Ratgeber zu: Arbeit und Gesundheit

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Gehalt trotz Krankheit? Wissenswertes zur Entgeltfortzahlung

Generell gilt: Wer nicht arbeitet, bekommt auch keinen Lohn. Zu diesem Grundsatz gibt es bei Angestellten eine wichtige Ausnahme: Wer ohne eigene Schuld krank wird und deswegen nicht arbeiten kann, soll nicht schlechter gestellt sein als sein arbeitender Kollege. Das Gesetz gibt Ihnen für solche Fälle einen Anspruch[1] auf Fortzahlung Ihres Lohns gegen Ihren Arbeitgeber an die Hand.

Voraussetzungen für den Anspruch auf Entgeltfortzahlung

Folgende Kriterien müssen vorliegen, um die Entgeltfortzahlung beanspruchen zu können:

  • Sie müssen mindestens vier Wochen ununterbrochen für Ihren Arbeitgeber tätig gewesen sein. Auf die Art des Arbeitsverhältnisses kommt es nicht an. So haben auch Minijobber, Aushilfen oder in Teilzeit Beschäftigte einen Entgeltfortzahlungsanspruch.
  • Sie müssen sich bei Ihrem Arbeitgeber korrekt krankgemeldet haben und gegebenanfalls durch eine Bescheinigung Ihres Arztes nachweisen
    (AU-Bescheinigung), dass Sie wegen der Erkrankung arbeitsunfähig Krank heißt übrigens nicht immer gleich arbeitsunfähig. Das Ausüben Ihrer beruflichen Tätigkeit muss Ihnen vielmehr unmöglich oder unzumutbar sein bzw. die Erkrankung verschlimmern können. Ein gebrochener Arm hindert eine Telefonistin z. B. nicht daran, ihre Tätigkeit weiter ausüben zu können, während die gleiche Verletzung bei einem Handwerker regelmäßig zur Arbeitsunfähigkeit führen wird.
  • Sie dürfen Ihre Arbeitsunfähigkeit nicht selbst verschuldet Darunter fällt nicht etwa jedes leichtsinnige oder riskante Verhalten. Ein Verschulden, das den Anspruch ausschließt, liegt in der Regel nur dann vor, wenn jemand seine Erkrankung oder Verletzung durch eigenes erhebliches Fehlverhalten herbeigeführt hat. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn Sie stark alkoholisiert einen Autounfall verursacht haben.
  • Der Arbeitgeber muss mit der Entgeltfortzahlung nur das normale Krankheitsrisiko absichern. Wer z. B. wegen einer Botox-Behandlung oder einer Schönheits-OP arbeitsunfähig ist, hat keinen Anspruch auf Entgeltfortzahlung. 

 

Wie lange wird der Lohn weitergezahlt?

Ihr Arbeitgeber zahlt während der ersten sechs Wochen Ihrer Erkrankung das Gehalt weiter; danach gibt es für Versicherte in der gesetzlichen Krankenversicherung das vergleichsweise niedrigere Krankengeld von der Krankenkasse. Endet das Arbeitsverhältnis im Sechs-Wochen-Zeitraum, entfällt auch grundsätzlich Ihr Fortzahlungsanspruch. Hat Ihr Arbeitgeber Sie aber wegen der Arbeitsunfähigkeit gekündigt, muss er auch nach dem Ende des Arbeitsverhältnisses das Gehalt volle sechs Wochen lang weiterzahlen.

 

Erleiden Sie innerhalb von 12 Monaten nach der Ersterkrankung einen oder mehrere Rückfälle und werden Sie deswegen erneut krankgeschrieben, werden die Zeiten, in denen Sie arbeitsunfähig waren, zusammengerechnet, bis die sechs Wochen erreicht sind. Das gilt nicht für solche Folgeerkrankungen, die mehr als 6 Monate nach der vorherigen Erkrankung eintreten. Bei ihnen beginnt die Sechs-Wochen-Zählung neu. Ebenso fängt sie von vorne an, wenn Sie wegen einer anderen Krankheit krankgeschrieben werden.

 

Was wird ausbezahlt?

Es gilt das Lohnausfallprinzip: Sie erhalten grundsätzlich das Entgelt, das Ihnen zustünde, wenn Sie nicht arbeitsunfähig erkrankt wären. Sie erhalten also 100 Prozent Ihres bisherigen regelmäßigen Gehalts (ohne Überstunden) inklusive vermögenswirksamer Leistungen. Wie die normale Vergütung auch ist das Entgelt steuer- und sozialabgabenpflichtig. Ist die Vergütung von Ihrem Arbeitsergebnis abhängig, wie das zum Beispiel bei Provisionen oder Akkordlohn der Fall ist, wird ein Durchschnittsverdienst zugrundegelegt. Aber Achtung: Arbeits-, Tarifvertrag oder Betriebsvereinbarungen können vorsehen, dass Sondervergütungen für die Zeit der Arbeitsunfähigkeit gekürzt werden.

 

 

[1] §§ 3 ff. Ent­gelt­fort­zah­lungs­ge­setz (EFZG)