Einem Angestellten zu kündigen ist gar nicht so einfach. Ihr Arbeitgeber braucht sehr gute Gründe, wenn er Sie gegen Ihren Willen loswerden möchte.

 

Ordentliche Kündigung

Schwierig wird es vor allem dann, wenn das Kündigungsschutzgesetz anwendbar ist – und das ist immer dann der Fall, wenn das Unternehmen regelmäßig mindestens 10 Arbeitnehmer beschäftigt[1] und Sie bereits sechs Monate im Betrieb tätig sind. Stehen Sie unter dem Schutz des Gesetzes, kann Ihr Arbeitgeber nur aus folgenden Gründen ordentlich, also mit Einhaltung einer Kündigungsfrist, kündigen: betriebsbedingt, personenbedingt und verhaltensbedingt.

Aber auch Arbeitnehmer, denen der Schutz dieses Gesetzes verwehrt ist, dürfen nicht einfach so vor die Tür gesetzt werden. Eine Kündigung darf nicht willkürlich aus einer Laune heraus erfolgen, sondern muss immer auch einen sachlichen, anerkennenswerten Grund haben. So darf Ihnen der Arbeitgeber z. B. nicht kündigen, weil Sie wegen ausstehenden Gehalts eine – berechtigte – Lohnklage gegen ihn führen. Unzulässig wäre eine Kündigung auch, wenn sich der Arbeitgeber dabei widersprüchlich verhält. Das ist z. B. der Fall, wenn der Grund, der zur Kündigung führt, schon vor Ihrer Einstellung existierte. Eine Kündigung kann auch dann angreifbar sein, wenn zwischen dem Anlass, der als Grund für die Kündigung genannt wurde, und der Kündigung selbst zu viel Zeit vergangen ist.

 

Außerordentliche Kündigung

In ganz seltenen Fällen darf Ihr Arbeitgeber Sie auch – völlig unabhängig davon, ob Sie unter das Kündigungsschutzgesetz fallen oder nicht – außerordentlich kündigen. Für die außerordentliche Kündigung muss Ihr Arbeitgeber einen wichtigen Grund vorweisen können. Die Arbeitsgerichte stellen an einen solchen Anlass sehr hohe Ansprüche: Er muss so gewichtig sein, dass Ihrem Arbeitgeber ein Festhalten am Arbeitsverhältnis nicht mehr zumutbar ist. Es darf auch kein anderes, milderes Mittel geben, das ausreichend wäre, so z. B. eine Abmahnung. Zusätzlich muss Ihr Arbeitgeber eine Abwägung Ihrer und seiner Interessen durchführen und dabei auch entlastende Umstände berücksichtigen. Zudem gilt für die außerordentliche Kündigung eine knappe Zwei-Wochen-Frist: Sie ist nur wirksam, wenn Ihnen der Arbeitgeber innerhalb von zwei Wochen seit Bekanntwerden des wichtigen Grundes ein Kündigungsschreiben zukommen lässt.

 

Egal, welche Gründe für die Kündigung Ihr Chef gegen Sie ins Feld führt: Er muss sie in einem Prozess vor dem Arbeitsgericht auch nachweisen können, wenn Sie sie anzweifeln.

 

 

 

 

 

[1] Für diejenigen, die bereits seit 2003 im selben Betrieb beschäftigt sind, gilt eine Grenze von 5 Arbeitnehmern. Allerdings greift das nur, wenn noch 5 weitere Altarbeitnehmer im Betrieb beschäftigt sind. Geht nur einer von ihnen und sinkt dadurch die Zahl auf unter 5 Arbeitnehmer, geht der Kündigungsschutz der anderen Altarbeitnehmer verloren.