Ratgeber zu: Konflikte am Arbeitsplatz

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Zoff im Job: Warum Sie Eskalationen vermeiden sollten

Zoff im Job: Warum Sie Eskalationen vermeiden sollten

Nerven der Chef und die Kollegen, ergibt schnell ein Wort das andere. Und ehe man sich versieht, findet man sich in einer Auseinandersetzung wieder, die nichts mehr mit dem Projekt oder der eigentlichen Aufgabe zu tun hat. Die besten Strategien in solchen Situationen lauten: einmal um den Block laufen oder in Ruhe bis 10 zählen – denn eskaliert die Situation, kann das üble rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen. Ebenso sollten Sie sich verhalten, wenn Sie versucht sind, sich all Ihren Frust über den Chef oder die Kollegen von der Seele zu reden oder zu schreiben. Auch dies kann gefährlich sein.

 

Beleidigung, Verleumdung, üble Nachrede – alles Fälle für die Polizei

Die Gedanken sind frei – erheblich weniger frei ist man darin, sie zu äußern. Die Grenze verläuft dort, wo andere in ihrer Ehre verletzt, also beleidigt werden. Beleidigung ist ein Straftatbestand[1]. Stellt der Betroffene deswegen einen sog. Strafantrag, so ermittelt die Polizei – was natürlich sehr unangenehm ist. Eindeutig beleidigend sind Schimpfwörter wie „Volltrottel“ oder „Arschloch“. Im Übrigen ist die Abgrenzung der Beleidigung zur bloßen Unhöflichkeit oder noch zulässiger Kritik recht fließend. Das hängt von vielen Umständen ab, z. B. den üblichen Umgangsformen, der persönlichen Beziehung der Beteiligten oder dem äußeren Rahmen. So herrscht sicherlich auf einer Baustelle ein rauerer Umgangston als in einer Bankfiliale. Die Bezeichnung des vertrauten Arbeitskollegen während der Mittagspause als „Idiot“ mag gerade noch in Ordnung sein, die gleiche Äußerung gegenüber dem Vorgesetzten wird man als ehrverletzend werten müssen. Nicht nur Worte, sondern auch Gesten können beleidigend sein, so z. B. der hochgereckte Mittelfinger.

In arge Schwierigkeiten kann man auch geraten, wenn man aus Wut über einen Kollegen oder Chef ehrverletzende Gerüchte über ihn in die Welt setzt. Wer in der Teeküche über den Chef oder einen Kollegen erzählt: „Die bedient sich doch aus der Spesenkasse!“ oder „Der stellt jeder Praktikantin nach, die nicht bei 3 auf den Bäumen ist“, läuft Gefahr, wegen Verleumdung bzw. übler Nachrede angezeigt zu werden.[2]

 

Warum Beleidigungen auch zur Kündigung oder Abmahnung führen können

Wer seinen Arbeitgeber oder einen Kollegen beleidigt oder verleumdet, muss sich minimal auf Ärger und maximal sogar auf den Verlust seines Arbeitsplatzes einstellen – egal, ob es zu einer Strafanzeige kommt oder nicht. Denn er überschreitet damit nicht nur eine strafrechtlich relevante Grenze, sondern verletzt auch seine arbeitsvertraglichen Pflichten zur Treue, Loyalität und Rücksichtnahme gegenüber seinem Arbeitgeber. In jedem Fall ist eine Abmahnung und im Wiederholungsfall eine verhaltensbedingte Kündigung gerechtfertigt – egal, ob sich die Beleidigung gegen den Chef oder einen Kollegen richtet. Je nach Schwere der Verfehlung kann ihm sogar die fristlose Kündigung blühen, so zum Beispiel geschehen bei einem Vergleich der Arbeitsbedingungen beim Arbeitgeber mit dem sog. Dritten Reich.[3] Eine Beleidigung des Vorgesetzten wiegt meist schwerer als die eines Kollegen.

 

Kommt Ihnen trotz aller Vorsicht doch einmal eine abfällige Äußerung über die Lippen, sollten Sie unbedingt sofort ein klärendes Gespräch mit dem betroffenen Kollegen oder Ihrem Arbeitgeber suchen und sich in aller Form für Ihr Verhalten entschuldigen. Haben Sie im Affekt gehandelt oder wurden Sie provoziert, kann Ihre Entgleisung dann unter Umständen als einmaliger „Ausrutscher“ gewertet werden und Sie kommen mit einer „Verwarnung“ davon.

 

Warum beleidigende Postings so gefährlich sind

Im engsten Familien- oder Freundeskreis können Sie über Kollegen und den Chef sagen, was Sie wollen, da die Beleidigung in diesem Fall nicht nach außen dringt. Diese sog. Vertraulichkeit des Wortes gilt auch für den engsten Kollegenkreis.[4] Aber Vorsicht: Hüten Sie sich vor abfälligen Äußerungen über Ihren Chef oder Kollegen in sozialen Netzwerken. Eine Facebook-Pinnwand gehört nicht zur Privatsphäre. Sie gilt als öffentlich, insbesondere, wenn Arbeitskollegen zum „Freundeskreis“ zählen oder wenn jedermann die Postings einsehen kann. Posten Sie dort Beschimpfungen, müssen Sie mit den oben beschriebenen Konsequenzen rechnen. Auch das „Liken“ eines beleidigenden Facebook-Posts mit dem Gefällt-mir-Button, kann Sie in rechtliche Schwierigkeiten bringen, denn damit schließen Sie sich der Beleidigung eines anderen an.[5]

 

 

 

[1] § 185 Strafgesetzbuch

[2] § 186, 187 Strafgesetzbuch

[3] Landesarbeitsgericht Hessen, Urteil vom 14.9.2010, Aktenzeichen: 3 Sa 243/10.

[4] Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 10.12.2009, Aktenzeichen: 2 AZR 534/08.

[5] Arbeitsgericht Dessau-Roßlau, Urteil vom 21.3.2012, Az.: 1 Ca 148/11. Im Ergebnis wurde hier eine fristlose Kündigung allerdings als unverhältnismäßig angesehen.