Auch wenn viele aus Sorge um Ihren Job die Auseinandersetzung mit Ihrem Arbeitgeber scheuen: Eine Beleidigung von Ihrem Chef müssen Sie nicht hinnehmen. Wenn Sätze wie „Das ist nicht auszuhalten. Sie sind ja dumm wie Brot!“ im Vier-Augen-Gespräch fallen oder gar im Großraumbüro vor den Kollegen, wird nicht nur das Verhältnis zum Chef stark belastet, das Arbeitsklima insgesamt leidet und das Selbstwertgefühl des Betroffenen rutscht in den Keller.

 

Stufe 1: Das persönliche Gespräch suchen

Handelt es sich um eine einmalige Entgleisung Ihres Chefs, sollten Sie ihm in einem persönlichen Gespräch Gelegenheit geben, die Sache aus der Welt zu schaffen. Machen Sie deutlich, dass sein Verhalten unakzeptabel ist und fordern Sie eine Entschuldigung ein. Fand die Beleidigung vor Kollegen statt, ist sicher auch eine öffentliche Entschuldigung angebracht.

Ist der Beleidigende „nur“ Ihr direkter Vorgesetzter und zudem uneinsichtig, sollten Sie ankündigen, das Management und/oder den Betriebsrat einzuschalten. Je nach Schwere der Beleidigung und Gesprächsverlauf können Sie auch erwähnen, dass Sie erwägen, den Vorfall zur Anzeige bringen.

 

Stufe 2: Hilfe beim Betriebsrat oder auf höherer Ebene suchen

Manchmal hilft ein Vier-Augen-Gespräch nicht weiter. Sind die Fronten verhärtet, sollten Sie den Betriebsrat um Hilfe bitten. Er kann zwischen Ihnen und Ihrem Chef vermitteln. Auch Ihr Arbeitgeber ist verpflichtet, sich schützend vor Sie zu stellen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen, damit Vorfälle dieser Art künftig vermieden werden. Das Management kann Ihren Vorgesetzten dann z. B. versetzen, abmahnen, kündigen – im Extremfall sogar fristlos.

 

Stufe 3: Anzeige bei der Polizei?

Eine Äußerung Ihres Chefs, die Sie in Ihrer Ehre verletzt oder darauf abzielt, Sie bei anderen herabzuwürdigen, ist eine strafbare Beleidigung oder aber auch eine sogenannte üble Nachrede oder Verleumdung. Wenn Sie möchten, dass sich die Strafverfolgungsbehörden mit der Angelegenheit beschäftigen, müssen Sie einen Strafantrag stellen, und zwar schriftlich bei der Polizei oder Staatsanwaltschaft innerhalb von drei Monaten nach dem Vorfall. Anschließend wird ein Ermittlungsverfahren eingeleitet und Ihr Peiniger erhält entweder einen sog. Strafbefehl oder wird – sollte es zu einer Gerichtsverhandlung kommen – höchstwahrscheinlich zu einer Geldstrafe verurteilt.

 

Überlegen Sie sich den Schritt zur Anzeige sehr gut: Juristische Keulen dieser Art hinterlassen oft tiefe Narben bei den Beteiligten. Sie sollten nur eingesetzt werden, wenn eine Beleidigung, egal wie man sie dreht und wendet, so heftig war, dass sie einfach nicht hinnehmbar ist.