Ratgeber zu: Arbeit und Gesundheit

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Darf Sie der Arbeitgeber zu einem anderen Arzt schicken?

Ihr Arbeitgeber bezweifelt, dass Sie wirklich krank sind? Sind Sie von einem Arzt krankgeschrieben – hat Ihnen ein Mediziner also eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) ausgestellt –, so sind Sie zunächst auf der sicheren Seite. Hat der Arbeitgeber Sie trotz dieses Attestes in Verdacht arbeitsfähig zu sein, muss er den Beweiswert der AU erschüttern. Das ist gar nicht so einfach. Er kann Sie deshalb nicht zu einem anderen Arzt schicken, auch nicht zum Betriebsarzt. Ein solches Ansinnen können Sie ablehnen.

 

Allerdings kann der Arbeitgeber von Ihrer Krankenkasse verlangen, ein Gutachten des unabhängigen Medizinischen Dienstes der Krankenversicherungen (MDK) einzuholen.[1] Aber auch hier sind die Hürden für den Arbeitgeber ziemlich hoch: Eine solche Begutachtung wird die Krankenkasse nämlich von vornherein ablehnen, wenn aus den ärztlichen Unterlagen eindeutig hervorgeht, dass Sie arbeitsunfähig sind.

 

Begutachtung durch den Medizinischen Dienst nur in Ausnahmefällen

Ergeben sich aus den Dokumenten Zweifel, werden Sie zu einer persönlichen Begutachtung beim MDK eingeladen. Solche Zweifel können zum Beispiel dann entstehen, wenn ein Arbeitnehmer auffällig häufig arbeitsunfähig ist, der Beginn der Arbeitsunfähigkeit oft auf einen Arbeitstag zu Beginn oder Ende der Woche oder auf einen Brückentag fällt oder sie von einem Arzt festgestellt worden ist, der dafür bekannt ist, AU-Bescheinigungen sehr gerne und oft auszustellen.

 

Beurteilt der MDK-Arzt Ihre Arbeitsunfähigkeit abweichend vom behandelnden Arzt, wird dies Ihrem Arbeitgeber mitgeteilt, aber nur, wenn Sie zu diesem Zeitpunkt immer noch einen Anspruch auf Lohnfortzahlung haben. Über die Krankheit selbst und sonstige medizinische Erkenntnisse wird er nicht informiert. Sind Sie zur angeordneten Untersuchung unentschuldigt nicht erschienen, wird auch das dem Arbeitgeber mitgeteilt.

 

Hat der MDK bei der Begutachtung festgestellt, dass Sie doch arbeitsfähig sind, schwächt das den Beweiswert der vorgelegten Krankschreibung stark. Beide Feststellungen stehen sich dann gleichberechtigt gegenüber mit der Folge, dass Ihr Arbeitgeber es nun leichter hat, zum Beispiel Ihre Lohnfortzahlung einzustellen, Sie abzumahnen oder Ihnen gar zu kündigen. Gleiches gilt übrigens, wenn Sie die Untersuchung durch den MDK ohne Grund verweigern.

 

 

[1] § 275 Sozialgesetzbuch V (SGB V)