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New Work

Function follows Emotion: Mehr Experimente, bitte!

Auf der diesjährigen ORGATEC, der Leitmesse für moderne Arbeitswelten, werden auf der Eventfläche PLANT 10.1. Ideen von Künstlern für Räume und Objekte gezeigt, die ein wirklich neues Denken im New-Work-Prozess anstoßen sollen. Denn genau das ist dringend nötig, erklärt Bernhard Zünkeler*, der Kurator von PLANT 10.1, in diesem Gastbeitrag.

„Wenn wir neudeutsch von New Work reden, dann meinen wir damit vieler Orten immer noch die gute alte Arbeit. Etwas, auf das man sich verlassen kann. Etwas, wo richtige Ergebnisse erzielt werden und etwas, das für gutes Geld erledigt wird. Ein bisschen agiler, digitaler, dezentraler und demokratischer darf es schon sein. Auch die Sinnhaftigkeit der Arbeit spielt eine zunehmende Rolle.

Bernhard Zünkeler

Kunstberater Bernhard Zünkeler: „Wenn Zufälle unterbunden, Überraschungen ausgeschlossen und Humor abgetötet wird, verkümmert die Neugierde“ (©Foto: Bernd Zöllner)

Keiner will aber so recht die festen Ufer der Vernunft verlassen. Eine Errungenschaft, die uns die Aufklärung vor rund 300 Jahren beschert hat. Alles muss logisch, systematisch, folgerichtig und zielorientiert sein. Irrationale Experimente, von denen wir nicht wissen, wohin sie führen und die dazu auch noch gründlich schiefgehen können, sind äußerst unbeliebt. Vor allem in Unternehmen. Wenn sie mal passieren, dann wird ihre Finanzierung meist in der nächsten Budgetrunde gestoppt.

Gelernt ist gelernt.

Was funktioniert hat, wird auch weiterhin funktionieren. Eine Art betriebliches Naturgesetz, so scheint es. Der Primat der vermeintlichen Rationalität thront immer noch über allem. Auch über New Work. Das zeigt sich bereits daran, dass auch hier die Worte effizient und effektiv mit größter Beharrlichkeit weiter in den Vordergrund gestellt werden. So läuft das nun mal mit der Arbeit. Alle wollen, dass etwas funktioniert.

Aber was ist dann wirklich neu an dieser New Work? Handelt es sich hier nur wieder um eine neue ‚„Verbal-Sau‘“, die durchs ‚„Industrie-Dorf‘“ getrieben wird? Wenn New Work im Wesentlichen durch die massiven digitalen Änderungen getrieben wird, dann könnte man es doch als Digital Work bezeichnen. Aber ist das wirklich alles? Gibt es nicht auch noch andere, ebenso wichtige Elemente?

Als Louis Sullivan 1896 den markigen Spruch von „Form follows Function“ einem breiten Publikum vorstellte, da kam es ihm darauf an, Architektur von unnötiger Ornamentik zu befreien. Der Zweck einer Sache sollte auch gestalterisch nach vorne treten. Den Siegeszug dieses Gedankens und seine Effektivität hat sich über so einflussreiche Bewegungen wie das Bauhaus oder den Minimalismus bis weit in unser heutiges Leben übertragen.

Er passt auch wunderbar zum Primat der Rationalität. Rational und Funktional sind beides Vokabeln, mit denen die industrielle Revolution begann und denen auch in der heutigen Wirtschaft kaum einer widersprechen würde. Aber vielleicht sollte man im Zuge von New Work ein bisschen genauer hinsehen? Vielleicht verbirgt sich gerade in der Auseinandersetzung mit diesem Begriffspaar eine Chance, wirklich zu Innovationen zu gelangen? Vielleicht findet New Work so einen Weg, den engen Korridoren der Aufklärung und der Industriegesellschaft zu entkommen?

Perceptio, Emotio, Motivatio

Logik und Folgerichtigkeit sind für Maschinen, die nach physikalischen Gesetzen arbeiten evidente Betriebsvoraussetzungen. Ohne sie zu beherzigen läuft buchstäblich nichts. Was für Maschinen aber selbstverständliche Nahrung ist, bedeutet für Menschen in der Regel langfristig wirkendes Gift. Wenn Zufälle unterbunden, Überraschungen ausgeschlossen und Humor abgetötet wird, verkümmert die Neugierde und damit einer unserer wichtigsten Antriebe.

Die Evolution hat uns zum perfektesten Wesen ausgebildet, dass mit den Zufällen des Lebens umgehen kann. Dabei spielt die Ratio im Cortex unseres Denkens eine überragende Rolle. Artifizielle Intelligenz wird selbst hier noch eine Weile brauchen, um uns zu überrunden. Was aber wirklich den Unterschied bereitet, ist das Zusammenspiel von Perceptio im Stamm- und Kleinhirn unseres Denkens, wo wir die Welt buchstäblich einatmen, verdauen, bewegen und mit allen Sinnen sehen und die Emotio im Limbischen System unseres Denkens, wo sich entscheidet, an was wir uns erinnern können, was wir lernen und wie wir den Tag mit anderen erleben.

Zu guter Letzt hat uns die Evolution mit dem Turbo unseres Denkens ausgestattet, der Motivatio im Präfrontal-Cortex unseres Denkens. Wenn man so will, verbirgt sich hier der jüngste Prototyp von Gehirnteil auf diesem Planeten. Ein Ort, wo trotz der millionenfachen Zufälle des Lebens langfristige Überzeugungen wachsen, Haltung bewahrt wird und unsere Identität seinen Sitz findet, um als Persönlichkeit zu bestehen.

Wir sind gut beraten, wenn wir bei New Work diese Dimensionen unseres Denkens um ein vielfaches stärker einbeziehen. Ratio ist wichtig, aber ohne Perceptio, Emotio und Motivatio nur bedingt effizient und keinesfalls langfristig effektiv. Eine Art Autofahrt auf einem Zylinder.

Keine Effizienz ohne Emotion

Funktionalität in Zusammenhang mit der Arbeit von Menschen ist in diesem Sinne immer nur dann gegeben, wenn Emotionalität Beachtung findet. Und Emotionalität funktioniert komplett anders wie Rationalität. Sie integriert Widersprüche, hält uns auf Kurs auch bei Unwägbarkeiten und sie inspiriert uns, wo Logik nur Paradoxien erkennen kann.

Physikalisch betrachtet ist Arbeit nur Kraft mal Weg. Psychologisch betrachtet ist Arbeit ein Vielfaches. Physikalisch betrachtet, ist ein Stuhl ein Gegenstand, auf den ich mein Gewicht verlagere. Psychologisch betrachtet, kann ein Stuhl Erinnerungen wecken, Identität erzeugen, Kooperationsbereitschaft erhöhen, Signale setzen und vieles mehr. Wenn wir also bei New Work von Funktionalität reden, sollten wir uns vor Augen halten, dass ohne die Einbindung von Emotionalität eine wesentliche Quelle von Effizienz ausgeschaltet wird. Das unbestimmte, offene und schwer kalkulierbare von Emotion ist ein wichtiges Potential zur Erschließung von grundsätzlich Neuem.

In der Industrie gibt es viele ‚„Funktionalitäts-Vorurteile‘“, die Emotionen abtöten. So gilt hier: Symmetrie vor Assymmetrie, Klarheit vor Ambivalenz, Oben vor Unten u.v.m.. Ob damit Innovationen gefördert werden, darf bezweifelt werden.

Wir brauchen Raum für Experimente!

Ironischerweise sehnt sich die Wirtschaft gerade jetzt nach diesen Innovationen und wünscht sich, dieses vielfache an Ideen aus uns heraus zu kitzeln. Die unendliche Skalierung des Bestehenden in einem begrenzten System ist langfristig zum Scheitern verurteilt. Statt ewigem more-of-the-same wird es in Zukunft eher um ein qualitatives Wachstum gehen. Ohne ganzheitliches Denken mit entsprechenden Freiräumen und inspirierenden Experimenten wird das aber nicht zu haben sein. Ratio ist sicherlich effizient, ob sie allerdings langfristig effektiv ist und zur qualitativen Verbesserung der Lebensumstände beiträgt, wird im großen Maße davon abhängen, ob wir unser Denken ganzheitlich in New Work mit einfließen lassen. Die Einbeziehung von Emotio ist hier ein Anfang!

PLANT10.1: Lassen sie sich inspirieren

Auf der Orgatec** lädt die Inspirationsfläche PLANT 10.1 ein, solch einen Experimentierraum kennenzulernen und am eigenen Leib seine Wirkungen zu spüren. Dabei werden ambivalente Szenarien von Co-Working über LivingRoom, MinHome, Creative Spaces, OnStage bis hin zur Gamification zu entdecken sein. In bewusst offener Zusammenarbeit werden die räumlichen Kristallisationspunkte von Detecon , Orange Council, der Künstlergruppe Freeters und den Mitstreitern von Deutscher Telekom, Bosch und XING mit besonderen Workshops und Vortragsformaten bespielt.

Und da Humor bekanntlich der ultimative Intelligenztest für Unternehmen ist, darf auch gelacht werden! In diesem Sinne: Function follows Emotion!“

*Dr. Bernhard Zünkeler ist Kurator von PLANT10.1 und Geschäftsführer von ORANGE COUNCIL.


**Veranstaltungshinweis: Der digitale Wandel entkoppelt Arbeit von fest definierten Räumen und Zeiten und von klassischen Arbeitsumgebungen. Es gilt, mutig neue Ideen und Konzepte für die Zusammenarbeit zu finden und neue Dritte Orte zu schaffen, in denen neue Visionen möglich sind.  Auf der ORGATEC in Köln greifen XING und IBA diese spannenden Entwicklungen am 23. Oktober mit der New Work Sessions ORGATEC auf, die zu einem großen Teil auch auf den Bühnen von PLANT 10.1 stattfinden werden. Lassen Sie sich von New Workern, Rebellen und Vordenkern – siehe Banner – inspirieren, die mit ihrem Engagement und ihren erfrischenden Denkweisen eingefahrene Muster durchbrechen und damit zum Nachdenken und Mitmachen anregen.

Mehr Informationen und Tickets für die New Work Sessions inklusive Besuch der ORGATEC erhalten Sie beim Klick auf das Banner:


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