Halt, stopp, ich fühle mich gemobbt! Erste Hilfe bei Mobbing

Ein Anti-Mobbing-Gesetz, wie es z. B. in Dänemark oder Frankreich existiert, gibt es in Deutschland nicht. Natürlich heißt das noch lange nicht, dass Arbeitnehmer hierzulande den Anfeindungen oder Schikanen von Chefs oder Kollegen schutzlos ausgeliefert sind. Auch wenn Mobbing nicht ausdrücklich verboten ist, gibt es juristische Werkzeuge, die Betroffenen dabei helfen (können), das böse Spiel zu beenden.

 

Führen Sie Protokoll!

Fühlen Sie sich als Mobbing-Opfer, ist vor allem eines wichtig: Dokumentieren Sie alle Vorfälle genau. Denn egal, ob, wie und wann Sie gegen das Mobbing vorgehen wollen: Sie müssen Ihre Vorwürfe immer auch belegen können. Schreiben Sie Datum, Zeit, Ort und Beteiligte auf und dazu in Stichworten den Sachverhalt. Noch besser ist es natürlich, wenn Sie im Unternehmen einen oder mehrere Zeugen haben, die bestätigen können, dass Sie vom Chef oder den Kollegen schlecht behandelt werden. Suchen Sie sich also, wenn möglich, Allianzen und Verbündete.

 

Ihr Recht auf Beschwerde beim Arbeitgeber

Werden Sie von Kollegen gemobbt, muss Ihr Chef tätig werden und versuchen, das Mobbing zu unterbinden. Diese Pflicht folgt aus nichts Geringerem als dem Grundgesetz[1]. Mobbing ist nämlich ein Eingriff in das dort garantierte sog. allgemeine Persönlichkeitsrecht und ein Angriff auf Ihre seelische und körperliche Unversehrtheit – und diese sog. Rechtsgüter muss Ihr Arbeitgeber im beruflichen Umfeld schützen. Er kann sich also nicht darauf berufen, dass ihn das Ganze nichts angeht. Gegenüber dem Arbeitgeber haben Sie das sog. Beschwerderecht[2], das immer dann greift, wenn sich ein Arbeitnehmer vom Vorgesetzten oder von Kollegen benachteiligt, ungerecht behandelt oder beeinträchtigt fühlt – also auch im Fall von Mobbing. Beschweren Sie sich, muss Ihr Arbeitgeber den Sachverhalt prüfen und Sie über das Ergebnis der Prüfung informieren. Hält er Ihre Beschwerde für berechtigt, muss er alles dafür tun, um das Mobbing abzustellen. Weist er sie zurück, können Sie dagegen vor dem Arbeitsgericht klagen.

 

Hilfe vom Betriebsrat

Auch Bossing ist verboten, was sich ebenfalls aus dem Grundgesetz ergibt. Mobbt Sie Ihr Chef, dann sollten Sie sich Hilfe beim Betriebsrat suchen, sofern es einen solchen im Unternehmen gibt. Ihre Beschwerde dort[3] hat zur Folge, dass der Betriebsrat den Vorwürfen nachgehen und dann darüber beschließen muss, ob er sie für berechtigt hält oder nicht. Hält er sie für berechtigt, muss er tätig werden und sich beim Arbeitgeber um Abhilfemaßnahmen bemühen. Lehnt der Chef diese ab, kann der Betriebsrat die sog. Einigungsstelle[4] anrufen, die die Angelegenheit klärt. Die Beschwerde darf übrigens keine Nachteile für den Arbeitnehmer nach sich ziehen. Ihr Chef darf Ihnen z. B. wegen der Beschwerde nicht einfach kündigen oder Sie degradieren.

 

Mobbing-Opfer brauchen Kraft und Abstand: Wie Sie sich eine Auszeit verschaffen

Mobbing ist immer belastend. Und je länger es andauert, desto unerträglicher wird die Situation. Um einen klaren Kopf zu bekommen und wieder durchatmen zu können, kann es helfen, sich eine kurze Auszeit von der Arbeit zu schaffen.

 

Mobbing kann krankmachen: Auszeit per Attest vom Arzt

Stellen Sie fest, dass Ihr Körper bereits auf den Mobbing-Stress reagiert, z. B. durch Migräne, Bluthochdruck oder Magenschmerzen, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Erklärt er Sie per Attest für arbeitsunfähig, können Sie der Situation am Arbeitsplatz zumindest vorübergehend entrinnen. Ihr Gehalt wird dann natürlich weitergezahlt. Mehr Informationen rund um die Krankschreibung erhalten Sie hier ((Bitte auf Paket: Krankheit und Arbeitsunfähigkeit verweisen)). Ein Attest ist auch noch in anderer Hinsicht nützlich: Es kann in einem späteren Gerichtsverfahren als Indiz dafür dienen, dass Mobbing stattgefunden hat.

 

Leistungsverweigerungsrecht: keine Arbeit – voller Lohn

Wer gemobbt wird, kann zur Not auch – ganz ohne Attest vom Arzt – die Arbeitsleistung verweigern – und zwar bei vollem Lohnanspruch[5]. Dieses Sonderrecht haben Sie, wenn Ihr Arbeitgeber schon seit längerem von den Mobbingvorfällen weiß, jedoch nichts dagegen tut. Allerdings sollten Sie davon nur Gebrauch machen, wenn es sich zweifelsfrei um Mobbing handelt und Sie sowohl das Mobbing selbst als auch die Information darüber an den Arbeitgeber auch belegen können. Sie riskieren sonst im schlimmsten Fall eine (berechtigte) Kündigung seitens des Arbeitgebers.

 

 

 

 

 

[1] Art. 1 und Art 2 Abs. 2 Grundgesetz

[2] § 84 Abs. 1 Betriebsverfassungsgesetz bzw. § 13 AGG, wenn das Mobbing gleichzeitig eine Diskriminierung im Sinne des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes ist

[3] § 85 Betriebsverfassungsgesetz

[4] § 85 Abs. 2 Betriebsverfassungsgesetz

[5] § 273 Abs. 1 Bürgerliches Gesetzbuch; bei Mobbing in Form von sexueller Belästigung gibt es einen eigens geregelten Anspruch für das Leistungsverweigerungsrecht, § 14 Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz