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Konflikte

"Innere Kündigung": Schlechte Chefs rauben Motivation

Viele Arbeitnehmer in Deutschland machen nur noch Dienst nach Vorschrift – und würden laut einer aktuellen Studie am liebsten sofort kündigen. Dafür sind auch die Vorgesetzten verantwortlich – aber nicht nur sie.

Montag, der erste Schritt in Richtung Wochenende – so dürften Viele in Deutschland denken. Jedenfalls wenn man Umfragen folgt. Demnach hängen Millionen nicht besonders an ihrer Arbeit. Jeder Siebte habe innerlich gekündigt, glaubt das Beratungsunternehmen Gallup. „Das ist kein gutes Zeugnis für die Führungskräfte“, sagt Studienautor Marco Nink und warnt: Schlechte Führung drücke auf die Motivation und koste Firmen Milliarden. Ein Blick in die Zahlen zeigt aber auch: Die Chefs werden besser.

59 Prozent der Beschäftigten sind vollständig oder teilweise der Meinung, dass ihre Chefs sie durch ihre Führung zu hervorragender Arbeit motivieren, acht Prozentpunkte mehr als noch vor zwei Jahren. Rund 17 Prozent stimmten dieser Aussage nicht oder größtenteils nicht zu, das sind sechs Prozentpunkte weniger. Trotzdem gibt es Nachholbedarf: Nur 15 Prozent der Beschäftigten seien hierzulande Feuer und Flamme für ihren Job, hieß es gestern.

Lob fällt Chefs schwer

Geben Chefs ihren Leuten eigene Entscheidungsspielräume, dazu vielfältige und leistbare Aufgaben, dann fördern sie damit Gesundheit, Wohlbefinden und Motivation der Mitarbeiter, wie die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin erklärt. Doch in deutschen Firmen hätten die Chefs die Zügel fest in der Hand, folgert der Personalvermittler Manpower aus einer eigenen Umfrage. Nur jeder Dritte dürfe allein oder im Team selbstständig Entscheidungen treffen.

Auch andere Studien, etwa der AOK, bestätigen: Chefs in Deutschland tun sich schwer damit, ihre Leute zu loben und ihnen Entscheidungen zu überlassen. Warum das so ist? Oft werden die Falschen befördert, ist Soziologe Nink überzeugt. Meist rücken die Kollegen auf, die gute Experten in ihrem Bereich seien, aber keine Führungsqualitäten besitzt.

Doch es kommt nicht nur auf den Chef an, sagt der Deutsche Gewerkschaftsbund. Auch ständige Erreichbarkeit, Flexibilisierung und schlechte Vereinbarkeit mit dem Familienleben belasten Mitarbeiter.

11 Kommentare

Harald Müller

30.08.2018

Stagnation über Jahre: Keine großen Veränderungen. Das ist auch das Ergebnis der Gallup-Studien. Leider!
Führungskräfte tragen Verantwortung für Unternehmen und Mitarbeiter. Das ist ihr Job. Die enormen stillen Kosten der Unzufriedenheit sind vergeudetes Potential. Es braucht Führungskräfte, die ihre Führungsverantwortung hingebungsvoll wahrnehmen und den Mitarbeitern einen förderlichen Rahmen bereitsstellen. So ist Weiterentwicklung des Einzelnen möglich und wird zu einer höheren persönlichen Zufriedenheit führen. So wird auch die Bindung an das Unternehmen verbessert und letztlich verbessern sich auch die Ergebnisse in den Unternehmen verbessern. Eine Win-win-Situation für alle.
Das erfordert einiges an Kraftanstrenung, Zeiteinsatz und vor allem eine entsprechende Haltung der Führungskräfte und ein Wandel in der Führung. Doch die Anstrenungen werden sich lohnen.

Bettina Stackelberg

31.08.2018

Jaja, die Chefs sind mal wieder schuld. Weil sie ja als Hauptaufgabe die Bespaßung, Beglückung und das Feelgood Gefühl ihrer Mitarbeiter haben. Leut, wann fällt Euch mal was anderes ein als dieses ständige Chef-Bashing??
Ich weiß, diese Artikel sind populär, werden viel gelesen und geklickt und viiiiele stimmen ein in die „Es gibt so viele doofe Chefs“ Hymne.
Aber es gehören immer 2 Seiten dazu: Ein Chef, der für das Wohl seiner MA sorgen möchte – und MA, die auch ihren Teil dazu beitragen und nicht nur in der Konsumstarre verharren mit völlig überhöhten und illusorischen Ansprüchen an die Chefs.

Ja, es gibt wahre Vollpfosten an Chefs – und es gibt großartige. Genauso, wie es schreckliche Mitarbeiter gibt und wunderbare.

Becker

31.08.2018

Leider wahr, habe hier die grottigsten Chef(finnen) erlebt. War für das selbe Unternehmen in Schweden, bei einem Partnerbetrieb. Man merkte den Unterschied. Die deutsche Führ(er)ungskultur lässt arg zu wünschen übrig. Habe mit fast 50 den ersten klasse Chef.

Berthold Ebner

01.09.2018

Wie wird ein Mitarbeiter zur Führungskraft? Oft weil er/sie als beste Fachkraft in der Firma zum Abteilungsleiter oder in eine andere führende Position befördert wird. Und oft, ohne daß überprüft wird, wie qualifiziert die zwischenmenschliche Kompetenz der oder des Beförderten ist. Wurde die Fähigkeit im Umgang mit Menschen bei der Führungskraft überhaupt gecheckt? Von wem? Welche Führungs-Werkzeuge kennt der neue Chef? Und vor allem: wie wendet er diese an? Die Folgen: oft verheerend. Mitarbeiter machen Dienst nach Vorschrift, erhalten keine qualifizierte Rückmeldung zu Ihrer Arbeit. Doch Führung kann man lernen. Nicht von heute auf morgen. Sondern systematisch und kontinuierlich. Die wenigsten Menschen werden in klein- und mittelständischen Unternehmen auf diese Aufgabe vorbereitet. Oder erhalten während Ihres Chef -Daseins eine Qualifizierung. Wer kümmert sich um die Führungskraft selbst? Wie gut fühlt sie sich den der neue Chef in seiner neuen Aufgabe? Wie bewegt er sich in der Sandwich-Position zwischen Arbeitgeber und seinen Mitarbeitern? Wieviel operative Arbeit verrichtet die Führungskraft selbst noch? Und wieviel Zeit bleibt tatsächlich für effektive Führung? Wie geht effektive Führung überhaupt? Diese offenen Fragen gilt es für KMUs zu lösen. Denn unglaublich: damit geht die Firma eine der großen Herausforderungen aktiv an-das finden und binden exzellenter Mitarbeiter.

I. Erbschlö

01.09.2018

Alles eine Frage der Sichtweise und Flexibilität.
Wer seinen Chef beurteilt mus auch dessen Verantwortung, Aufgabenspectrum und soziale Kompetenz in die subjektive eigene Wertung mit einfliessen lassen.
Loyalität und die Identifizierung mit dem eigenen Unternehmen können hierbei hilfreich sein,
Selten haben wir es in der Hand etwas an den Gegebenheiten zu ändern, also kann man und sollte man sich aus meiner Sicht mit den Dingen arrangieren um nicht Frust und innerer Kündigung zum Opfer zu fallen.
Es ist immer die selbe Frage, dient man oder führt man.
Ich persönlich bin der festen Überzeugung das selbst der schlechteste Vorgesetzte irgendwo Potential in sich trägt das man in die persönliche Bewertung mit einfliessen lassen sollte.
Klar gibt es hoffnungslose Fälle, aber Vorgestzte kommen und gehen.

Widhammer

02.09.2018

Bin über 30 Jahre in den selben Betrieb. Hab noch nie ein Lob gehört. Schreien kann er gut und einen als unkollegial bezeichnen. Ich schaffe leider den Absprung nicht.

kein Chef

03.09.2018

„59 Prozent der Beschäftigten sind vollständig oder teilweise der Meinung, dass ihre Chefs sie durch ihre Führung zu hervorragender Arbeit motivieren, acht Prozentpunkte mehr als noch vor zwei Jahren.“

… und was ist jetzt daran schlecht?
Hätte dazu nicht die Überschrift gepasst:
„Deutschlands Führungskräfte motivieren immer besser“ ?!

Keine Frage: Es gibt noch viel Potential – genauso wie beim Autor des Artikels und der (eher weniger) geistreichen Überschrift.

Dr. Guido Schmidt

05.09.2018

Die Überschrift passt so gar nicht zu den Inhalten. So ist das, wenn man unbedingt eine Botschaft loswerden will. egal ob sie stimmt oder nicht

Don Büttner

05.09.2018

Alles eine Frage eines guten Gleichgewicht zwischen Lob- entsprechender Bezahlung und Leistung.

Marc Wolf

05.09.2018

Die „CHEFS“ – ja über welche wird denn hier geschrieben? Über 60 % der Angestellten arbeiten in Unternehmen in 3.000.000+ Unternehmen mit bis zu 9 Angestellten. In der nächsten statistischen Klasse 10-49 Mitarbeiter gibt es nur noch weniger als 300.000 Unternehmen. Die Chefs in diesen Unternehmen arbeiten fast immer mit ihren Mitarbeitern Seite an Seite. Vielleicht werden in den Kommentaren Erfahrungen aus großen Unternehmen (Sandwich-Position) breitgetreten – dann würde ein Hinweis darauf vielleicht etwas ein differenziertes Bild liefern. Der Chef als unfähiges Wesen und die Angestellten, die alles besser wissen und können – ein unendlich kolportiertes Thema aber in den allermeisten Fällen ein Legende. Ja, Chefs machen Fehler, haben einen „schlechten“ Tag – alles richtig erkannt. Aber die Geschichten, die die Chefs über Mitarbeiter erzählen sind abendfüllend (und nicht immer lustig). Viele Arbeitnehmer in Deutschland machen nur noch Dienst nach Vorschrift und das ab dem Einstellungstermin ohne den Chef „kennengelernt“ zu haben. Und würden sie so ehrlich sein und tatsächlich kündigen (was sie lt. einer aktuellen Studie am liebsten täten) statt nachlässig zu arbeiten und das Unternehmensklima zu vergiften – allen wäre geholfen. Und meine Vermutung: Das Unternehmen kann man wechseln, jedoch sich selber nimmt man immer mit.

Nicolas Böhmer

07.09.2018

Aus meiner Praxis:
Artikel und die Voten liegen richtig – nur ist das Absolute, mit denen die Positionen bezogen werden, nicht sachgerecht.
Gerade im Rahmen der Digitalisierung, Innovationssuche sowie dem Finden und Halten von Fachkräften ist es hilfreich, wenn Führungspersonen die Art des Managements überdenken. Doch auch die Arbeitnehmer/innen sind gefordert.
Zu diesem Themenkomplex halte ich Vorträge, die Ideen geben und Impulse setzen – wirkt immer wieder hervorragend ;)

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