Ratgeber zu: Arbeit und Gesundheit

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Darf der Arbeitgeber riskante Sportarten verbieten?

Sie fallen mehrere Wochen bei der Arbeit aus, weil Sie sich beim Skifahren das Bein gebrochen haben? Sie haben sich beim Rafting eine starke Erkältung zugezogen und sind deswegen eine Woche krankgeschrieben? Ihr Arbeitgeber ist ärgerlich, weil Sie wegen Sportverletzungen schon öfter zuhause bleiben mussten? Keine Sorge! Aus rechtlicher Sicht kann Ihnen in solchen Fällen nichts passieren: Wie Sie Ihre Freizeit gestalten, geht Ihren Arbeitgeber grundsätzlich nichts an. Dieses Recht auf freie Persönlichkeitsentfaltung steht sogar im Grundgesetz[1]. Ihr Chef darf Ihnen eine bestimmte Sportart oder ein Hobby nicht verbieten – weder im Arbeitsvertrag noch im laufenden Arbeitsverhältnis. Sie müssen ihn auch nicht darüber informieren.

 

Allerdings kann Ihr Arbeitgeber in einigen wenigen Fällen die Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall verweigern. Das ist möglich, wenn Sie Ihre Arbeitsunfähigkeit durch ein besonders leichtsinniges Verhalten selbst verschuldet haben. Die Gerichte urteilen hier jedoch sehr arbeitnehmerfreundlich. Man muss schon viel falsch machen und riskieren, damit sie einen solches „Verschulden gegen sich selbst“ annehmen. Es haben sich im Lauf der Zeit drei Fallvarianten herauskristallisiert, in denen Sie wegen eines Sports oder Hobbys die Entgeltfortzahlung durch den Arbeitgeber aufs Spiel setzen, falls Ihnen etwas passiert:

 

  • Sie überschätzen Ihre Fähigkeiten und Kräfte erheblich: Stehen Sie zum Beispiel das erste Mal auf Skiern, sollten Sie sich nicht gleich auf die schwarze FIS-Abfahrt wagen.
  • Sie verstoßen in besonders grober und leichtsinniger Weise gegen anerkannte Regeln der jeweiligen Sportart: Das ist der Fall, wenn Sie Sicherheitsvorkehrungen nicht beachten, zum Beispiel beim Eishockey die erforderliche Schutzausrüstung nicht tragen oder nach dem Apres-Ski stark alkoholisiert die Hänge herunterrasen.
  • Die Sportart ist besonders gefährlich: Als besonders gefährlich gilt ein Sport nur, wenn auch ein gut ausgebildeter Sportler bei sorgfältiger Beachtung aller Regeln das Verletzungsrisiko nicht vermeiden kann. Bisher stehen die Arbeitsgerichte hier aufseiten der Arbeitnehmer: Weder gängige Sportarten wie Fußball, Tennis, Rad- oder Skifahren noch etwas außergewöhnlichere Freizeitaktivitäten wie Motocross-Rennen, Fallschirmspringen oder Amateurboxen wurden als besonders gefährlich eingestuft. Einzig Kickboxen[2] hielten die Richter für besonders gefährlich.

 

Droht der Arbeitgeber damit, Ihnen die Lohnfortzahlung zu versagen, muss er Ihr Verschulden an der krankheitsbedingten Arbeitsunfähigkeit im Streitfall nachweisen.

 

 

[1] Artikel 2 Grundgesetz

[2] Arbeitsgericht Hagen, Urteil vom 15.9.1989, 4 Ca 648/87.