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Jobhopping im Allgäu: "Probiert so viel wie möglich aus"

Dreißig verschiedene Jobs in 180 Tagen – das war die Aufgabe der Jobchallenge Allgäu. Nun beendete Jobhopperin Annabelle Klage das Experiment, mit einer Menge neuer Erfahrungsschätze und einer richtungsweisenden beruflichen Erkenntnis im Gepäck. Mit XING Spielraum sprach sie über die abwechslungsreichste Zeit ihres Berufslebens.

Angesichts des akuten Fachkräftemangels in der schönen bayerischen Region wurde die Aktion Jobchallenge durch die Allgäu GmbH ins Leben gerufen. Wie XING Spielraum berichtete, hatte die 26-jährige Management-Studentin Annabelle Klage aus Frankfurt die Möglichkeit bekommen, als Allgäu-Jobhopperin 30 verschiedene Kurzpraktika zu absolvieren. Altenpflegerin, Skilehrerin, Luftfahrtingenieurin – der Berufsvielfalt wurde dabei keine Grenze gesetzt. Nach drei Monaten voller neuen Erfahrungen und Abenteuer zieht Klage nun ein Resümee.

XING Spielraum: Ihre Zeit im Allgäu ist seit kurzem vorbei. Freuen Sie sich nun wieder auf einen geregelten Alltag?

Annabelle Klage: (Lacht) Ja, absolut. Es war eine wirklich super aufregende und abwechslungsreiche Zeit, aber auch super anstrengend. Ich wusste Freitag nie, was am Montag auf mich zukommen wird, hatte unterschiedlichste Anfahrts- und Aufstehzeiten, habe täglich mit neuen, verschiedensten Menschen gearbeitet – was alles richtig cool war. Aber jetzt freue ich mich tatsächlich zur Abwechslung mal wieder auf einen geregelten Alltag.

Welche Erwartungen hatten Sie persönlich an die Challenge? Haben sich diese erfüllt?

Klage: Als ich in die Jobchallenge gestartet bin, hatte ich die Hoffnung, direkt einen Beruf zu finden, bei dem ich weiß – der ist es! Im Endeffekt habe ich zwar nicht diesen einen Beruf gefunden, aber an anderer Stelle richtig viel über mich selbst gelernt: etwa, dass mich die Arbeit mit Menschen erfüllt und mir es total wichtig ist, einen sozialen Sinn hinter dem zu sehen, was ich tue.

Learning by doing zwischen Bergen und Buffet im Panoramahotel Oberjoch
Learning by doing zwischen Bergen und Buffet im Panoramahotel Oberjoch
© Allgäu GmbH
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Welche Job-Highlights haben sich herauskristallisiert?

Klage: Meine Höhepunkte waren die Arbeit in der Bäckerei, der Behinderten-Werkstatt und die Woche in der Altenpflege. Denn in diesen Stationen konnte ich direkt sehen, was meine Arbeit bewegt und zwar auf unterschiedlichste Art und Weise – beim Bäcker bist du den ganzen Tag mit vollen Körpereinsatz und Herzblut dahinter, schaffst acht Stunden am Tag und kannst dein Werk mit allen Sinnen „erleben“. In der Behinderten-Werkstatt und in der Arbeit mit den älteren Menschen ist es die entgegengebrachte Dankbarkeit, die einen am Ende des Tages total glücklich nach Hause gehen lässt. Im Gegensatz zu meiner vorherigen Tätigkeit im Feld BWL und Werbung hatte ich dagegen am Feierabend höchstens ausgearbeitete Strategiepapiere in der Hand, was mich nicht mehr zufriedenstellte.

Es wird sich also auch beruflich für Sie in Zukunft etwas ändern?

Klage: Ja! Der Plan für die nächsten Monate ist, mein Management-Studium zu Ende zu machen. Während des Studiums möchte ich mein 31. (diesmal privates) Praktikum im Kreissaal absolvieren, da ich schon vor der Jobchallenge vom Beruf der Hebamme geträumt habe und dieses Feld gerne näher kennenlernen möchte.

Ich hatte schon immer das Gefühl, dass ich besser mit Menschen kann. Da ich aber aus einer reinen BWL-Familie komme, habe ich klassisch eine kaufmännische Ausbildung gemacht und im Anschluss den Bachelor und Master angehängt. Durch die Erfahrungen in der Jobchallenge habe ich den Mut, eventuell meine berufliche Ausrichtung noch einmal zu ändern und könnte mir vorstellen, eine neue Richtung einzuschlagen.

Gab es auch Tage, an dem Sie sich dachten: „Nichts wie weg hier“?

Klage: Tatsächlich hätte ich erwartet, dass ich mehr Jobs haben würde, mit denen ich nichts anfangen kann. Beispielsweise bin ich in vielen technischen Fragen und IT-Kenntnissen nicht sehr bewandert, weshalb ich anfangs ein bisschen Angst hatte. Das war aber nie berechtigt, da man ganz schnell zwischenmenschlich eine gute Ebene mit den Leuten gefunden hat, sodass es sich trotzdem zu einer spannenden Erfahrung entwickelt hatte – auch wenn ich nichts in Sachen IT beitragen konnte. Ich habe sehr viele faszinierende Menschen mit spannenden Lebensgeschichten kennengelernt. Daher gab es nie einen Moment, indem ich richtig verzweifelt war und flüchten wollte.

„Meine Erkenntnis ist daher auch: ein Traumjob steht und fällt mit den Kollegen.“

Was sollten Unternehmen tun, um die Arbeitnehmerzufriedenheit zu steigern?

Klage: Sie sollten auf jeden Fall mehr daran arbeiten, dass die Mitarbeiter sich gegenseitig kennenlernen. Ein IT-Unternehmen, das ich während der Challenge kennenlernen durfte, hat das super gemacht. Es hat mich begeistert, wie mit Mitarbeitern umgegangen wird und wie sie untereinander agieren. Es gibt viele gemeinsame Unternehmungen, wie Cocktailabende, gemeinsame Kochkurse, Pistentouren etc., wodurch die Mitarbeiter zu Freunden werden. Projekte führen hierdurch schneller zum Erfolg, jedoch auch Niederlagen können besser weggesteckt werden. Eine gute Arbeitsatmosphäre ist das A und O.

Dort hatte ich direkt das Gefühl, mit einer „Familie“ zu arbeiten. Es war distanzlos, ich konnte jeden alles fragen und hab mich direkt wohlgefühlt. Man merkt als Neuankömmling das gute Klima unter den Mitarbeitern  sofort und es überträgt sich auf dich. Wenn man distanziert empfangen wird, ist man auch selbst nicht so offen.

Eine gute Atmosphäre ist das A und O. Ich habe mich direkt getraut, mich einzubringen und Dinge anzubringen, die ich in einem anderen Umfeld nicht geäußert hätte. Ich glaube, das ist förderlich für den gesamten Unternehmenserfolg.

Gab es etwas, das Sie total überrascht hat?

Klage: Viele Unternehmen waren total innovativ und nachhaltig, weshalb ich sie eher in größeren Städten verortet hätte, aber nicht unbedingt im Allgäu. Viele von ihnen hatten geniale Ansätze, die genau den Nerv der Zeit treffen, was ich von Unternehmen auf dem Land nicht in dieser Form erwartet hätte. Aber da sind einige Schmankerl dabei (lacht)!

Haben Sie schon Feedback aus der Region zum Erfolg der Kampagne erhalten?

Klage: Mit der Kampagne waren laut der Unternehmensbefragung, die bei allen Jobanbietern durchgeführt wurde, sehr zufrieden. Viele davon werden den modernen Ansatz und das Blog-Material behalten und wiederverwenden. Die Jobchallenge fungiert auch als Ansatz, wie man Fach- und Führungskräfte und vor allem eine jüngere Zielgruppe im Personalmarketing ansprechen kann.

Generell ist es mit der Challenge gelungen, das Bewusstsein für die Region zu stärken – und vor allem das Wissen, dass die Region mehr zu bieten hat, als schöne Wiesen mit Kühen.

Was sind Ihre Key Learnings, die Sie jungen Menschen für die Berufsorientierung mit auf den Weg geben können?

Klage: 1. Probiert so viel wie möglich aus. 2. Lasst euch nicht von den breiten Massen davon abbringen, auch mal einen ungewöhnlicheren Weg zu verfolgen. 3. Lauft mit offenen Augen durch die Welt.

Annabelle Klage hat ihre Berufserfahrungen im Allgäu auf Instagram, Facebook und ihrem Blog dokumentiert.

Das Interview führte Julia Nedoma


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