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Arbeitsplatz Deutschland

Ciao, Büro! Immer mehr Arbeitgeber setzen aufs Home Office

Immer mehr Angestellte kommen in den Genuss, mobil oder von zu Hause aus zu arbeiten. Das zeigt die Studie „Arbeiten in Deutschland“ des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) in Zusammenarbeit mit XING. Die Zahlen belegen einen Kulturwandel in der Arbeitswelt zu mehr Freiheit und Flexibilität. Sie zeigen jedoch auch: Firmen pflegen mehrheitlich noch Präsenzkultur.

Deutschland ist ein Land der Pendler: Millionen Arbeitnehmer fahren jeden Tag zum Teil Dutzende Kilometer zum Job und wieder nach Hause, sie drängen sich in Busse, warten auf Bahnen, stehen im Stau. Dieses Pendeln war lange Zeit über Steuererleichterungen bei den Fahrkosten politisch unterstützt, mittlerweile überwiegt die Skepsis angesichts von Staus, Umwelt- und Nervenbelastung aller Beteiligten. Und es gibt –  der Digitalisierung sei Dank – in vielen Branchen eine immer populärer werdende Alternative: das Home Office.

Denn zunehmend viele Arbeitgeber gewähren ihren Angestellten die Möglichkeit, ihren Job von zu Hause aus erledigen: Mittlerweile können rund 38 Prozent der vom IZA Befragten entweder komplett oder gelegentlich einen Heimarbeitsplatz nutzen. Im Vergleich zum Vorjahr genießen damit sechs Prozent mehr Mitarbeiter räumliche Autonomie. Allerdings: Die Ergebnisse der Befragung zeigen, dass die Mehrheit der Arbeitgeber immer noch an der Präsenzpflicht für ihre Mitarbeiter festhält: Rund 62 Prozent der befragten abhängig Beschäftigten geben an, aktuell keine Chance zu haben, Homeoffice-Regelungen in vollem Umfang nutzen zu können.

Höhere Affinität zum Homeoffice in bestimmten Branchen

Sicher: Für Programmierer ist es natürlich realistischer von unterwegs oder aus dem heimischen Wohnzimmer zu arbeiten, als dies in anderen Branchen der Fall ist. Unter den „modernen Wissensarbeitern“ beträgt der Anteil der Personen ohne Homeoffice-Möglichkeit dann auch lediglich rund 22 Prozent. IZA-Chef Hilmar Schneider sieht in dieser starken Zunahme einen Wertewandel in der Arbeitswelt. Unternehmen sieht er in der Pflicht, auf Veränderungsprozesse zu reagieren.

Arbeitnehmer stehen im ständigen Spannungsfeld privater und beruflicher Anforderungen. Neben dem Job müssen und wollen sie Familie, Hobbys und soziales Engagement unter einen Hut bringen. Mehr Spielraum für den Menschen kann einen Teil dieser Spannungen lösen und hilft schließlich auch dabei, Mitarbeiterpotential zu entfalten.

„Der technische Fortschritt mit der fortschreitenden Digitalisierung in immer mehr Jobs die Voraussetzungen für örtlich (und zeitlich) flexibles Arbeiten. Deshalb stehen viele Unternehmen vor der Herausforderung, grundsätzlich erfüllbare Wünsche der Arbeitnehmer zum mobilen Arbeiten mit den unternehmerischen Erfordernissen und Interessen in Einklang zu bringen.“ – IZA-Chef Prof. Dr. Hilmar Schneider

Viele Vorgesetzte bleiben jedoch skeptisch und erwarten physische Anwesenheit von ihren Angestellten. Einem Viertel der Befragten mit der Ansicht, ihr Job erlaube räumliche Flexibilität, wird die Heimarbeit nicht gestattet. Ein häufig angeführtes Argument dafür ist die schwindende Kontrolle über den Mitarbeiter.

Home Office ist ein Vertrauensbeweis

Umgedreht sollte dieser Punkt für die Regelung sein. Denn seinen Mitarbeitern zu erlauben, im Home Office zu arbeiten signalisiert Vertrauen. Zu Zeiten von Großraumbüros und Performance-Kontrollen sowie anderen Überwachungsmöglichkeiten, scheitert es vor allem am Vertrauen an den Mitarbeitern. Genau dies könnte über die Gewährung von Home-Office-Möglichkeiten erreicht werden, und so zur Zufriedenheit der Angestellten beigetragen werden.

10 Kommentare

Friese Management GmbH, Harald Friese, Ennepetal

21.08.2018

Ich halte eine sinnvolle Ausweitung von Arbeitsmodellen wie HomeOffice für zeitgemäß und sehr angebracht. Genau vor dem Hintergrund der zunehmenden Belastung der Infrastruktur sollten „sinnlose“ Zeiten im Stau auf den Straßen der Republik vermieden werden. Hier kann ein Beitrag zur Entlastung geleistet werden.
Allerdings sollte zum Beispiel ein Präsenztag pro Woche eingerichtet werden, um die sozialen Kontakte im Arbeitsumfeld aufrecht erhalten zu können.
Wir brauchen mehr Flexibilität bei den Vorgesetzten und Führungskräften. Vertrauen sollte zunächst dem Mitarbeiter gegenüber „geschenkt“ werden („nicht jeder hinter einem Busch ist ein Räuber“). Man wird sehen: Vertrauen wird selten enttäuscht! (ansonsten sind es ohnehin die falschen Mitarbeiter)

Ralf Lange

22.08.2018

Das Foto drückt ein Klischee aus, das ich so nicht bestätigen kann. Und es wird dem Konzept nicht gerecht. In vielen Fällen ist es Notwendigkeit, das Home Office zu nutzen. Gerade bei Teams die über mehrere Länder verteilt sind, ist es sehr hilfreich. Ich habe noch nie auf dem Boden mit dem Laptop auf den Oberschenkeln gearbeitet.

Markus Mrozyk

22.08.2018

Leider geht der Beitrag nicht näher darauf ein wie sich die 38% im Home Office arbeitenden auf die Branchen verteilt.

Das Zeitalter der zunehmenden Digitalisierung und die damit einhergehenden Veränderungen stehen noch nicht im Einklang zu den Anforderungen in der Arbeitswelt. Hier fehlt es an innovativen und nachhaltigen Personalmanagementkonzepten, die auch das Thema Home Office berücksichtigen.

Mehr Mut und Kreativität wäre ein erster Schritt.

Ernst Dennstedt

22.08.2018

Wir sind ein ERP-Anbieter mit einem Standort in St. Kartharinen in Rheinland-Pfalz (kennt kein Mensch) und Wien. Wir haben unsere IT Infrastruktur schon sehr früh auf Home Office ausgerichtet, da durch den Fachkräftemangel es gar nicht anders möglich gewesen wäre für uns, unser dynamisches Wachstum mit den entsprechend gut ausgebildeten Mitarbeitern zu bewältigen.

Interessanterweise hat diese “ Notlösung“ zu einem ganz besonderen Effekt geführt: „Service Excellence – unsere Mitarbeiter machen den Unterschied“ ist nicht nur eine Marketingfloskel sondern hat sich tatsächlich entwickelt.

(…)

Vertrauen ist die absolute Basis, damit das funktionieren kann. Das interessante an diesem Service Excellence – Effekt ist, dass dieser von der Firmenleitung nicht gesteuert wurde. Wir wurden von Kunden immer öfter angesprochen auf unsere tollen Mitarbeiter und das die wirklich eine für den Kunden auffällig gute Betreuung abliefern. Nach einer kurzen Analyse und einer Feedbackrunde bei den Mitarbeitern hat sich dann herausgestellt, was die wirkliche Ursache für diesen Service Excellence war.

Maurice

22.08.2018

Homeoffice scheitert in den meisten Fällen auch an den nicht vorhanden gesetzlichen Bestimmungen zum Datenschutz und der Arbeitssicherheit. So lange der Gesetzgeber hier kein klares Zeichen setzt und gesetzliche Regelungen trifft, ist auf Grund der DSGVO allein schon ein Homeoffice ein grauen für jeden Datenschützer und somit für Unternehmen ein großes Risiko.
Außerdem fehlt der soziele Kontakt zu Kollegen. Alles nur online Abzuwickeln birgt Gefahren von Missverständnissen und Abgeschiedenheit. Homeoffice ist toll, muss aber auch vom Unternehmen sauber organisiert werden. Regelmäßige Treffen aller Kollegen und Face to Face Termine sollten eingeplant werden. Das dient der Kommunikation und wirkt Vereinsamung entgegen. Kommunikation ist nicht nur das gesprochene Wort. Jeder gibt ob will oder nicht mit Mimik und Gestik etwas von sich Preis und das macht Kollegialität aus.

Petra Ofner

22.08.2018

“ … scheitert es vor allem am Vertrauen an den Mitarbeitern. Genau dies könnte über die Gewährung von Home-Office-Möglichkeiten erreicht werden, und so zur Zufriedenheit der Angestellten beigetragen werden.“
Grammatikalisch ein wenig „verschwurbelt“, oder?
Als Unternehmerin habe ich auch längere Zeit im Home-Office gearbeitet, bin aber selbst wieder davon abgekommen. Hört sich alles recht nett an und die Zeitverschwendung mit der An- und Abfahrt ist wirklich ein gutes zusätzliches Argument.
Leider ist es in der Praxis nicht immer so einfach, zuhause wirklich konzentriert bei der Arbeit zu sein. Andere Familienmitglieder sind dabei nicht durchgehend hilfreich.
Ich habe wieder ein Büro angemietet, denn wenn ich die Tür hinter mir schließe und nachhause fahre, habe ich wirklich frei. Soweit man als Selbständiger von echter Freiheit sprechen kann, denn natürlich gehe ich oft mit meiner Firma (gedanklich) schlafen und stehe auch mit ihr auf.
Dennoch finde ich diesen Cut für eine gesunde Work-Life-Balance immens wichtig.

Klaus-Dieter

22.08.2018

Ich habe in Summe etwa 10 Jahre im Home Office gearbeitet und kenne die Vor- und Nachteile davon. Ein Nachteil ist sicher, dass die Arbeitszeiten deutlich mehr sind, als bei einem festen Arbeitsplatz in einem Büro des Arbeitgebers. Aber ist das wirklich ein Nachteil? Aktuell, bei meinem eher konservativ geprägtem Arbeitgeber gibt es leider keine HO-Lösung, weder auf Dauer, noch zwischendurch mal. Und genau hier macht sich der Fahrtstress mit etwa 30 km einfach deutlich bemerkbar. Aus meiner Sicht geht hier leider wertvolle Lebenszeit verloren, die man unnütz auf der Straße und im schlechtesten Fall im Stau verbringt. Zuletzt wegen Baustelle pro Richtung mindestens eine Stunde mehr.
HO-Lösung ist Vertrauen, das kann ich nur unterstreichen und die eingesparte Zeit auf der Straße würde – zumindest bei mir – eher in Dienst- als in Freizeit münden. Auch davon würde mein AG profitieren. Also eine Win-Win Situation mit einem ungestresstem, auf Autobahn gehetztem und der Verkehrsgefahr ausgesetztem Mitarbeiter. Ich hoffe auf den Wechsel unseres Managements aus Altersgründen und die dann hoffentlich anstehenden Neuerungen im Unternehmen. Ein Tag pro Woche flexibel zu arbeiten, um mal den Zählerableser, den Telekommitarbeiter oder den Kaminkehrer herein zu lassen und den Rest wie gewohnt am PC und Telefon zu verbringen hätte schon mal wieder was. Dies macht unsere digitalisierte Welt erst wirklich möglich, was mich wirklich freut, ich aber aktuell leider nicht davon partizipiere.

Ralf Franke

22.08.2018

Im Home Office ist die Ausbeutung größer.
Meist die Eigene…

Markus Schumann

22.08.2018

Home Office funktioniert, wenn man sich entsprechend organisiert. Das bedeutet u. a. auch, dass interne Besprechungen genau so wie externe Termine geplant und wahrgenommen werden müssen. Home Office beruht also auf Gegenseitigkeit.

Ben

22.08.2018

Ich frage mich die ganze Zeit, wie Unternehmen wohl die Themen Datenschutz und Datensicherheit lösen? Insbesondere in kundennahen Arbeitsgebieten , wo es um Be- und Verarbeitung von sensiblen Kunden- oder Mitarbeiterdaten geht (Dienstpläne), z. B. im sozialen Bereich, müssen Datenschutzanforderungen eingehalten werden. Das sehe ich im Homeoffice schon kritisch.

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