Überall dort, wo Menschen in steter Regelmäßigkeit aufeinandertreffen, gibt es ab und zu Unstimmigkeiten oder auch größere Konflikte. Das gilt im Privatleben und natürlich auch im Job. Wer kennt sie nicht, die Tage, an denen man den Kollegen oder die Chefin gerne auf dem Mond schießen würde! Was aber, wenn es nur noch solche Tage gibt? Wenn man die ständigen Frotzeleien und Scherze der Kollegin als unerträgliche Schikane empfindet? Wenn Sie der Chef in Meetings vor Kunden und dem Team routinemäßig schlecht macht? Solche Situationen können sehr schnell dazu führen, dass die Arbeit zur Qual wird.

 

Die vier Kriterien des Mobbings

So mancher Betroffene fragt sich dann: Liegt es an mir – bin ich zu empfindlich? Oder ist das alles wirklich nicht okay? Die Rechtsprechung[1] hat definiert, wann Grenzen überschritten sind, die nicht mehr toleriert werden müssen. Das ist der Fall, wenn sich die folgenden Fragen alle mit Ja beantworten lassen. Die Gerichte sprechen dann von Mobbing oder auch von Bossing, wenn die Anfeindungen vom Chef ausgehen.

 

 

Die vier Kriterien für Mobbing Kriterium …

 

− ist nicht erfüllt

+ ist erfüllt

1.     Wird der Betroffene von Kollegen oder Vorgesetzten angefeindet, schikaniert oder diskriminiert? sehr harte, aber sachliche Kritik an Arbeitsergebnissen, so z. B. auch durch Abmahnungen

 

+ Demütigungen, sexuelle Belästigung, Gerüchte und Unwahrheiten verbreiten, Ausgrenzung aus dem Team oder von bestimmten Tätigkeiten ohne sachlichen Grund

 

Grauzone: schlechte Scherze, Witze und Hänseleien auf Kosten des Betroffenen

2.     Ist er stets das klare Opfer in einer Opfer-Täter-Beziehung, ist er also der anderen Seite unterlegen? bei Streitigkeiten und Auseinandersetzungen „auf Augenhöhe“ bei denen ein Wort das andere gibt
3.     Finden die feindseligen Handlungen über einen längeren Zeitraum hinweg statt und ist eine gewisse Systematik zu erkennen? bei vereinzelten Beleidigungen oder Anfeindungen oder bei Schikanen, die nur ein oder zwei Wochen andauern

+ ständige, über mehrere Monate andauernde Hänseleien von mehreren Kollegen betreffen immer dasselbe Teammitglied, mit dem Ziel, es aus dem Team zu ekeln

4.     Ist kein rechtlich zulässiger Grund für die Handlungen zu erkennen? sachliche Kritik, zulässige Arbeitsanweisungen

+ Betroffener soll mit der Schikane zur Eigenkündigung getrieben werden

 

Vielleicht ist es Ihnen bei der Lektüre dieser Übersicht bereits aufgefallen: Damit Richter von Mobbing ausgehen, muss schon einiges passiert sein. Zudem ist die Grenze zwischen noch zu ertragenden Konflikten und verpöntem Mobbing schwierig zu ziehen. Nicht nur, weil die Kriterien ziemlich unbestimmt sind, sondern auch, weil Emotionen, wie z. B. Wut, Ärger, Enttäuschung, Angst, Traurigkeit, und auch das eigene Verhalten eine große Rolle spielen. Sind Sie selbst betroffen, sollten Sie Hilfe von anderen suchen, die Ihre Situation objektiver beurteilen können. Es gibt mittlerweile in allen Bundesländern Beratungsstellen für Mobbing-Opfer. Wie Sie mit juristischen Mitteln gegen Mobbing vorgehen können und wer Ihnen dabei helfen kann, erfahren Sie hier.

 

 

 

[1] Vgl. vor allem Landesarbeitsgericht mit seinem Grundsatzurteil vom 10.04.2001, Aktenzeichen: 5 Sa 403/00