Ratgeber zu: Lohn und Gehalt

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Was tun, wenn der Arbeitgeber zu wenig oder zu spät Gehalt zahlt?

Ihr Gehalt ist immer noch nicht auf dem Konto, obwohl es laut Arbeitsvertrag am 1. des Monats überwiesen werden soll? Das ist ärgerlich. Aber nicht nur das – es kann Sie auch schnell in eine finanzielle Schieflage bringen. Schließlich haben Sie laufende Kosten, die es zu begleichen gilt. Juristen haben einen Ausdruck für diese unangenehme Situation, die übrigens gar nicht so selten vorkommt: Ihr Arbeitgeber befindet sich im Zahlungsverzug. Das gilt übrigens auch, wenn er nur einen Teil Ihres Gehalts nicht zahlt. Je länger er nicht zahlt, desto schwieriger wird Ihre Lage. Es muss also eine rasche Lösung her – am besten ist hier ein Vorgehen nach Eskalationsstufen, die zeitlich auch dicht beieinander liegen können.

 

Eskalationsstufe 1: Gespräch mit dem Arbeitgeber

Suchen Sie zunächst das Gespräch mit Ihrem Arbeitgeber. Vielleicht ist etwas in der Buchhaltung schiefgelaufen oder mit der Überweisung. Fordern Sie ihn auf, den Betrag innerhalb der nächsten vier Tage zu überweisen – so lange dauert in der Regel eine Überweisung im Inland maximal.

 

Eskalationsstufe 2: Abmahnung des Arbeitgebers

Ist der Betrag nach vier Tagen immer noch nicht auf Ihrem Konto gutgeschrieben, sollten Sie in Aktion treten. Lassen Sie dem Arbeitgeber ein Abmahnungsschreiben zukommen, in dem Sie eine Frist für die Zahlung setzen und ihm Konsequenzen androhen, falls er weiterhin nicht zahlt. Eine solche Abmahnung ist zwar nicht nötig, um den Zahlungsverzug auszulösen – Ihr Arbeitgeber ist nach Verstreichen des ersten Fälligkeitstags ohnehin in Verzug und muss Verzugszinsen zahlen. Mit der Abmahnung sichern Sie sich jedoch für den Fall ab, dass Sie später wegen des Zahlungsrückstands außerordentlich kündigen wollen. Hierfür müssen Sie ein Abmahnungsschreiben vorweisen können. Ein solches Schreiben ist auch wichtig, falls in Ihrem Arbeitsvertrag Ausschlussfristen stehen.

 

Eskalationsstufe 3: Stundungsvereinbarung mit den Arbeitgeber

Kann Ihr Arbeitgeber innerhalb der von Ihnen gesetzten Frist nicht zahlen, wird er vielleicht versuchen, mit Ihnen eine Stundung des Lohns zu vereinbaren, um die Zahlung eine Zeit lang hinauszuschieben. Ein Recht darauf, dass Sie eine solche Vereinbarung unterschreiben, hat Ihr Arbeitgeber nicht. Er allein trägt das wirtschaftliche Risiko; Sie müssen es aus rechtlicher Sicht nicht mit übernehmen. Lassen Sie sich aus Solidarität dennoch auf eine solche Vereinbarung ein, sollten Sie diese immer schriftlich fixieren. Legen Sie darin ein genaues Datum fest, zu dem die Zahlung fällig ist. Fehlt dieser Endtermin, können Sie den Arbeitgeber wegen des ausstehenden Lohns nicht mehr in Verzug setzen und Ihr Gehalt, das von der Stundung umfasst ist, auch nicht einklagen. Vergessen Sie nicht, sich in der Vereinbarung Verzugszinsen zusichern zu lassen. Wenn Ihr Arbeitgeber schon zu spät zahlt, dann sollten Sie dafür wenigstens eine Entschädigung bekommen. Die gesetzlichen Zinsen, die Sie automatisch bei Zahlungsverzug fordern können, sind jedoch nicht üppig: Schuldet Ihr Arbeitgeber Ihnen einen Monat lang 1.000 € Lohn, dann können Sie für diese Zeit um die 3,50 € Verzugszinsen verlangen. In einer Stundungsvereinbarung können Sie jedoch auch einen höheren Zinssatz festlegen.

 

Hände weg von Lohnverzicht oder Lohnreduzierung!

Sie verlieren dadurch Ihren Anspruch auf die ausstehende Zahlung für immer. Darüber hinaus erhalten Sie weniger Arbeitslosen- sowie Insolvenzgeld, wenn der Arbeitgeber wegen seiner schlechten Finanzlage endgültig in die Knie geht. Berechnungsgrundlage für diese Ansprüche sind nämlich die letzten Lohnzahlungen, die Sie durch eine freiwillige Reduzierung bzw. durch einen Lohnverzicht selbst schmälern.

Was Sie tun können, wenn der Arbeitgeber dauerhaft nicht zahlt, lesen Sie hier.