Ratgeber zu: Arbeit und Gesundheit

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Was riskiert man, wenn man „krankfeiert“?

Wohl jeder kennt sie, die Tage, in denen man sich statt aufzustehen und sich fürs Büro fertigzumachen, lieber nochmal umdrehen und weiterschlafen würde. Wie leicht wäre es jetzt, einfach zum Hörer zu greifen und sich krankzumelden! Aber ist das wirklich so? Welches Risiko gehen Sie ein, wenn Sie krankfeiern? Theoretisch ein hohes, denn eine vorgetäuschte Krankheit kann eine Abmahnung, eine Kündigung und sogar ein Verfahren wegen (versuchten) Betrugs nach sich ziehen, wenn Sie Entgeltfortzahlung erhalten haben. Auch kann Ihr Chef diese Zahlungen von Ihnen zurückverlangen.

 

Der Arbeitgeber muss die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung im Zweifel widerlegen

Praktisch gesehen ist das Risiko viel geringer. Hier gilt – losgelöst von Moral und Ethik und salopp ausgedrückt – der Grundsatz: Solange der Chef das Blaumachen nicht nachweisen kann, kann nichts passieren. Krankfeiern fast ohne Risiko gelingt, wenn ein Arzt eine sog. Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ausstellt. Dem ärztlichen Attest kommt nämlich ein hoher Beweiswert zu. Der Arbeitgeber hat nur dann die Chance, diesen Beweiswert zu erschüttern, wenn er – falls es zum Prozess wegen des Blaumachens kommt – vor Gericht Tatsachen vorträgt, die „ernsthafte und begründete Zweifel” an der attestierten Arbeitsunfähigkeit aufkommen lassen[1]. Das ist sehr schwer, zumal der Arbeitgeber meist gar nicht weiß, warum ein Mitarbeiter krankgeschrieben ist.

 

  • Um Tatsachen zu finden, die gegen die Krankheit sprechen, muss der Chef aktiv werden: Sehr selten und auch nur bei Arbeitnehmern, die immer wieder im Verdacht stehen blauzumachen, schalten Unternehmen teure Detektive ein, die den Verdächtigen dann überwachen. Manchmal nehmen sie die Überwachung auch selbst in die Hand oder bitten Mitarbeiter, dies zu tun. Das ist grundsätzlich zulässig. Allerdings müssen sie dabei die Privatsphäre des Beobachteten wahren. Das Spähen oder sogar Spionieren in Wohnungen und Häusern ist verboten.
  • Immer häufiger checken Arbeitgeber die sozialen Netzwerke. Postet der krankgeschriebene Kollege in seinem für jedermann zugänglichen Facebook-Account Fotos, die ihn z. B. beim Dachdecken seinen neuen Hauses zeigen, ist eine Abmahnung vorprogrammiert.
  • Ist ein Arbeitnehmer auffällig häufig oder besonders oft nur für kurze Dauer oder immer nur an Brückentagen oder gegen Ende der Woche krankgeschrieben, können Arbeitgeber über die Krankenkasse auch eine gutachterliche Stellungnahme des Medizinischen Dienstes einholen lassen. Weigert sich der Arbeitnehmer, an einem solchen Gutachten mitzuwirken, kann das als Indiz dafür gewertet werden, dass an der Krankheit etwas nicht ganz richtig ist.

 

 

[1] Bundesarbeitsgericht, Urteil v. 19.2.1997, 5 AZR 83/96