Aspekte für eine erfolgreiche Personalpolitik. Beides erleichtere es, die „geistige und körperliche Leistungsfähigkeit heutiger Beschäftigter“ langfristig aufrechtzuerhalten. 2013 erhielt Bosch zudem den Deutschen Diversity-Preis von McKinsey und der „Wirtschaftswoche“. In der Kategorie „Bestes Diversity-Image“ setzte sich Bosch an die Spitze, bewertet wurden die Kultur der Chancengleichheit von Frauen und Männern, flexible Arbeitsbedingungen oder die Möglichkeiten internationaler Zusammenarbeit.

 

Stock_Heidi_Bosch_1Interview mit Heidi Stock, Leiterin der Abteilung „Mitarbeiterentwicklung, Vielfalt und Chancengleichheit“ der Robert Bosch GmbH:

 

Wie wichtig sind für Bosch die Ideen des „New Work“, also einer erfüllten und sinnstiftenden Arbeit?

Bosch steht mit seinen Unternehmenswerten und langfristigem Handel für Kontinuität und Wandel. Gleichzeitig streben wir danach, Technik fürs Leben unserer Kunden zu schaffen. Sie soll die Lebensqualität der Menschen verbessern und helfen, Umweltressourcen zu schonen. Wir arbeiten zum Beispiel daran, mit unserer Kraftfahrzeugtechnik, den Kraftstoffverbrauch zu optimieren oder mit Fahrassistenzsystemen die Verkehrssicherheit zu erhöhen. Unsere mikromechanischen Sensoren finden Sie mittlerweile fast in jedem zweiten Smartphone – sie ermöglichen etwa das Drehen des Displays, wenn sie die Lage des Gerätes verändern. Eine sinnstiftende Arbeit ist damit für viele Menschen ein großer Antrieb, bei Bosch tätig zu sein. Deshalb setzen wir auf moderne Arbeitsbedingungen, die neben der Motivation auch Impulse für Ideen und Kreativität liefern. 

Welche Wege gehen Sie in Sachen moderner Personalführung und Mitarbeiterpartizipation?

Wir setzen bei Bosch seit vielen Jahren auf die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. Das schafft einerseits mehr Zufriedenheit und Freiräume, die etwa durch flexible Arbeitszeitmodelle oder weniger Präsenz am Schreibtisch entstehen. Andererseits stärken wir damit unserer Attraktivität als Arbeitgeber. Dazu treiben wir bei Bosch einen Kulturwandel voran, weg vom Präsenzdenken und einer starren Anwesenheit am Arbeitsplatz hin zu mehr Ergebnisorientierung. Mittlerweile bieten wir schon mehr als 100 Arbeitszeitmodelle – von Job Sharing über Teilzeit mit verschiedenen Stundenumfang bis hin zu Home Office. Auch in der Fertigung gibt es bereits an Standorten familienfreundliche Schichtzeiten mit mehr Flexibilität. Unsere Führungskräfte gewinnen wir als Vorbilder für flexibles Arbeiten. Mehr als 1000 Manager haben bereits an unserem Projekt MORE, es steht für „Mindset Organization Executives“, teilgenommen, um Vorbehalte abzubauen oder eigene Erfahrungen zu sammeln.

Was sind die nächsten wichtigen Baustellen, die Sie in dieser Hinsicht im Unternehmen noch sehen?

Wichtige Meilensteine sind schon erreicht: Wir haben Leitlinien für eine flexible und familienbewusste Arbeitskultur eingeführt, die weltweit für unsere 280 000 Mitarbeiter gelten. Darin bekennen wir uns etwa, dass wir bei Bosch berufliches Engagement genauso wertschätzen wie privates. Auch der Karrierebaustein „Familienzeit“ für Führungskräfte war ein weiterer Erfolg. Wer aufgrund familiärer Pflichten, wie die Pflege von Angehörigen oder der Kinderbetreuung, zum Beispiel einen mehrjährigen Auslandseinsatz oder Geschäftsbereichswechsel nicht antreten kann, muss keinen Karriereknick befürchten. Diese Familienzeit kann einem Manager angerechnet werden, um die nächste Hierarchiestufe zu erreichen. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels gewinnt aber künftig die Arbeit in altersgemischten Teams für uns noch mehr an Bedeutung. Altersdiversität ist für uns heute schon eine von vier Säulen unserer Diversity-Strategie. In Altersunterschieden sehen wir einen wichtigen Motor, weitere Impulse für die Kreativität und Ideenfindung zu gewinnen. Allein im letzten Jahr meldete Bosch weltweit 5000 Patente an, etwa 20 pro Arbeitstag. Dazu braucht es auch künftig die Lebenserfahrung und das Wissen älterer Mitarbeiter – und daran wollen wir arbeiten.