Ratgeber zu: Lohn und Gehalt

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Welche Beiträge muss mein Arbeitgeber für mich zahlen?

Immer wieder berichten die Medien über Unternehmen, die für ihre Arbeitnehmer monatelang keine Sozialversicherungsbeiträge abgeführt haben. Doch was bedeutet das genau – und wo liegt hier das Risiko für Arbeitnehmer?

 

Sozialversicherungsbeiträge: Grundlage für Ihren Versicherungsschutz

Im Schnitt werden von Ihrem Bruttolohn 20 bis 21 % für die sogenannten Sozialversicherungsbeiträge abgezogen. Das sind Beiträge zur Renten-, Arbeitslosen-, Kranken- und Pflegeversicherung. Arbeitgeber und Arbeitnehmer tragen sie jeweils ungefähr zur Hälfte. Meist sehen Sie nur auf dem Papier, z. B. Ihrer Lohnabrechnung, wie hoch Ihr Anteil daran in Geld ausgedrückt ist. Das Geld wird im Normalfall nie auf Ihrem Konto landen. Es wird vom Arbeitgeber einbehalten, um dann direkt an die Krankenkasse als zuständige Einzugsstelle überwiesen zu werden.

Unser Sozialversicherungssystem unterscheidet zwischen gesetzlich Pflichtversicherten und besser verdienenden freiwillig Versicherten. Letztere können sich frei entscheiden, ob sie sich versichern wollen, um im Ernstfall Leistungen aus den Sozialversicherungen zu erhalten.

 

Risiken für Pflichtversicherte

Sind Sie gesetzlich pflichtversichert, gilt Folgendes: Die Verantwortung dafür, dass Ihre Beiträge pünktlich und in der richtigen Höhe abgeführt werden, trägt allein Ihr Arbeitgeber. Er gilt auch als der einzige Beitragsschuldner. Führt er die Beiträge nicht oder nicht in richtiger Höhe ab, können Sie als Arbeitnehmer nicht für die Zahlung der Sozialversicherungsbeiträge in Anspruch genommen werden. Sie müssen also nicht etwa für das Unternehmen einspringen. Auch in puncto Versicherungsschutz haben Sie keine Nachteile, wenn Ihr Arbeitgeber nicht zahlt. So lange Sie im Arbeitsverhältnis sind, besteht Ihr Versicherungsschutz z. B. in der Kranken- und Arbeitslosenversicherung fort. Ob tatsächlich Zahlungen geleistet werden, ist dafür nicht wichtig; es zählt nur, dass Sie einen rechtmäßigen Zahlungsanspruch darauf haben.

 

Risiken für freiwillig Versicherte

Anders sieht es aus, wenn Sie in der Renten-, Arbeitslosen- und Krankenversicherung als freiwillig versichertes Mitglied geführt werden. Dann gelten auch Sie als Beitragsschuldner. Führt Ihr Arbeitgeber Ihren Anteil an den Beiträgen, z. B. weil er in einer finanziellen Notlage ist, nicht mehr ab, dann können Sie persönlich dafür in Anspruch genommen werden und Sie laufen sogar Gefahr, Ihren Versicherungsschutz zu verlieren. Um das zu verhindern, sollten Sie aktiv werden, sobald Sie erfahren, dass sich das Unternehmen in Schwierigkeiten befindet. Fragen Sie bei Ihrer Krankenkasse nach, ob Ihr Arbeitgeber die Beiträge ordnungsgemäß abführt. Kommt es immer wieder zu Unregelmäßigkeiten, können Sie sich noch weiter absichern: Sie können sich vom Arbeitgeber auch den Arbeitnehmeranteil auszahlen lassen und ihn selbst an die Krankenkasse überweisen.

 

Wann sich der Arbeitgeber strafbar macht

Für den Arbeitgeber hat die Nichtabführung der Arbeitnehmeranteile am Gesamtsozialversicherungsbeitrag schwerwiegende Konsequenzen. Zahlt er sie bewusst nicht, macht er sich strafbar[1], was hohe Geldstrafen bzw. in Wiederholungsfällen sogar eine Freiheitsstrafe nach sich ziehen kann. Voraussetzung für eine Strafbarkeit ist immer, dass der Arbeitgeber zwar zahlen konnte, jedoch nicht wollte. Das Argument, es sei kein Geld für die Beiträge da gewesen, weil er erst Schulden bei einem Lieferanten habe begleichen müssen, schützt ihn übrigens nicht. Die Abführung der Arbeitnehmeranteile hat gegenüber anderen Zahlungsverpflichtungen nämlich immer Vorrang.

 

 

[1] § 266 Abs. 1 StGB