Ratgeber zu: Konflikte am Arbeitsplatz

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Strategien, wenn der Job wegen Mobbings verlassen wird

Hat das Mobbing einmal angefangen, ist es nur schwer wieder abzustellen. Oft gelingt das trotz aller Bemühungen nicht, und dem Opfer bleibt nur noch die Flucht. Die traurige Realität: Die meisten Mobbing-Fälle enden dadurch, dass der Betroffene schließlich aufgibt, das Unternehmen verlässt und sein Glück bei einem neuen Arbeitgeber versucht.

 

Einfach, aber ungerecht: die ordentliche Kündigung

Natürlich können Sie, wenn Sie zur Zielscheibe von Mobbing werden, jederzeit ordentlich kündigen – d. h. ohne Angabe von Gründen und mit der regulären Kündigungsfrist (siehe hierzu die KK Eigenkündigung des Arbeitnehmers. Allerdings hat eine solche Kündigung gravierende Nachteile: Sie geben damit aus eigenen Stücken Ihren Arbeitsplatz auf – eine Folge, die vielleicht mit dem Mobbing von Ihren „Gegnern“ im Unternehmen gerade beabsichtigt war. Haben Sie keinen neuen Job in Aussicht, laufen Sie obendrein Gefahr, eine Weile ganz ohne Bezüge dazustehen – denn bei einer freiwilligen Eigenkündigung riskieren Sie, dass die Agentur für Arbeit eine 12-wöchige Sperrzeit für das Arbeitslosengeld verhängt. Zwar gab es in der Vergangenheit Fälle, in denen die Behörde bei einer Eigenkündigung wegen Mobbing von der Sperrzeit absah, eine Garantie dafür gibt es aber nicht.

 

Außerordentliche Kündigung: besser, aber auch nicht ideal

Wird die Situation für ein Mobbing-Opfer unerträglich, kann es außerordentlich, d. h. aus wichtigem Grund, kündigen und danach für den Verlust des Arbeitsplatzes sogar Schadensersatz vom Unternehmen verlangen[1]. Bedingung dafür ist, dass der Arbeitgeber von den (schweren) Mobbingvorfällen weiß und trotzdem nichts daran ändert. Vor einer solchen Kündigung sollten Sie sich von einem Fachanwalt für Arbeitsrecht beraten lassen, der die juristischen Fallstricke kennt und gemeinsam mit Ihnen die Kündigung „wasserdicht“ macht.

 

Schweigen gegen Abfindung: der Deal per Aufhebungsvertrag

Vielleicht können Sie – am besten unterstützt durch einen Anwalt – mit Ihrem Arbeitgeber auch einen Aufhebungsvertrag aushandeln, in dem sich das Unternehmen zu einer großzügigen Abfindung verpflichtet. Angesichts des bereits herrschenden Fachkräftemangels müssen Unternehmen heutzutage immer mehr auf ihre Reputation als Arbeitgeber achten. Gerichtsverfahren oder Bewertungen in Arbeitgeberportalen, die den Namen des Unternehmens mit Mobbing in Verbindung bringen, sind für dessen guten Ruf bekanntermaßen eher schädlich. Deswegen ist so mancher Arbeitgeber gerne bereit, die „Angelegenheit“ diskret und dafür gegen eine großzügige Entschädigung via Aufhebungsvertrag zu regeln.

 

Die Klage: kontraproduktiv und mit ungewissem Ausgang

Mobbing-Opfer können gegen das Mobbing klagen. So kann man seine Gegner zum Beispiel vom Gericht zu einem Unterlassen des Mobbings verurteilen lassen[2]. Theoretisch kann man quasi als Entschädigung für das Mobbing vor Gericht auch Schadensersatz oder/und Schmerzensgeld erstreiten[3]. Das funktioniert, wenn Ihnen durch das Mobbing ein Schaden entstanden ist, z. B. wenn Sie dadurch krank geworden sind oder Ihren Arbeitsplatz verloren haben. Verklagt werden kann hier neben den eigentlichen Mobbing-Tätern auch der Arbeitgeber, der das Mobbing im Unternehmen zugelassen hat.

Allerdings sollte man sich solche Schritte genau überlegen – am besten gemeinsam mit einem erfahrenen Anwalt: Oft hinterlässt ein Gerichtsverfahren noch tiefere Gräben zwischen den Fronten. Zudem ist es nicht sicher, ob die Richter aufgrund der Fakten- und Indizlage das Mobbing bestätigen.

 

 

 

[1] § 628 Abs. 2 Bürgerliches Gesetzbuch

[2] § 1004 Abs. 1 Satz 2, § 823 Bürgerliches Gesetzbuch

[3] §§ 823 ff. bzw. § 280 Bürgerliches Gesetzbuch