Ratgeber zu: Lohn und Gehalt

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Wenn der Kollege für die gleiche Arbeit mehr Lohn bekommt

Nicht ohne Grund verbieten Unternehmen ihren Mitarbeitern, über ihr genaues Einkommen zu sprechen.[1] Denn kommt raus, dass der Kollege mit dem exakt gleichen Aufgabenbereich wesentlich mehr verdient, sind Unruhe und Stress vorprogrammiert. Doch was schlecht für das Betriebsklima ist, muss noch lange nicht verboten sein. Grundsätzlich herrscht auch im Arbeitsrecht der Grundsatz der Vertragsfreiheit: Die Löhne und Gehälter sind im Prinzip frei verhandelbar. Ihr Chef darf also Ihren Kollegen für die gleiche Arbeit anders bezahlen. Allerdings ist es, wie so oft im Juristischen, so ganz einfach dann doch nicht:

 

Tarifvertrag gibt die Höhe des Gehalts vor

Gilt ein Tarifvertrag, so muss sich Ihr Chef bei der Bezahlung aller Mitarbeiter an den tariflichen Löhnen bzw. Gehältern orientieren.

 

Verdacht auf Diskriminierung

Ist in der Gehaltspolitik Ihres Arbeitgebers ein Muster zu erkennen, nach dem bestimmte Personengruppen unterschiedlich bezahlt werden, kann der Verdacht auf Diskriminierung bestehen. Das ist z. B. der Fall, wenn alle Frauen in einer Abteilung weniger Gehalt bekommen als die Männer, obwohl alle die gleichen Aufgaben haben. Hier läge ein Verstoß gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz vor, das eine Schlechterstellung wegen des Geschlechtes, der sexuellen Orientierung, des Alters und der ethnischen Herkunft verbietet. In solchen Fällen haben die benachteiligten Arbeitnehmergruppen einen Anspruch auf das gleiche Gehalt und zusätzlich noch einen Anspruch auf Entschädigung wegen der Diskriminierung.

 

Ungleichbehandlung durch den Arbeitgeber

Ein Arbeitgeber muss generell darauf achten, dass Arbeitnehmer in puncto Lohn bzw. Gehalt gegenüber anderen nicht willkürlich schlechter gestellt werden. Zahlt z. B. Ihr Chef allen Mitarbeitern Ihrer Abteilung einen Bonus und nur Ihnen nicht, oder bekommen alle Kollegen außer Ihnen eine Gehaltserhöhung, dann ist das ein Verstoß gegen den allgemeinen Gleichbehandlungsgrundsatz. Sie können mit Erfolg gegen die Ungleichbehandlung vorgehen, notfalls vor dem Arbeitsgericht. Aber Achtung – umgekehrt gilt dieses Prinzip nicht: Pickt sich Ihr Chef einen Mitarbeiter heraus, dem er besonders wohlgesonnen ist, und zahlt er nur ihm allein den Bonus, dann ist das zulässig und von Ihnen und den anderen Kollegen nicht angreifbar.

Spezielle Ungleichbehandlungsverbote gelten für bestimmte Arbeitnehmergruppen, die der Gesetzgeber als besonders schützenswert einstuft, so z. B. für Leiharbeitnehmer und Teilzeitbeschäftigte. Sind Sie Leiharbeitnehmer, dürfen Sie nicht schlechter bezahlt werden als Ihr Kollege, der im Unternehmen angestellt ist[2]. Allerdings gibt es hier Schlupflöcher, die Arbeitgeber und die Verleihunternehmen sehr gerne nutzen. Arbeiten Sie in Teilzeit, haben Sie grundsätzlich ein Recht auf denselben Stundenlohn wie ein vergleichbarer Kollege in Teilzeit[3].

 

 

[1] Solche Regelungen sind jedoch meist unwirksam, mit der Folge, dass eine darauf beruhende Abmahnung oder Kündigung vor dem Arbeitsgericht angreifbar wäre. Siehe z. B. Landesarbeitsgericht Mecklenburg-Vorpommern (Az.: 2 Sa 237/09).

[2] § 10 Abs. 4 Arbeitnehmerüberlassungsgesetz

[3] § 4 Teilzeit- und Befristungsgesetz