Können Sie ihren Resturlaub einfach so ins Folgejahr mitnehmen?

Das Jahr neigt sich dem Ende zu, die Arbeit auf Ihrem Schreibtisch leider nicht. An Urlaub ist deswegen nicht zu denken. Doch was geschieht mit den noch offenen Urlaubstagen? Verfallen sie – oder können Sie sie ins nächste Jahr retten?

 

Grundsätzlich müssen Sie Ihren Urlaub tatsächlich bis zum 31. Dezember vollständig genommen haben, ansonsten verfällt er. So steht es im Gesetz[1]. Aber glücklicherweise gilt auch hier: keine Regel ohne Ausnahme. Der Zeitraum, in dem Sie Ihren Jahresurlaub genommen haben müssen, kann sich bis zum 31.3. des nächsten Jahres verlängern – allerdings nur, wenn zumindest eine der zwei folgenden Voraussetzungen vorliegt.

 

  1. Sie konnten aus drin­gen­den be­trieb­li­chen Gründen nicht Ihren vollen Urlaub nehmen.

Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn Ihr Dezemberurlaub nicht bewilligt wird, weil mehrere Kollegen krankheitsbedingt ausfallen und Ihr Chef ohne Sie das Weihnachtsgeschäft nicht stemmen kann.

 

  1. Sie konnten aus persönlichen Gründen Ihren Jahresurlaub nicht aufbrauchen.

Auch wenn Sie kurz vor Ihrem Urlaub am Jahresende krank werden, dürfen Sie Ihren verbleibenden Urlaub bis zum Ende des ersten Quartals des Folgejahres nachholen. Was aber, wenn Sie bereits das letzte halbe Jahr krankgeschrieben waren und an eine Genesung bis zum 31.03. nicht zu denken ist? Keine Sorge, auch in diesen Fällen verlieren Sie Ihren Urlaubsanspruch nicht. Hier steht Ihnen sogar der Europäische Gerichtshof[2] zur Seite, der für solche Fälle bestimmt: Wenn es Ihnen wegen einer langen Krankheit nicht möglich ist, Ihren Urlaub bis zum 31.03. zu nehmen, verlängert sich die Verfallsfrist auf 15 Monate. Mehr zum Thema „Krank im Urlaub“ lesen Sie hier.

 

Was darf Ihr Arbeitgeber vertraglich regeln?

Sehen Sie in Ihren Arbeits- oder Tarifvertrag und in für Sie geltende Betriebsvereinbarungen. Arbeitgeber dürfen nämlich darin Festlegungen für die Urlaubsübertragung treffen, soweit sie für ihre Arbeitnehmer günstiger sind als der gesetzliche Anspruch. So dürfen in vielen Firmen die Arbeitnehmer ihren Resturlaub ohne besondere Gründe ins Folgejahr mitnehmen. Haben Sie mehr Urlaub, als Ihnen von Gesetzes wegen zusteht, kann auch geregelt werden, dass Sie Ihren gesetzlich garantierten Mindesturlaub übertragen können, während die darüber hinaus gewährten Urlaubstage ohne Wenn und Aber zum Jahresende vollständig verfallen.

 

War und ist es in Ihrem Unternehmen schon immer üblich, allen Mitarbeitern eine Übertragung von Urlaubstagen ins Folgejahr zu gestatten, kann sich auch aus dieser sogenannten betrieblichen Übung ebenfalls ein Anspruch für Sie ergeben.

 

Individuelle Vereinbarung

Ist so viel zu tun, dass Sie Ihren Urlaub auch bis zum 31.03. nicht nehmen können, sollten Sie gemeinsam mit Ihrem Chef vereinbaren, dass der Resturlaub auch über dieses Datum hinaus genommen werden kann. Lassen Sie sich solche Zusicherungen immer schriftlich geben, damit Sie später etwas in der Hand haben.

 

Auf eine Umwandlung des Resturlaubs in Geld wird sich ein gut informierter Arbeitgeber dagegen nicht einlassen. Ihr Chef kann sich von Ihrem Urlaubsanspruch nämlich nicht freikaufen. Das Recht auf Urlaub behalten Sie trotz der Zahlung auch weiterhin.

 

 

[1] § 7 Absatz 3 Bundesurlaubsgesetz

[2] Urteil des Europäischen Gerichtshof vom 22.11.2011, Aktenzeichen: C-214/10