Ratgeber zu: Urlaub & Auszeit vom Job

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Längere Auszeit für die Pflege von Angehörigen

Nach einer schweren Krankheit kann es viele Jahre dauern, bis man wieder alleine zurechtkommt. Manchmal bleiben Menschen auch ihr ganzes Leben lang Pflegefälle und sind auf die Hilfe anderer angewiesen. Wer Angehörige auf Dauer zu Hause pflegt, weiß, wie schwierig es ist, die Doppelbelastung von Pflege und Arbeit zu stemmen. Ein wenig Entlastung bieten hier die zwei Varianten der Pflegezeit, die Ihnen als Arbeitnehmer von Gesetzes wegen zustehen.

 

Pflegezeit bis zu sechs Monate

So können Sie bis zu sechs Monate teilweise oder ganz aus Ihrem Job aussteigen, um einen nahen Angehörigen zu pflegen (sogenannte Pflegezeit). Diesen Anspruch haben Sie allerdings nur in größeren Unternehmen, die mindestens 15 Arbeitnehmer beschäftigen. In kleineren Betrieben können Sie sich die Auszeit nur nehmen, wenn der Chef einwilligt. Im Unterschied zur kurzzeitigen Pflege muss die Pflegebedürftigkeit (mindestens Pflegestufe I) hier bereits positiv festgestellt sein und die Pflege zu Hause stattfinden.

 

Eine Ausnahme gibt es lediglich für pflegebedürftige minderjährige Kinder. Der Anspruch auf Pflegezeit gilt auch dann, wenn Sie ein Kind zum Beispiel bei einem längeren stationären Krankenhausaufenthalt, also außer Haus, betreuen.

 

Wollen Sie einen nahen Angehörigen in seiner letzten Lebensphase zu Hause oder in einem Hospiz begleiten, haben Sie das Recht, bis zu drei Monate lang weniger zu arbeiten oder ganz auszusetzen.

 

In allen Fällen müssen Sie ein ärztliches Attest vorlegen und Ihrem Arbeitgeber spätestens zehn Arbeitstage vor Beginn schriftlich ankündigen, für welchen Zeitraum und in welchem Umfang Sie die Freistellung in Anspruch nehmen. Wenn Sie nur kürzertreten wollen, geben Sie also auch Ihre gewünschte Stundenzahl und -verteilung an. Der Arbeitgeber darf Ihren Wunsch nur aus gewichtigen betrieblichen Gründen ablehnen.

 

Familienpflegezeit bis zu zwei Jahre

Wenn sechs Monate für die Pflege naher Angehöriger nicht ausreichen, können Sie in einem Unternehmen mit mindestens 25 Beschäftigten sogar bis zu 24 Monate aussteigen – allerdings dann nicht ganz, sondern nur mit einer reduzierten Arbeitszeit von durchschnittlich mindestens 15 Stunden pro Woche (sogenannte Familienpflegezeit). Sie müssen auch hier ein Attest vorlegen, Damit sich Ihr Arbeitgeber darauf einstellen kann, müssen Sie ihm bereits mindestens acht Wochen vorher schriftlich ankündigen, wann, wie lange und in welchem Umfang Sie verkürzt arbeiten wollen.

 

Ihr Arbeitgeber muss Ihnen während der Pflege- oder Familienpflegezeit grundsätzlich kein Gehalt zahlen bzw. entsprechend weniger, wenn Sie die Arbeitszeit reduziert haben – es sei denn, in Ihrem Arbeits- oder Tarifvertrag ist für diese Fälle eine Ersatzleistung vereinbart. Sie können beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) jedoch ein zinsloses Darlehen beantragen, das Ihnen dann in Raten ausbezahlt wird.

 

Sie dürfen die Pflege- oder Familienpflegezeit bis zur jeweiligen Höchstgrenze nachträglich verlängern, wenn Ihr Arbeitgeber dem zustimmt. Den gewünschten Wechsel in die längere Familienpflegezeit müssen Sie Ihrem Arbeitgeber dann spätestens drei Monate vor Beginn schriftlich mitteilen.

 

Sorgen um Ihren Job müssen Sie sich nicht machen. Ihr Chef darf Ihre Auszeit nicht zum Anlass nehmen, Ihnen zu kündigen: In allen Varianten der Pflegezeit genießen Sie Kündigungsschutz. Kündigt man Ihnen trotzdem, können Sie erfolgreich dagegen klagen.