Stellen Sie sich vor, Sie sind krankgeschrieben und gehen morgens zum Bäcker – dort steht Ihr Chef, der sich das Sandwich fürs Büro kauft, und schaut Sie fragend an. Und nun? Seien Sie ehrlich: Sofort beschleicht Sie das unangenehme Gefühl, bei etwas Verbotenem ertappt worden zu sein. Das muss aber gar nicht sein. Eine Krankschreibung hat nicht automatisch zur Folge, dass man das Bett hüten muss oder die Wohnung nicht verlassen darf.

 

Ihre Hauptpflicht, wenn Sie krank sind: Schnell gesund werden

Zuallererst: Natürlich haben Sie während der krankheitsbedingten Auszeit auch Pflichten gegenüber Ihrem Arbeitgeber. Schließlich zahlt dieser Ihr Gehalt weiter, obwohl Sie nicht arbeiten. Sie müssen deswegen

  • den Arbeitsausfall im Rahmen des Zumutbaren möglichst kurz halten und
  • alles unterlassen, was den Heilungsprozess verzögert oder gar gefährdet.

 

Letzteres hängt immer von Ihrer Krankheit und der individuellen Situation ab und lässt sich daher auch nicht generell festlegen. Der gesunde Menschenverstand und die allgemeine Lebenserfahrung sowie Tipps vom behandelnden Arzt sind hier meist gute Ratgeber. Bei einigen Krankheiten ist es sinnvoll, viel an die frische Luft zu gehen, so zum Beispiel bei leichteren Erkältungen oder Depressionen. Ist der Arm in Gips, spricht nichts gegen einen Kinobesuch. Selbst maßvolles Sporttreiben ist okay und kann sogar den Heilungsprozess fördern, so z. B. wenn Sie Rückenbeschwerden haben oder bei Ihnen ein Burn-out diagnostiziert wurde. Mit einem Bandscheibenvorfall sollten Sie jedoch nicht beim Umzug helfen.

 

Alles, was den Heilungsprozess gefährdet, ist verboten

Verzögern oder gefährden Sie mit Ihrem Verhalten den Heilungsprozess und werden Sie dabei ertappt, drohen arbeitsrechtliche Konsequenzen. Der Arbeitgeber kann Sie abmahnen und im Wiederholungsfall sogar kündigen. Bei besonders schwerwiegenden Verstößen kommt sogar eine außerordentliche Kündigung in Betracht. So zum Beispiel wenn ein Arbeitnehmer die Zeit der Krankschreibung dazu nutzt, in einem anderen Unternehmen zu jobben. Daher ist es ratsam, in Zweifelsfällen und bei größeren Unternehmungen, Ausflügen oder gar Reisen immer erst den Arzt zu konsultieren. So können spätere Streitigkeiten mit dem Arbeitgeber vermieden werden.

 

Nicht alles, was erlaubt ist, kommt gut an. So mag ein Restaurant- oder Kneipenbesuch aus rechtlicher Sicht okay sein, weil er Ihrer Genesung nicht abträglich ist. Welchen Eindruck das auf Ihren Chef oder Kollegen macht, der zufälligerweise am Nebentisch sitzt, steht jedoch auf einem anderen Blatt. Die damit verbundenen negativen Auswirkungen auf das Arbeitsklima sind schwer wieder aus der Welt zu schaffen.