Ratgeber zu: Alles Wissenswerte zum Arbeitsvertrag

12

Chancen und Risiken bei befristeten Verträgen

Die Zahl befristeter Arbeitsverträge steigt. Allzu gerne nutzen Arbeitgeber die Befristung, um die strengen Regeln des deutschen Kündigungsschutzrechts zu umgehen. Eine Kündigung durch das Unternehmen ist in diesem Fall nicht nötig, um das Arbeitsverhältnis enden zu lassen.

 

Das Gesetz sieht grundsätzlich zwei Möglichkeiten vor, einen Arbeitsvertrag zeitlich zu begrenzen: mit Sachgrund und ohne Sachgrund.

 

Eine Befristung ohne Sachgrund, also ohne Angabe von Gründen,

  • darf längsten zwei Jahre dauern bzw.
  • innerhalb dieser zwei Jahre höchstens dreimal verlängert werden

 

Ausnahme: Längere Befristungszeiten gibt es für ältere Arbeitnehmer über 52 Jahren oder bei neu gegründeten Unternehmen.
Waren Sie zuvor bereits im selben Unternehmen beschäftigt, darf Ihnen Ihr Arbeitgeber allerdings keinen befristeten Vertrag ohne Sachgrund anbieten.

 

Bei befristeten Verträgen mit Sachgrund gibt es keine zeitliche Obergrenze. Sie können grundsätzlich auch mehrmals hintereinander abgeschlossen werden. Sachgründe, die eine Befristung rechtfertigen, liegen z. B. vor,

  • wenn nur ein vorübergehender betrieblicher Bedarf besteht (z. B. Saisonarbeit),
  • wenn Ihnen im Anschluss an eine Ausbildung oder ein Studium der Übergang in ein Arbeitsverhältnis er­leichtert werden soll,
  • wenn Sie einen anderen Arbeitnehmer vertreten sollen (z. B. wegen Schwangerschaft, Elternzeit oder Krankheit) oder
  • wenn die Befristung zur Ihrer Erprobung erfolgen soll.

 

Regelungen für befristete Arbeitsverträge

Alle Befristungsabreden müssen schriftlich geschlossen und vor Arbeitsbeginn von beiden Parteien unterschrieben werden. Dies gilt auch für die Verlängerung von befristeten Verträgen. Wird die Schriftform nicht eingehalten oder hält sich der Arbeitgeber z. B. nicht an die gesetzlichen Vorgaben zur Maximalbefristung, wandelt sich das befristete Arbeitsverhältnis automatisch in ein unbefristetes um. Gleiches gilt, wenn Sie nach Ablauf Ihrer Befristung mit Wissen Ihres Arbeitgebers die Arbeit bei ihm fortsetzen.

 

Als Arbeitnehmer mit einem befristeten Vertrag dürfen Sie nicht schlechter gestellt oder behandelt werden als ein unbefristet beschäftigter Arbeitnehmer. Das bedeutet: gleicher Lohn, gleicher Urlaub und gleiche Arbeitsbedingungen. Aber Achtung: Sind z. B. Sonderleistungen wie eine betriebliche Altersvorsorge oder Weihnachts- und Urlaubsgeld von der Dauer der Betriebszugehörigkeit abhängig, haben befristet Beschäftigte oft das Nachsehen.

 

Als Fallstrick kann sich eine Besonderheit bei befristeten Verträgen entpuppen: Während die außerordentliche Kündigung, z. B. wegen einer Straftat am Arbeitsplatz, auch ohne Vereinbarung möglich ist, ist die ordentliche Kündigung im befristeten Arbeitsverhältnis nur zulässig, wenn sie vertraglich vereinbart wurde. Das bringt auf der einen Seite Planungssicherheit mit sich. Andererseits kann es zu einem Nachteil für Arbeitnehmer werden, die während der Vertragslaufzeit ein anderes interessantes Jobangebot erhalten. Lässt sich der Chef nicht auf einen Auflösungsvertrag ein, dann sind sie gezwungen, bis zum Ende der Befristung beim alten Arbeitgeber zu bleiben. Achten Sie also bei Vertragsschluss darauf, ein Recht auf Kündigung vermerken zu lassen.