Kündigungen belasten und ängstigen – keine Frage. Trotzdem sollten Sie nach einer Kündigung keine Zeit damit verschwenden, sich zurückzuziehen und Ihre Wunden zu lecken. Gehen Sie in die Offensive!

 

Prozessrisiko: Ihre Verhandlungsbasis für eine Abfindung

Wenn Sie länger als sechs Monate in einem Betrieb mit mehr als zehn Arbeitnehmern beschäftigt sind, genießen Sie Kündigungsschutz[1]Ihr Arbeitgeber braucht dann gute Gründe, um Ihnen wirksam zu kündigen. Und diese muss er obendrein im Zweifel auch noch nachweisen können. Von einigen eindeutigen Fällen abgesehen, weiß er im Zweifel genauso wenig wie Sie, ob er vor Gericht mit seiner Kündigung durchkommt. Wenn Sie Ihren Arbeitsplatz nicht unbedingt behalten wollen, ist dieses Prozessrisiko exakt der Hebel, mit dem Sie eine großzügige Entschädigung für den Verlust Ihres Arbeitsplatzes, d. h. eine Abfindung, durchsetzen können.

 

Nicht versäumen: Drei-Wochen-Frist

Führen Sie solche Verhandlungen mit Ihrem Arbeitgeber, sollten Sie eines immer im Blick haben: die Zeit. Mit dem Zugang des Kündigungsschreibens beginnt nämlich eine Drei-Wochen-Frist[2]. Nur innerhalb dieser Frist können Sie Klage beim Arbeitsgericht gegen die Kündigung erheben. Danach gilt die Kündigung als wirksam und ist nicht mehr angreifbar – egal, wie fehlerhaft sie tatsächlich war. Lassen Sie sich nicht hinhalten, bis die Frist verstrichen ist. Ist eine Klage nicht mehr möglich, verlieren Sie das Druckmittel gegen Ihren Arbeitgeber. Vertröstet Sie Ihr Arbeitgeber immer wieder, sollten Sie auf jeden Fall erst einmal Klage einreichen, um die Drei-Wochen-Frist zu wahren. Über eine Abfindung können Sie auch während des Prozesses noch verhandeln, dann sogar mit Unterstützung des Gerichts.

 

Die Kündigungsschutzklage

Die Kündigungsschutzklage können Sie ganz ohne Anwalt selbst erheben: beim zuständigen Arbeitsgericht[3]. Die Mitarbeiter in der Geschäftsstelle des Arbeitsgerichtes helfen Ihnen dabei. Ist die Klage eingereicht, bestimmt das Gericht ziemlich schnell einen ersten Gütetermin, in dem gemeinsam mit dem Richter versucht wird, eine gütliche Lösung zu finden. Endet dieser Termin mit einem Vergleich, fallen keine Gerichtskosten an. Da Ihr Arbeitgeber sich sicherlich anwaltlich vertreten lässt, sollten Sie überlegen, ob auch Sie mit einem Anwalt zu diesem Termin gehen. Vor allem Fachanwälte für Arbeitsrecht kennen die Argumente, die die Gegenseite zu einer guten Abfindung und einem exzellenten Zeugnis bewegen können. Endet der Gütetermin nicht mit einer Einigung, geht der Prozess weiter – auch hier wird der Richter immer wieder versuchen, doch noch eine gemeinsame Lösung zu finden. Und die Chancen dafür stehen gut, denn viele Arbeitgeber riskieren kein Urteil, vor allem wenn die Kündigung auf wackeligen Beinen stand.

 

Wer übernimmt die Anwalts- und Prozesskosten?

Haben Sie eine Rechtsschutzversicherung, übernimmt diese in der Regel bereits die Kosten für die anwaltliche Beratung zu einem Aufhebungsvertrag. Eine Kündigung muss noch gar nicht in der Welt sein. Die Versicherung trägt meist auch die Kosten für ein Gerichtsverfahren.

Endet eine Klage mit einem Vergleich, fallen keine Gerichtskosten an. Jede Seite zahlt zudem ihre Anwälte selbst[4]. Sie müssen also nicht etwa auch das Honorar für den Staranwalt Ihres Arbeitgebers berappen. Haben Sie nicht viel Geld zur Verfügung und keine Rechtsschutzversicherung, können Sie im Gütetermin die sog. Prozesskostenhilfe beantragen.

 

 

[1] § 23 Kündigungsschutzgesetz

[2] § 4 Satz 1 Kündigungsschutzgesetz

[3] § 11 Abs. 1 Arbeitsgerichtsgesetz

[4] § 12a Arbeitsgerichtsgesetz