Es gibt viele gute Gründe über eine längere Auszeit von der Arbeit nachzudenken: eine Weltreise, der Hausbau oder das Hilfsprojekt in Afrika. Vielleicht brauchen Sie aber auch einfach nur mal viel Zeit für sich. Ein Sabbatical ermöglicht es Ihnen, für mehrere Monate oder sogar ein Jahr auszusteigen, ohne dabei Ihren Job zu verlieren.

 

Um es gleich vorwegzunehmen: Ein Recht auf diese Freistellung haben Sie grundsätzlich nicht. Einen solchen Anspruch haben Sie nur im Ausnahmefall, nämlich dann, wenn Ihr Arbeitgeber es Ihnen im Arbeits- oder Tarifvertrag bzw. in einer Betriebsvereinbarung eingeräumt hat. In den meisten Fällen bleibt das Sabbatical jedoch reine Verhandlungssache. Sie sind dann auf das Wohlwollen und Entgegenkommen Ihres Arbeitgebers angewiesen. Folgende Varianten können Sie Ihrem Chef vorschlagen.

 

Variante 1 – Geld ansparen: Bis Sie das Sabbatical antreten, arbeiten Sie über einen längeren Zeitraum normal weiter, erhalten aber weniger Geld (sogenannte Ansparphase). Sie können zum Beispiel vereinbaren, dass Sie in dieser Phase trotz Vollzeittätigkeit nur 60 % Ihres Gehalts bekommen. Das angesparte Geld wird Ihnen dann während des Sabbaticals als monatliches Gehalt ausgezahlt. Planen Sie eine Freistellung von 9 Monaten, müssten Sie zunächst 13,5 Monate für ein 60-%-Gehalt arbeiten.

 

Variante 2 – Zeit ansparen: Sie können mit Einverständnis Ihres Chefs über einen längeren Zeitraum sogenannte Plusstunden und -tage ansammeln, zum Beispiel durch Überstunden oder durch nicht genommenen Urlaub, was später dann durch eine längere Auszeit ausgeglichen wird. Man nennt das auch Langzeitkonto. Aber Achtung: Die gesetzlichen Vorschriften zum Mindesturlaub und zu den Arbeitszeiten dürfen hier nicht missachtet werden. Schuften bis der Arzt kommt, ist nicht erlaubt.

 

Bei diesen beiden „Ansparvarianten“ bleibt Ihr Arbeitsverhältnis während der Freistellung bestehen. Alle vertraglichen und gesetzlichen Regelungen sind daher grundsätzlich weiterhin gültig, so z. B. der Kündigungsschutz und die Urlaubansprüche. Das gilt für beide Seiten: Auch Sie müssen sich in der Zeit der Freistellung an Ihre arbeitsvertraglichen Nebenpflichten halten, wie zum Beispiel Ihre Treue- und Verschwiegenheitspflicht oder ein Nebentätigkeitsverbot. Lediglich von Ihrer Pflicht, Ihre Arbeit zu leisten, sind Sie befreit. Da Sie weiterhin ein Gehalt erhalten, bleiben Sie während des Sabbaticals auch sozialversichert.

 

Variante 3 die unbezahlte Freistellung: Sie können mit Ihrem Chef auch vereinbaren, dass er Sie für einen längeren Zeitraum unbezahlt freistellt. Dann ruht Ihr Arbeitsverhältnis mit all seinen Rechten und Pflichten: Sie müssen nicht arbeiten, bekommen aber auch keinen Cent Gehalt. Neben der finanziellen Belastung hat diese Variante aber auch noch einen weiteren Nachteil: Sie müssen sich selbst um Ihre Sozialversicherung kümmern! Denn wird kein Gehalt gezahlt, werden auch keine Renten-, Kranken-, Pflege- und Unfallversicherungsbeiträge vom Arbeitgeber abgeführt. Zwar bleibt der Versicherungsschutz zunächst noch bis zu 4 Wochen lang bestehen, spätestens dann muss Ihr Chef Sie aber bei den Sozialversicherungsträgern abgemeldet haben. Wählen Sie die unbezahlte Freistellung, müssen Sie sich selbst um Ihre Krankenversicherung kümmern. Um mögliche Nachteile für Ihre spätere Rente abzufedern, sollten Sie auch darüber nachdenken, ob Sie Beiträge zur Rentenversicherung selbst zahlen.

 

Egal, für welche Variante Sie sich entscheiden – in einer sogenannten Sabbatical-Vereinbarung sollten Sie mit Ihrem Chef immer folgende Konditionen festhalten:

  • Welches Ausstiegsmodell wird angewendet?
  • Wann beginnt das Sabbatical und wie lange soll es dauern?
  • Kann die Auszeit vom Ihnen abgebrochen werden oder/und kann Ihr Chef Sie in Notfällen zurückholen?
  • Wie sehen mögliche Vergütungsregelungen aus? Werden freiwillige Leistungen (anteilig) weitergezahlt (Weihnachts-, Urlaubsgeld, betriebliche Altersvorsorge)?
  • Werden Krankheitstage angerechnet bzw. verrechnet?
  • Wird das Wettbewerbs- bzw. Nebentätigkeitsverbot bei der unbezahlten Freistellung aufrechterhalten?
  • Bleiben Ihre Urlaubsansprüche bestehen oder sind sie mit der Freistellung abgegolten?
  • Wird ein Kündigungsausschluss während der Abwesenheit vereinbart?
  • Ist Ihre Rückkehr an Ihren alten Arbeitsplatz gesichert? Achtung: Existiert eine solche Vereinbarung nicht, kann Ihr Chef Ihnen bei Ihrer Rückkehr auch einen anderen Job im Unternehmen zuweisen.