Anspruch auf ein Zeugnis haben Sie bei Beendigung Ihres Arbeitsverhältnisses1.

 

Sie sollten Ihren Zeugnisanspruch zeitnah zur Beendigung des Arbeitsverhältnisses geltend machen, idealerweise noch vor Ihrem letzen Arbeitstag. Ihre Leistung ist da noch präsenter, als wenn schon Wochen nach Ihrem letzen Arbeitstag vergangen sind. Außerdem können Sie noch inhaltlich Einfluss nehmen und mögliche Änderungswünsche mit Ihrem Vorgesetzten abstimmen. Vielleicht benötigen Sie das Zeugnis auch schon für Ihre nächste Bewerbung.

 

Welche Fristen gelten beim Arbeitszeugnis?

Grundsätzlich beträgt die Verjährungsfrist für Arbeitszeugnisse drei Jahre nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses2, danach muss der Arbeitgeber kein Zeugnis mehr ausstellen. Es gibt jedoch Ausnahmen und der Anspruch kann schon vorher verwirken, wenn der Arbeitgeber nicht in der Lage ist, ein wahrheitsgemäßes Zeugnis auszustellen, weil etwa Ihre Vorgesetzten nicht mehr bei der Firma arbeiten oder die Abteilung inzwischen geschlossen wurde. Ebenso kann Ihr Anspruch verwirken, wenn Sie den Eindruck erwecken, Sie wollen Ihr Recht auf ein Zeugnis nicht in Anspruch nehmen – dies kann schon nach einigen Monaten nach dem letzten Arbeitstag der Fallsein3, ist aber vom Einzelfall abhängig.

 

Auch kann in Arbeitsverträgen durch sogenannte Ausschlussfristen oder Verfallsklauseln geregelt sein, dass Sie Ansprüche aus dem Arbeitsverhältnis innerhalb einer bestimmten Frist geltend machen müssen. Eine übliche Formulierung ist zum Beispiel:

 

„Ansprüche aus dem Arbeitsverhältnis müssen innerhalb von drei Monaten nach Fälligkeit schriftlich geltend gemacht werden, andernfalls verfallen sie.“ 

 

Sie sollten Ihren Arbeitsvertrag auf solche Klauseln hin überprüfen. Solche Ausschlussfristen können zudem insbesondere auch in Tarifverträgen geregelt sein. Wenn möglich, fragen Sie hierzu den Betriebsrat.

 

Auch für eine Änderung des Zeugnisses gibt es Fristen. Arbeitsgerichte lehnen Klagen auf Zeugnisberichtigung gelegentlich unter Hinweis darauf ab, dass der Änderungsanspruch verwirkt und damit nicht mehr durchsetzbar sei. Dies kann im Extremfall schon nach fünf Monaten der Fall sein. Sobald Sie ihr Zeugnis haben, sollten Sie es möglichst schnell prüfen, um Änderungen notfalls noch gerichtlich durchsetzen zu können.

 

Anspruch auf ein Zeugnis haben Sie auch, wenn Sie sich mit Ihrem Arbeitgeber vor Gericht um Ihre Kündigung streiten. Auch dann sollten Sie ihr Zeugnis früh genug einfordern. Allerdings wird Ihnen Ihr Arbeitgeber im Zweifel schon ein Beendigungszeugnis erteilen, wenn das Arbeitsverhältnis aus seiner Sicht bereits beendet ist.

 

 

 

 

  1. Dieser Anspruch ergibt sich für Arbeitnehmer direkt aus § 109 Abs. 1 GewO – Zeugnis

    „Der Arbeitnehmer hat bei Beendigung eines Arbeitsverhältnisses Anspruch auf ein schriftliches Zeugnis. Das Zeugnis muss mindestens Angaben zu Art und Dauer der Tätigkeit (einfaches Zeugnis) enthalten. Der Arbeitnehmer kann verlangen, dass sich die Angaben darüber hinaus auf Leistung und Verhalten im Arbeitsverhältnis (qualifiziertes Zeugnis) erstrecken.“

  2.  Gemäß § 195 BGB.

  3. Gemäß eines Urteils des Bundesarbeitsgerichts  vom 17.2.1988 – 5 AZR 638/86, vgl. auch BB 1989, 978.