Ratgeber zu: Lohn und Gehalt

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Was passiert mit dem Lohn, wenn der Arbeitgeber insolvent wird?

Früher hieß es Konkurs, heute Insolvenz. Auch wenn sich die Begriffe geändert haben, ist die Situation, die mit diesen Wörtern beschrieben wird, dieselbe: Ein Unternehmen kann seine Schulden nicht mehr begleichen und steht ziemlich schlecht da. Und mit ihm meist auch seine Arbeitnehmer. Denn oft kündigt sich eine Insolvenz dadurch an, dass kein Gehalt mehr gezahlt wird.

 

Insolvenzgeld: schnelle Hilfe bei Zahlungsausfällen

Ein zumindest vorübergehendes Trostpflaster in solchen Situationen ist das Insolvenzgeld: Schlittert der Arbeitgeber in die Zahlungsunfähigkeit und bleibt er deswegen auch die Gehälter schuldig, springt der Staat ein und gleicht Zahlungsausfälle von bis zu drei Monaten aus. Das Insolvenzgeld wird nur auf Antrag gezahlt. Achtung: Dieser Antrag, den Sie bei der Agentur für Arbeit stellen müssen, ist an eine Frist gebunden. Er muss innerhalb von zwei Monaten nach dem sog. Insolvenzereignis bei der Behörde eingehen. Als Insolvenzereignis gilt es z. B. wenn das Insolvenzverfahren eröffnet oder wenn die Eröffnung mangels Masse abgelehnt wurde. Wie viel Insolvenzgeld auf Ihrem Konto landet, richtet sich in der Regel nach Ihrem Nettolohn der letzten drei Monate vor dem Insolvenzereignis. Bei Besserverdienenden ist das Insolvenzgeld immer geringer als der Nettolohn, da es eine Obergrenze gibt, über der Einkommen für die Berechnung des Insolvenzgeldes nicht mehr berücksichtigt wird. Sie orientiert sich am Bruttolohn, liegt je nach Region bei um die 5.000 € und wird von Jahr zu Jahr angepasst. Der Staat berücksichtigt daneben auch unter bestimmten Voraussetzungen Sonderzahlungen, so z. B. das vertraglich vereinbarte Weihnachtsgeld oder Urlaubsgeld, wenn es im Zeitraum des Zahlungsausfalls fällig geworden wäre. Auch Überstunden, die bereits geleistet wurden, gehen in die Berechnung ein.

 

Ihr Anspruch auf Gehalt in der Insolvenz

Auch wenn Ihr Arbeitgeber pleite ist, haben Sie weiterhin Anspruch auf Ihre Vergütung. Selbst wenn Sie der eingeschaltete Insolvenzverwalter von der Arbeit freistellt, geht dieses Recht nicht verloren. Es besteht so lange fort, bis das Arbeitsverhältnis als beendet gilt, z. B. wegen einer Kündigung. Das hört sich gut an, die Realität sieht aber oft anders aus: Dass Sie ein Recht auf etwas haben, heißt leider noch lange nicht, dass Sie es auch bekommen. Und so ist es auch hier: Das restliche verbliebene Vermögen des Unternehmens wird unter allen Gläubigern aufgeteilt werden. Ist nichts zu verteilen da, kann auch nichts ausbezahlt werden. In solchen Fällen hilft es auch nichts, dass der Lohn ab Eröffnung des Insolvenzverfahrens an sich als erstes vor anderen Schulden beglichen werden muss.

 

Damit der Insolvenzverwalter Ihre offenen Ansprüche gegen den Arbeitgeber berücksichtigen kann, müssen Sie sie „zur Insolvenzmasse“ anmelden. Die dafür einzuhaltende Frist steht im sog. Insolvenzeröffnungsbeschluss, der Ihnen zugeschickt wird bzw. im Betrieb ausgehängt wird. Hilfestellung, wie Sie Ihre Forderungen anmelden, leisten der Insolvenzverwalter und seine Mitarbeiter.