Ratgeber zu: Arbeit und Gesundheit

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Muss der Arbeitgeber für Ihre Gesundheit sorgen?

Gesundheit ist ein kostbares Gut, das wir meist erst zu schätzen wissen, wenn es nicht mehr da ist. Dabei wäre es oft viel weniger aufwendig dafür zu sorgen, dass sie gar nicht erst beeinträchtigt wird. Das hat auch der Gesetzgeber erkannt und allen Unternehmen – auch ganz kleinen – die Pflicht auferlegt, Arbeit und Arbeitsplätze so gesund und sicher zu gestalten[1], dass Gefahren von vornherein auf ein Minimum reduziert werden bzw. sich gar nicht erst realisieren.

 

Arbeitgeber müssen aufklären und geeignete Vorkehrungen treffen

In Deutschland gibt es ein ganzes Netz aus Bestimmungen zur Gesundheitsförderung und Unfallverhütung. Sie sind geschaffen worden für die Arbeit an Bildschirmen, auf Baustellen, in Produktionsbetrieben und in vielen anderen Bereichen[2]. So vielfältig sie auch sind, überall gelten immer die folgenden Grundsätze:

 

  • Es ist der Job Ihres Arbeitgebers, Sie und Ihre Gesundheit zu schützen und Sie über mögliche Risiken und deren Eindämmung aufzuklären. So haben Sie als Nichtraucher einen Anspruch darauf, in einer rauchfreien Umgebung zu arbeiten. Erledigen Sie Ihre Arbeit am PC, haben Sie ein Recht auf zusätzliche Pausen, um Ihre Augen zu schonen. Achtung: Sind Sie über Sicherheitsmaßnahmen unterrichtet worden, müssen Sie diese auch einhalten.
  • Ihr Chef darf Ihnen keine Weisungen erteilen, die Ihre Gesundheit gefährden könnten. So kann Sie z. B. niemand zwingen, bei Glatteis eine Geschäftsreise mit dem Auto anzutreten.
  • Ihr Arbeitgeber darf Kosten für die Einhaltung der Sicherheit am Arbeitsplatz nicht auf die Arbeitnehmer umwälzen. Arbeiten Sie auf einer Baustelle, muss die Firma Ihnen die Schutzausrüstung, also Helm und Sicherheitsschuhe, kostenlos zur Verfügung stellen.

 

Wer in seinem Arbeitsbereich Gefahren für sich und andere identifiziert, sollte seinen Arbeitgeber darauf hinweisen. Tun Sie das am besten schriftlich, so z. B. in einer Mail oder einer Aktennotiz. Denn auch Sie haben, wenn es um Sicherheitsmängel geht, die allein Sie im Zuge Ihrer Arbeit feststellen können, eine Aufklärungspflicht gegenüber Ihrem Arbeitgeber. Mögliche Ansprechpartner können in solchen Fällen der direkte Vorgesetzte, in größeren Betrieben die Fachkraft für Arbeitssicherheit oder der Sicherheitsbeauftragte, der Betriebsrat oder der Betriebsarzt sein.

 

Bleibt das Unternehmen untätig, können Sie auch die zuständige Aufsichtsbehörde einschalten. In der Regel ist das das Gewerbeaufsichtsamt. Wer für Sie zuständig ist, erfahren Sie auf der Homepage der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin hier. Auch eine Klage ist möglich.

 

Viele Unternehmen haben mittlerweile erkannt, dass es sich langfristig auszahlt, Mitarbeitern mehr in Sachen Gesundheitsprophylaxe zu bieten, als die Vorschriften es vorsehen. Einige bieten Meditationskurse an, um Burnout und Stresserkrankungen vorzubeugen; andere organisieren regelmäßige Sportkurse oder richten ein Fitnessstudio ein. Das kann Ihr Arbeitgeber tun, er muss es aber nicht. Einen Anspruch auf solche oder ähnliche Maßnahmen, die über den Gesundheits- und Unfallschutz hinausgehen, haben Sie und Ihre Kollegen – leider – nicht.

 

 

[1] § 618 des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) und §§ 3 und 4 des Arbeitsschutzgesetzes (ArbSchG)

[2] Beispiele: Bildschirmarbeitsverordnung (BildscharbV), Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) oder Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV)