Ratgeber zu: Urlaub & Auszeit vom Job

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Geld statt Urlaub: Die Urlaubsabgeltung

In einigen Situationen wäre es viel besser, statt des Urlaubs Geld zu bekommen – vor allem dann, wenn man gerade knapp bei Kasse ist. Beim Urlaub sind die Gesetze jedoch sehr streng: Wer arbeitet, muss auch die Chance haben, sich davon zu erholen. Grundsätzlich müssen Sie daher Ihren Urlaub nehmen, d. h. für eine gewisse Zeit von der Arbeit fernbleiben. Ihr Arbeitgeber muss Ihnen den Urlaub auch gewähren, Sie also unter Fortzahlung Ihres Gehalts von der Arbeit freistellen.

 

In einem bestehenden Arbeitsverhältnis ist die Formel „Geld statt Urlaub“ nicht zulässig. Wenn ein Arbeitgeber sie trotzdem anwendet, riskiert er, dass der Arbeitnehmer den Urlaub noch einmal verlangt – und zwar zu Recht!

 

Urlaubsabgeltung, wenn das Arbeitsverhältnis beendet ist

Nur ausnahmsweise darf die Formel zulässigerweise angewendet werden[1]. So können Sie Geld für diejenigen Urlaubstage verlangen, die Sie wegen der Beendigung eines Arbeitsverhältnisses aus zeitlichen oder betrieblichen Gründen nicht mehr nehmen können, z. B. weil Sie fristlos gekündigt wurden oder weil Ihr befristeter Vertrag beendet ist. Läuft eine Kündigungsfrist, sieht es schon wieder anders aus: Ihr Chef kann Sie dann verpflichten, die noch offenen Urlaubstage in dieser Zeit abzubummeln.

 

So wird die Urlaubsabgeltung berechnet

Wie viel Geld sind die verbliebenen Urlaubstage wert? Als Berechnungsgrundlage dient hier Ihr durchschnittlicher Bruttoverdienst der letzten 13 Wochen ohne Überstunden. Ihr Brutto-Monatsgehalt wird zunächst verdreifacht, da 13 Wochen 3 Monaten bzw. einem Quartal entsprechen, und dann mit der Anzahl der noch ausstehenden Urlaubstage multipliziert. Das Ergebnis wird zum Schluss durch die Anzahl Ihrer Arbeitstage in diesen 13 Wochen geteilt. Arbeiten Sie also z. B. 5 Tage pro Woche bei einem monatlichen Bruttogehalt von 2.000 €, und sind am Ende noch 5 Urlaubstage übrig, die Sie nicht nehmen können, landen 461,54 € Urlaubsabgeltung auf Ihrem Konto:

 

  • 2.000 (Bruttogehalt) x 3 = 6.000 (Gehalt der letzten 13 Wochen)
  • 6.000 x 5 (Resturlaubstage) = 30.000
  • 30.000 : 65 (Arbeitstage in 13 Wochen bei einer 5-Tage-Woche) = 461,54 €

 

Freistellung + Urlaubsentgelt = Erholungsurlaub

Häufig kommt es vor, dass gekündigte Arbeitnehmer während der Kündigungsfrist freigestellt werden. Im Kündigungsschreiben findet sich dann meist die Regelung, dass nicht genommene Urlaubstage auf die Freistellung angerechnet werden. Das ist jedoch rechtlich nicht in Ordnung. Denn eine Freistellung ist kein Erholungsurlaub. Dieser liegt nur vor, wenn es zusätzlich zur Freistellung auch ein Urlaubsentgelt gibt. Will Ihr Arbeitgeber mit einer Freistellung die Auszahlung der noch offenen Urlaubstage umgehen, muss er Ihnen im Kündigungsschreiben gleichzeitig das Urlaubsentgelt, also die Fortzahlung der Vergütung im Urlaub (nicht zu verwechseln mit der Urlaubsageltung!), vor Antritt zahlen bzw. zusagen[2]. Denn nur die bezahlte Freistellung gilt als Erholungsurlaub.

 

Ist keine Zusage dieser Art vorhanden, haben Sie die Chance, für die noch offenen Urlaubstage Geld, also die Urlaubsabgeltung, zu bekommen. Es lohnt also ein Blick in das Kündigungsschreiben oder den Aufhebungsvertrag, um zu sehen, was dort geregelt ist.

 

Achtung: Machen Sie Ihre Ansprüche auf Urlaubsabgeltung rechtzeitig und am besten schriftlich geltend. Sie verfallen spätestens 15 Monate nach Ablauf des jeweiligen Urlaubsjahres bzw. sogar früher, wenn es Ausschlussfristen in Ihrem Arbeitsvertrag vorsehen.

 

 

[1] § 7 Abs. 4 Bundesurlaubsgesetz

[2] Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 10.02.2015, Az. 9 AZR 455/13