Ratgeber zu: Konflikte am Arbeitsplatz

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Wie Sie sich gegen Diskriminierung wehren können

Viele Diskriminierungsopfer denken, dass alles mit der Zeit schon besser wird, wenn sie sich unauffällig verhalten und vollen Einsatz zeigen. Doch leider stellt sich dies oft als Trugschluss heraus: Wer sich nicht wehrt, läuft Gefahr, immer mehr in die Opferrolle abzudriften nach dem Motto: „Mit dem/mit der können wir es ja machen!“. Wer im Job diskriminiert wird, sollte sich daher möglichst frühzeitig Hilfe holen. Anlaufstellen dafür existieren relativ viele, sowohl außerhalb als auch innerhalb des Unternehmens.

 

Antidiskriminierungsstellen als erster Ansprechpartner

Extern gibt es mittlerweile fast in jedem Bundesland sog. Antidiskriminierungsstellen, bei denen man sich – vertraulich – über seine Rechte informieren kann und einen im Thema erfahrenen und geschulten Ansprechpartner findet, der die Lage von außen objektiver als man selbst einschätzen kann. Auf Wunsch des Betroffenen bitten diese Stellen den Arbeitgeber um eine Stellungnahme und vermitteln zwischen den Seiten. Hier können Sie eine Beratungsstelle in Ihrer Nähe suchen.

 

Interne Hilfe im Unternehmen

Intern sollten Sie zunächst immer Ihren direkten Vorgesetzten über das Vorgefallene informieren und mit ihm gemeinsam nach einer Lösung suchen. Erst wenn das nicht gelingt oder er etwa selbst in die Diskriminierung verwickelt ist, sollten Sie sich nach anderen geeigneten Ansprechpartnern umsehen.

In jeder Firma muss es eine Anlaufstelle für Diskriminierungsvorfälle geben. So will es das Gesetz[1]. Ihre Beschwerde dort führt dazu, dass der Sachverhalt geprüft und mit allen verfügbaren Mittel aufgeklärt wird: Die Beteiligten werden angehört, Zeugen werden befragt etc. Kommt man dort zum Ergebnis, dass Diskriminierung vorliegt, muss Ihr Arbeitgeber alles dafür tun sie abzustellen. Geht die Diskriminierung von Ihren Kollegen aus, können sie z. B. deswegen versetzt oder abgemahnt, in schweren Fällen sogar fristlos gekündigt werden.[2]

In Fällen, in denen es um eine Benachteiligung wegen des Geschlechts geht, kann auch die Gleichstellungsbeauftragte im Unternehmen weiterhelfen.

 

Bei (sexueller) Belästigung: Leistungsverweigerung

Artet die Diskriminierung in eine fortdauernde (sexuelle) Belästigung aus und tut Ihr Arbeitgeber, der darüber informiert ist, nichts dagegen oder ergreift er nur Maßnahmen, die Sie nicht für den Übergriffen schützen, können Sie von Ihrem sog. Recht auf Leistungsverweigerung[3] Gebrauch machen. Sie dürfen dann der Arbeit fernbleiben, und zwar so lange, bis man geeignete Schutzmaßnahmen für Sie getroffen hat. Ihr Gehalt wird in dieser Zeit trotzdem weitergezahlt. Achtung: Machen Sie von diesem Recht erst Gebrauch, wenn auch wirklich sicher ist, dass eine solche Belästigung vorliegt. Sie riskieren sonst, dass der Arbeitnehmer Sie wegen der Leistungsverweigerung abmahnt oder kündigt.

 

Schadensersatz oder Entschädigung

Wer diskriminiert wurde, hat unter Umständen auch Anspruch auf Schadensersatz oder/und Entschädigung[4]. Meist kann man diese Rechte nur im Wege einer Klage durchsetzen. Freiwillig zahlen Unternehmen deswegen nur sehr selten. Die Entschädigung ist eine Art Schmerzensgeld, das die erlittene Diskriminierung quasi „wiedergutmachen soll“. Schadensersatz gibt es für finanzielle Verluste aufgrund der Diskriminierung, so z. B. das entgangene Gehalt bei einer nicht erfolgten Beförderung oder nach einer unberechtigten Kündigung. Er setzt immer ein Verschulden voraus, d. h., der Arbeitgeber muss selbst diskriminiert haben oder von der Diskriminierung z. B. eines Vorgesetzten gewusst, aber nichts getan haben.

 

Der besondere Schutz der Betroffenen vor Gericht

Geht ein Diskriminierungskonflikt vor Gericht, muss der Betroffene nicht etwa alles haargenau beweisen können, was vorgefallen ist. Es reichen Indizien, die für die Vorfälle sprechen.

Liefern Sie die Anzeichen für eine solche Benachteiligung, können Sie sich als Kläger entspannt zurücklehnen. Ihr Arbeitgeber muss dann im Gegenzug beweisen, dass die Benachteiligung nicht diskriminierend bzw. ausnahmsweise zulässig war. Trotz dieser sog. Beweiserleichterung für Betroffene schadet es nicht, wenn Sie sich Zeugen für die Diskriminierung suchen und – bei wiederholten Vorfällen – alles genau protokollieren, was vorgefallen ist. Was Sie bei Mobbing tuen können, lesen Sie hier.

 

 

 

[1] § 13 Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz

[2] § 12 Absatz 3 und 4 Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz

[3] § 14 Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz

[4] § 15 Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz