Arbeiten in der Probezeit ist Arbeiten auf Bewährung – und zwar für beide Seiten. Eine Probezeit wird vereinbart, damit Sie und Ihr neuer Arbeitgeber sich erst einmal beschnuppern und bei Missfallen unkompliziert wieder trennen können. Dementsprechend schnell kann es heißen: aus und vorbei.

 

Kurze Kündigungsfrist – keine Kündigungsgründe – unkomplizierte Trennung

Ist nichts anderes vereinbart, gilt in der Erprobungsphase eine Kündigungsfrist von zwei Wochen. Diese Frist ist im Vergleich zu den regulären Kündigungsfristen, die im Gesetz vorgesehen sind, sehr kurz[1] – die Mindestfrist dort beträgt vier Wochen. Die kurze Kündigungsfrist gilt während der gesamten Probezeit bis zum Schluss. Wem also am letzten Tag seiner Probezeit ein Kündigungsschreiben übergeben wird, der muss 14 Tage später seinen Hut nehmen.

Gleiches Recht für alle: An die 14-tägige Kündigungsfrist müssen sich beide Seiten halten. Eine Probezeitregelung in Ihrem Arbeitsvertrag, die eine noch kürzere Frist vorsieht, wäre nicht zulässig. Allerdings können für die Probezeit sehr wohl längere Kündigungsfristen vereinbart werden. Diese Möglichkeit nutzen Arbeitgeber vor allem für Beschäftigte in sehr bedeutenden oder zentralen Rollen. In diesem Fall haben Sie als Arbeitnehmer zwar eine gewisse Absicherung. Sie können das Unternehmen andererseits jedoch nicht so schnell verlassen, wenn die Zusammenarbeit nicht funktionieren sollte oder Ihnen ein noch interessanteres Jobangebot ins Haus flattert.

 

Nach Ablauf von 6 Monaten gilt die kurze Frist generell nicht mehr, egal, ob die Probezeit noch andauert. Sie und Ihr Arbeitgeber können dann nur noch mit den normalen Kündigungsfristen kündigen: mit einer Frist von vier Wochen zum 15. oder zum Ende eines Kalendermonats.

 

Gründe für die Kündigung müssen beide Seiten nicht nennen, zumindest nicht in den ersten 6 Monaten der Probezeit. Denn vor Ablauf dieser Frist gilt der allgemeine Kündigungsschutz, der einen bestimmten Grund für die Kündigung voraussetzt, noch nicht.

 

All dies zeigt: Mitarbeiter in der Probezeit sitzen auf wackligen Stühlen. Das offenbart sich auch, wenn ein Unternehmen in finanzielle Schieflage gerät und deswegen z. B. eine Abteilung schließen muss: Der Arbeitgeber muss Arbeitnehmern in der Probezeit zuerst kündigen, erst danach kann er seine Stammarbeitnehmer vor die Tür setzen.

 

Vorsicht bei einer „Befristung zur Erprobung“

Achtung, Falle: Nicht als Probezeit, sondern als Befristung gilt es, wenn ein sog. befristeter Arbeitsvertrag zur Erprobung geschlossen wird: „Der Arbeitsvertrag wird für die Dauer von sechs Monaten zum Zweck der Erprobung des Arbeitnehmers geschlossen.“ Die Tücke dabei: Nach dem Ablauf der Befristung besteht kein Arbeitsverhältnis mehr. Will der Arbeitgeber Sie weiterbeschäftigen, muss er mit Ihnen einen neuen Arbeitsvertrag schließen. Tut er das nicht, endet das Arbeitsverhältnis einfach so durch Zeitablauf – eine Kündigung ist nicht nötig.

 

 

[1] § 622 BGB