Beim Zeugnis muss sich der Arbeitgeber insbesondere an folgende fünf Regeln halten:

 

Grundsatz der Klarheit

Die Sprache, in der das Zeugnis gehalten ist, muss verständlich und frei von Widersprüchen sein. Geheimzeichen sind deshalb nicht zulässig. Mit diesem Grundsatz ist es etwa unvereinbar, bestimmte Textstellen optisch hervorzuheben, etwa durch Ausrufezeichen oder Fettungen. Das würde ihnen eine Bedeutung geben, die über den Wortsinn hinausgeht.

 

Ebenfalls unzulässig ist die Verwendung von Codes. Bei diesen verbirgt sich hinter einzelnen Aussagen ein anderer Sinn, als sie auf den ersten Blick haben. Sie sind eine versteckte Botschaft an potentielle neue Arbeitgeber, die unauffällig auf bestimmte Eigenschaften des Mitarbeiters hingewiesen wer. Typische Codes enthalten zum Beispiel folgende Formulierungen:

 

„Herr X hat im Rahmen seiner Möglichkeiten gearbeitet.“

Die eigentliche Botschaft: Herr X war erfolglos.

„Herr X wusste sich gut zu verkaufen.“

Die Botschaft: Der Kollege ist selbstgefällig und überheblich aufgetreten.


Grundsatz der Wahrheit

Das Zeugnis darf sich nur auf objektive Tatsachen stützen und diese in die Beurteilung einfließen lassen. Der Arbeitgeber darf keine Unterstellungen oder Unwahrheiten in das Arbeitszeugnis schreiben.

 

Grundsatz des Wohlwollens

Der Arbeitgeber darf die berufliche Zukunft des Mitarbeiters nicht unnötig erschweren. Deshalb ist er verpflichtet, ihn im Zeugnis grundsätzlich wohlwollend zu beurteilen. Das kann in bestimmten Fällen sogar dazu führen, dass er bestimmte Ereignisse unerwähnt lassen muss. Waren das nur einmalige Ausrutscher und nicht so essentiell für das Arbeitsverhältnis, dass ein neuer Arbeitgeber davon zwingend erfahren muss, brauchen die Vorkommnisse auch nicht im Zeugnis zu stehen.


Grundsatz der Vollständigkeit

Ergänzend zur Wahrheitspflicht muss der Arbeitgeber im Zeugnis alle wesentlichen Umstände berücksichtigen, die wichtig sind für die Leistung und das Verhalten des Arbeitnehmers. Das Zeugnis darf nichts Falsches enthalten, aber auch nichts auslassen, was der Leser eines Zeugnisses erwarten darf. Weder Wortwahl und Satzstellung noch ein Weglassen von Aussagen dürfen dazu führen, dass bei Dritten falsche Vorstellungen entstehen.


Grundsatz der individuellen Beurteilung

Der Arbeitgeber darf keine vorgefertigten Floskeln benutzen, die so pauschal sind, dass sie kaum eine Aussage über den konkret zu beurteilenden Mitarbeiter treffen. Das Zeugnis muss sich vielmehr detailliert mit ihm und seiner Leistung auseinandersetzen.