Ratgeber zu: Urlaub & Auszeit vom Job

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Darf der Arbeitgeber über Ihren Urlaub bestimmen?

Grundsätzlich können Sie frei wählen, wann Sie Ihren Urlaub nehmen, und Ihr Arbeitgeber muss sich nach Ihren Wünschen richten. So will es das Gesetz[1]. Aber eben nur „grundsätzlich“. Genau dasselbe Gesetz schränkt diese Freiheit dann auch gleich wieder ein. Mit den folgenden Begründungen darf Ihr Chef Ihnen einen Strich durch Ihre Urlaubsplanung machen.

 

  1. Dringende betriebliche Belange

Ihrem Urlaubswunsch dürfen keine dringenden betrieblichen Belange entgegenstehen. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn es in dieser Zeit zu personellen Engpässen kommen würde, weil entweder gerade besonders viele Kollegen krank sind, oder durch geplante Dienstreisen ausfallen. Auch wenn die Auftragslage besonders gut ist – so z. B. aufgrund einer plötzlich steigenden Nachfrage oder aber auch aufgrund der üblichen Saisongeschäfte zur Weihnachtszeit im Einzelhandel, beim Schneeräumdienst oder in einem Biergarten im Sommer –, kann Ihr Urlaub abgelehnt werden. Auch Jahresabschlüsse, Inventurarbeiten oder technische Umstrukturierungen können Ihre Anwesenheit nötig machen. Wenn Sie allerdings gleich im Anschluss an eine medizinische Vorsorgemaßnahme (zum Beispiel einer Erholungskur) oder nach einer Reha Urlaub nehmen wollen, darf Ihr Arbeitgeber diesen Wunsch nicht ablehnen – auch nicht aus betrieblichen Gründen.

Die dringenden betrieblichen Belange dürfen übrigens kein Dauerzustand sein. Egal wie voll die Auftragsbücher sind und wie unverzichtbar Sie für Ihren Chef sind – er muss Ihnen den gesetzlichen oder vertraglich garantierten Urlaub im Kalenderjahr auf jeden Fall gewähren. Sie aufs nächste Jahr vertrösten darf er nicht.

 

  1. Betriebsferien

Gibt es in Ihrem Unternehmen Betriebsferien, müssen Sie Ihren Urlaub in diese Zeit legen. Einfach so bestimmen darf Ihr Chef solche allgemeinen Urlaubsvorgaben allerdings nicht. Die Betriebsferien müssen am Jahresanfang für das ganze Jahr im Voraus festgelegt werden. Und es muss ein „dringendes betriebliches Erfordernis“ geben, dass eine einheitliche Ferienregelung notwendig macht. Es kann z. B. vorliegen bei Saisonbetrieben wie einer Eisdiele, die drei Wochen im Dezember schließt, weil dann mit Gefrorenem kein Umsatz zu machen ist.

 

  1. Vorrangige Urlaubswünsche Ihrer Kollegen

Vor allem wenn es um den kostbaren Urlaub in den Schulferien geht, gibt es häufig Gerangel unter Kollegen und mit dem Chef, wer Urlaub machen darf und wer die Stellung halten muss. Können aus betrieblichen Gründen nicht alle zur selben Zeit verreisen, muss Ihr Arbeitnehmer eine sogenannte Interessenabwägung vornehmen, bei der soziale Gesichtspunkte eine Rolle spielen: Haben Sie zum Beispiel schulpflichtige Kinder und können Sie deswegen nur in den Schulferien verreisen, oder müssen Sie sich zusätzlich mit Ihrem ebenfalls berufstätigen Ehe- oder Lebenspartner absprechen, hat Ihr Urlaubswunsch Vorrang vor dem Ihres kinderlosen bzw. alleinstehenden Kollegen. Aber auch wenn Sie lange Zeit keinen Urlaub hatten und/oder Sie stark erholungsbedürftig sind oder wenn Sie die Jahre zuvor mit Ihren Wünschen zurückstecken mussten, hat Ihr Chef das bei seiner Abwägung zu berücksichtigen.

 

Auf keinen Fall dürfen Sie sich gegen den Willen Ihres Arbeitgebers auf die Reise machen. Mit so einer Selbst­be­ur­lau­bung laufen Sie Gefahr, eine Kündigung oder Abmahnung zu kassieren.

 

Wie lange darf Ihr Urlaub dauern?

Es gibt aber nicht nur Einschränkungen beim „Wann“ sondern auch bei der Frage, wie lange der Urlaub jeweils dauern darf. Der komplette Jahresurlaub beträgt vier oder, wenn vertragliche Regelungen großzügiger sind, auch mal bis zu sechs Wochen. Doch wie viel davon darf man an einem Stück nehmen? Das Gesetz sagt, dass Urlaub zusammenhängend gewährt werden soll. Grund dafür ist, dass sich der Erholungseffekt der Auszeit erst nach mehreren Tagen einstellt. Wenn Sie mindestens 12 Urlaubstage im Jahr haben, muss der Chef Ihnen Urlaub an 12 aufeinanderfolgenden Werktagen inklusive der Samstage ermöglichen[2].

 

 

[1] § 7 Abs. 1 Bundesurlaubsgesetz

[2] § 7 Abs. 2 Bundesurlaubsgesetz