Was viele nicht wissen: Krankheit schützt nicht vor Kündigung. Im Gegenteil: Mit einer Erkrankung kann der Arbeitgeber sogar eine Kündigung rechtfertigen. Das gilt natürlich nicht, wenn Sie hin und wieder wegen einer Erkältung nicht zur Arbeit können oder wenn Sie einmal für längere Zeit vorübergehend krankheitsbedingt ausfallen, so z. B. wenn Sie sich das Bein gebrochen haben und deswegen 2 Wochen krankgeschrieben sind. Genießen Sie Kündigungsschutz[1], darf Ihr Arbeitgeber Ihnen nur unter ganz strengen Voraussetzungen kündigen, weil Sie nicht gesund sind. Die Gerichte haben vier Fallgruppen herausgearbeitet, in denen das Kranksein kritisch für den Job werden kann.

 

Fallgruppe 1: Häufige kurze Krankschreibungen

Viele Kurzerkrankungen mehr oder minder in Reihe über das Jahr verteilt sehen Chefs besonders ungerne. Sie müssen dann nämlich für den Kranken immer wieder teure Lohnfortzahlung leisten, während sie das bei einer lang andauernden einmaligen Erkrankung nur bis zu 6 Wochen tun müssen. Gute Chancen, sich mit einer Kündigung von Ihnen zu lösen, hat Ihr Chef, wenn Sie über das Jahr verteilt insgesamt mehr als 45 Tage immer mal wieder kurz krank sind.

 

Fallgruppe 2: Dauernde Leistungsunfähigkeit wegen einer Krankheit

Wer seinen Job wegen einer Krankheit höchstwahrscheinlich nie wieder ausüben wird, und wem im Unternehmen auch keine andere Arbeit zugewiesen werden kann, kann gekündigt werden. Kann ein Taxifahrer wegen einer Erblindung auf einem Auge nicht mehr Auto fahren und gibt es auch in der Zentrale keine freie Stelle für ihn, kann ihn sein Arbeitgeber kündigen.

 

Fallgruppe 3: Lang andauernde Krankheit

Wenn Sie bereits längere Zeit, d. h. mindestens sechs Wochen, krank sind und laut den ärztlichen Gutachten innerhalb der nächsten 24 Monate nicht mit Ihrer Genesung zu rechnen ist, wäre eine Kündigung Ihres Arbeitgebers möglich. Allerdings werden sich Ärzte auf so eine langfristige Prognose für die Zukunft nur in den wenigsten Fällen einlassen, so dass diese Konstellation tatsächlich so gut wie nie vorkommt.

 

Fallgruppe 4: Krankheitsbedingte Leistungsminderung

Wer seinen Job wegen der Krankheit nicht mehr richtig ausführen kann, kann ebenfalls gekündigt werden. Allerdings nur dann, wenn die Leistungsminderung erheblich ist, wenn sie auch weiterhin besteht und wenn es keinen anderen Arbeitsplatz im Unternehmen für den Arbeitnehmer gibt.

 

Warum Sie einen Anwalt einschalten sollten

Bei all diesen Konstellationen müssen immer auch noch weitere Voraussetzungen vorliegen. So muss z. B. eine Abwägung Ihrer Interessen mit denen Ihres Chefs ergeben, dass dem Arbeitgeber ein Festhalten am Arbeitsverhältnis nicht mehr zugemutet werden kann. Dabei spielen z. B. die Dauer des Anstellungsverhältnisses, die Krankheitsursachen und Ihr Alter eine Rolle. Hat Ihr Arbeitgeber diese Abwägung nicht richtig vorgenommen, ist eine Kündigung unwirksam. Sie sehen: Kündigungen wegen Krankheit sind ziemlich kompliziert. Wenn Sie davon betroffen sind, sollten Sie sich einen auf das Arbeitsrecht spezialisierten Anwalt nehmen, der Ihre Interessen vertritt. In der Regel haben Arbeitgeber schlechte Karten, die Kündigung vor Gericht letztendlich auch durchzusetzen.

 

Flattert Ihnen die Kündigung ins Haus, sollten Sie dagegen unbedingt Kündigungsschutzklage erheben. Das ist nicht nur wichtig, wenn Sie weiter bei Ihrem Arbeitgeber beschäftigt werden wollen, sondern auch, wenn es Ihnen letztlich nur um eine Abfindung geht. Denn nur wenn eine Klage droht, wird sich Ihr Arbeitgeber auch auf Verhandlungen über eine Abfindung einlassen. Für den Antrag auf Klage, den Sie bei dem für Sie zuständigen Arbeitsgericht stellen müssen, gilt eine dreiwöchige Frist. Sie beginnt ab dem Tag, an dem Ihnen die Kündigung zugestellt wurde. Versäumen Sie die Frist, ist eine Klage ausgeschlossen.

 

[1] Das ist nach dem Kündigungsschutzgesetz der Fall, wenn Sie mindestens 6 Monate in einem Betrieb tätig sind, der in der Regel mindestens 10 Arbeitnehmer in Vollzeit beschäftigt.