Ratgeber zu: Konflikte am Arbeitsplatz

8

Kündigung im Affekt: Gelten Kündigungen, die man eigentlich nicht so gemeint hat?

Wenn man unter großem Druck steht, wenn der Chef mal wieder ein Ekel ist und ein Wort das andere gibt, wenn einem der Kragen platzt, möchte man am liebsten alles hinschmeißen. Und manchmal sagt man das dann auch: „Mir reicht’s, ich kündige!“.

Dem Vorgesetzten kann es natürlich ebenso gehen. Da wird im Eifer des Gefechts schnell mal gerufen: „Packen Sie Ihre Sachen, Sie sind gefeuert!“ Hinterher, wenn man sich beruhigt hat, möchte man am liebsten alles ungeschehen machen. Doch geht das dann noch? Welche Konsequenzen haben diese sog. Kündigungen im Affekt?

 

Bei mündlichen Kündigungen

Grundsätzlich gilt: Worte sind Schall und Rauch. Existiert die Kündigung nicht auf dem Papier, sondern wurde sie nur mündlich formuliert, haben Sie nichts zu befürchten. Gekündigt werden muss immer schriftlich [1]. Das Gesetz will mit diesem Formzwang nicht nur Arbeitgeber, sondern insbesondere auch Arbeitnehmer vor übereilten und folgenschweren Erklärungen schützen. Eine mündliche Kündigung ist immer unwirksam: sie hat, rechtlich gesehen, keine Folgen. Gleiches gilt auch für eine Kündigung per E-Mail oder Fax.

 

Kommt Ihrem Chef Ihre unüberlegte Kündigungserklärung gerade recht und will er Sie darauf festnageln, können Sie sich grundsätzlich auf die Unwirksamkeit Ihrer Kündigung wegen der fehlenden Schriftform berufen. Meint Ihr Chef seine Kündigung im Affekt wirklich ernst, muss er sie schriftlich wiederholen.

 

Die schriftliche Kündigung gilt immer

Anders sieht es aus, wenn Sie Ihrem Chef wutentbrannt eine schriftliche Kündigung mit Ihrer Unterschrift auf den Schreibtisch knallen. Sie ist wirksam und kann nicht mehr einseitig zurückgenommen werden. Spätere Reue hilft da nichts. Lässt sich Ihr Arbeitgeber nicht darauf ein, das „Missverständnis“ einvernehmlich aus der Welt zu schaffen, sind Sie an Ihre Erklärung gebunden.

 

 

[1] § 623 Bürgerliches Gesetzbuch