Lebenslanges Lernen ist angesagt, wenn man im Job nicht den Anschluss verlieren will. Denn es gibt heutzutage kaum ein Arbeitsfeld, in dem man auf regelmäßige Weiterbildung verzichten kann. Wenn sich Arbeitnehmer in ihrem Beruf weiter- und fortbilden, profitieren natürlich auch deren Arbeitgeber. Und das ist auch der Grund dafür, warum die Wissensvermittlung oft von den Unternehmen in Form von internen Seminaren organisiert und finanziert wird. Was aber, wenn Ihnen das nicht reicht und Sie sich darüber hinaus gerne privat weiterbilden möchten? Muss Ihr Arbeitgeber tolerieren, dass Sie eine Zeit lang wegen einer Weiterbildung fehlen, und muss er Ihnen trotz Ihres Fehlens Gehalt zahlen?

 

Die Rede ist hier vom sog. Bildungsurlaub: Ihr Arbeitgeber stellt Sie unter Fortzahlung Ihres Gehalts für einen befristeten Zeitraum von der Arbeit frei, damit Sie sich auf eigene Kosten beruflich weiterbilden.

 

Hat man Anspruch auf Bildungsurlaub?

Zwar gibt ein eigenes Gesetz zur Berufsbildung[1], einen Anspruch auf bezahlte Freistellung für Arbeitnehmer sucht man hier jedoch vergebens. Allerdings haben fast alle Bundesländer – mit Ausnahme von Bayern und Sachsen – in ihren speziellen Landesgesetzen einen Anspruch auf Bildungsurlaub eingeführt. Die Anspruchsvoraussetzungen sind überall weitgehend ähnlich geregelt. Wenn Sie allerdings ganz konkret wissen wollen, was nun für Ihr Bundesland gilt, empfiehlt sich ein genauer Blick in „Ihre“ landesrechtlichen Regelungen. Welche das sind, richtet sich nach dem Standort, an dem Sie arbeiten, nicht nach Ihrem Wohnort. Die folgenden Punkte sind in allen Ländern weitgehend gleich geregelt.

 

 

Wer hat Anspruch? Jeder Arbeitnehmer hat einen Anspruch auf Bildungsurlaub, in den meisten Bundesländern auch Auszubildende.
Wie lange? Sie haben grundsätzlich pro Kalenderjahr Anspruch auf 5 Tage bezahlten Bildungsurlaub. Teilweise ist es auch erlaubt, Ansprüche aus 2Jahren anzusparen, um sich dann 10 Arbeitstage hintereinander weiterzubilden. Bei Teilzeitkräften reduzieren sich die Bildungstage entsprechend der wöchentlichen Arbeitstage.
Wofür? Nicht für jede Weiterbildungsmaßnahme gibt es die Freistellung. Es muss sich um eine staatlich anerkannte Bildungsmaßnahme handeln. Und in einigen Ländern gibt es z. B. keinen Bildungsurlaub für Sprachreisen ins Ausland Schauen Sie hierfür am besten in die von Ihrem Bundesland geführten Listen mit den anerkannten Maßnahmen und Weiterbildungsträgern.

Generell gilt: Ihr Arbeitgeber muss, da er in der Zeit der Freistellung Ihr Gehalt weiterzahlt, einen sog. Mindestnutzen von der Weiterbildung haben. Der liegt nicht vor, wenn die Weiterbildung ausschließlich einer Neuorientierung dient und mit der derzeitigen Tätigkeit gar nichts zu tun hat.

Wann? Erst nachdem Sie bereits mindestens 6 Monate im Unternehmen gearbeitet haben, dürfen Sie Bildungsurlaub beantragen.
Wie? Sie müssen Ihren beabsichtigten Bildungsurlaub in fast allen Bundesländern 6 Wochen vor Beginn schriftlich bei Ihrem Arbeitgeber anmelden. Antragsformulare gibt es bei den Bildungsträgern. Nur aus dringenden betrieblichen Gründen darf der Chef Ihren Wunsch ablehnen (zum Beispiel bei Personalmangel wegen Urlaubszeiten). Die Ablehnung und auch die Gründe hierfür muss Ihr Chef Ihnen schriftlich mitteilen.

 

 

Viele Arbeits- oder Tarifverträge und/oder Betriebsvereinbarungen enthalten ebenfalls Regelungen zum Bildungsurlaub. Aber Achtung: Diese dürfen nur zu Ihren Gunsten von bestehenden landesrechtlichen Vorschriften abweichen – ansonsten sind sie ungültig.

 

 

[1] Berufsbildungsgesetz (BBiG)