Besser leben. Anders arbeiten.
Das New Work Themen-Portal.

Besser leben. Anders arbeiten.
Das New Work Themen-Portal.

Entspannter arbeiten

Strategien gegen den Druck: Entspannt bleiben trotz Deadline

Bei den einen ruft beruflicher Druck eine Blockade hervor. Andere brauchen ihn, um wirklich produktiv zu werden. Für beide Typen gibt es spezielle Strategien im Arbeitsalltag.

Die Abgabe des Projektes ist überfällig, der Chef nörgelt schon: In solchen Momenten ereilt die einen Kollegen gerne mal eine Blockade. Andere werden dann erst richtig kreativ. „Das kommt auf die Persönlichkeit an“, sagt Psychologin Madeleine Leitner. „Ideal ist ein mittlerer Aktivierungsgrad, dann ist der Mensch am produktivsten.“

Für Menschen, die eher stressanfällig sind, heißt das: regelmäßig Pausen machen, sich ablenken und zwischendurch mal Musik hören. Unterhalb der Persönlichkeits-Schwelle hängt das Auftreten des „inneren Schweinehunds“ maßgeblich auch von der Zufriedenheit mit einer Aufgabe ab und kann ein Ausdruck von latenten Ängsten oder Konflikten sein. „Wenn ich eine Aufgabe habe, die mich nicht interessiert, ist es schwer, mich zu motivieren“, sagt Andreas Frintrup, Personalpsychologie aus Stuttgart. Oft seien es auch Versagensängste oder Perfektionismus, die dazu führten, dass Menschen bestimmte Projekte nicht angehen, erklärt Hans-Werner Rückert, Psychologe und Buchautor aus Berlin.

„Ab und zu versagen – das ist normal.“

Und: den Druck durch Sätze wie «Nicht alles, was ich abgebe, muss genial sein» aus dem Alltag nehmen. „Immer Höchstleistungen abliefern zu müssen, ist eine extreme Herausforderung“, erklärt Leitner. „Ab und zu versagen – das ist normal.“ Es sei unrealistisch, ständig an seine Grenze zu gehen.

Chronisch unorganisierte Aufgabenverschlepper könnten mit einigen Tipps und Tricks viel erreichen, so Rückert. Eine Ausnahme seien besonders schwere Fälle, in denen das Verhalten mit psychischen Erkrankungen zusammenhänge oder bereits sehr weit fortgeschritten sei. Die eigenen Ziele zu ordnen und daran zu arbeiten, könnten ansonsten aber „selbst Leute wieder lernen, bei denen man das schon gar nicht mehr denkt.“

Umgekehrt sei die Neigung zum Aufschieben auch nicht für alle Menschen automatisch problematisch, betont der Experte. Viele hätten von sich aus keinen besonders ausgeprägten beruflichen Ehrgeiz und seien damit glücklich. Schwierigkeiten verursache die Prokrastination meist erst, wenn der Betroffene leidet, weil er die eigenen Ambitionen wegen der dauernden Selbstblockade nicht umsetzen kann – oder wenn er die Abläufe eines Unternehmens durcheinanderbringt.

„Menschen sollten genaue Kenntnis darüber haben, was sie leisten können und tun wollen, wo, wofür und mit wem sie arbeiten wollen“, sagt Karriereberaterin Susanne Rausch. Durch Selbstbeobachtung lässt sich das Prokrastinationsrisiko verringern. Eine ehrliche Analyse der eigenen Motive, die hinter dem Verschleppen stehen, sei ein erster Schritt hin zu einer Verhaltensänderung: „Man kann den inneren Schweinehund gewissermaßen einkreisen.“

Gehört man allerdings zu den Menschen, die erst unter Zeit- oder Leistungsdruck produktiv werden, so ist dieser sogar förderlich für das Ergebnis. „Solche Menschen halten sich oft für faul und haben ein schlechtes Gewissen, weil sie alles auf den letzten Drücker erledigen“, betont Leitner. Sie sollten sich das selbst aber nicht verübeln. Denn im Gegensatz zu den meisten Menschen, die unter Druck versagen, bringen diese «Feuerwehrleute» unter solchen Umständen immer noch gute Ergebnisse.


Das könnte Sie auch interessieren:

Prokrastination: So entkommen Sie der Aufschiebe-Falle

0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.