Ratgeber zu: Konflikte am Arbeitsplatz

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Bevorzugung von Kollegen: Was ist Diskriminierung?

Lisa Meier seufzt: „Ich hab schon wieder keine Gehaltserhöhung bekommen. Mein Kollege, der exakt die gleiche Aufgabe und Qualifikation hat und genauso lang hier arbeitet, verdient jetzt schon fast 500 Euro mehr als ich.“ Lisa ist mit ihrem Problem nicht allein. In Deutschland verdienen Frauen durchschnittlich rund 4 Euro brutto weniger pro Stunde als Männer. Das mag u. a. daran liegen, dass es immer noch hauptsächlich Frauen sind, die ihre Karriere freiwillig für die Familie opfern. Gar nicht so selten ist der Grund für die schlechtere Bezahlung jedoch ein ganz anderer: So gibt es Unternehmen, in denen Frauen nur deswegen weniger verdienen als ihre männlichen Pendants, weil sie Frauen sind. Der Gesetzgeber nennt das Diskriminierung.

 

Unter Diskriminierungsschutz stellt das Gesetz[1] aber nicht nur Frauen. Es hat viele Merkmale definiert, aufgrund derer nicht benachteiligt werden darf. So dürfen die Rasse oder die kulturelle Herkunft eines Arbeitnehmers, sein Alter und sein Geschlecht, die sexuelle Orientierung, eine Behinderung oder die Religion bzw. die Weltanschauung für den Arbeitgeber keine Rolle spielen. Das Unternehmen muss auch dafür sorgen, dass Arbeitnehmer deswegen auch nicht von den Kollegen oder Vorgesetzten diskriminiert oder belästigt werden.

 

Wenn Sie allein wegen dieser Eigenschaften schlechter behandelt werden als vergleichbare Kollegen, müssen Sie sich das nicht gefallen lassen, denn Diskriminierung aus diesen Gründen ist verboten[2].

 

Aber Achtung: Nicht jede berufliche Benachteiligung ist automatisch auch eine unzulässige Diskriminierung. Liegt ein nachvollziehbarer sachlicher Grund dafür vor, sind Nachteile erlaubt.[3] Werden Sie z. B. als Frau nicht befördert, weil Ihnen im Gegensatz zu Ihrem Kollegen die geforderte fachliche Qualifikation fehlt, wurden Sie zwar de facto benachteiligt, aber eben nicht diskriminiert.

 

Benachteiligung wegen … Kann in folgenden Fällen vorliegen:
rassistischen Gründen bzw. ethnischer Herkunft
  • Ausländerfeindliche Schmierereien in den Mitarbeiter-WCs werden trotz Aufforderung der ausländischen Kollegen nicht entfernt.
  • Ein dunkelhäutiger Mitarbeiter wird nur im Lager eingesetzt, weil laut Chef nur deutsch aussehende Mitarbeiter Kundenkontakt haben sollen.
des Geschlechts
  • Eine Frau wird nicht befördert, weil sie schwanger ist.
  • Eine Frau wird wegen einer Schwangerschaft gekündigt.
religiösen oder weltanschaulichen Gründen
  • Einer muslimischen Reinigungskraft wird verboten, bei der Arbeit ein Kopftuch zu tragen.
einer Behinderung
  • Einem Sachbearbeiter wird wegen einer HIV-Infektion gekündigt.
  • Einer Verkäuferin wird wegen ihres starken Übergewichts gekündigt.
des Alters
  • Die Beförderung eines Arbeitnehmers wird abgelehnt, weil er „für den neuen Posten zu alt ist“.
  • Ein befristeter Vertrag wird nicht verlängert wegen des „hohen Alters“ des Arbeitnehmers.
  • Jüngere Arbeitnehmer erhalten weniger Urlaub als alte oder sie werden in einer internen Richtlinie von Beförderungen ausgeschlossen.
der sexuellen Orientierung
  • Ein Fußballprofi wird nicht mehr im Team eingesetzt, als sich herausstellt, dass er homosexuell ist.
  • Einem Kinderpfleger wird gekündigt, weil er homosexuell ist.

 

Was Sie gegen Diskriminierung am Arbeitsplatz tun können, lesen Sie hier.

 

 

 

[1] Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz

[2] §§ 8 bis 10 und 20 Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz