Arbeit & Geld

Neue Studien belegen: Zu wenig Gehalt macht krank

Menschen, die sich ungerecht bezahlt fühlen, leiden häufiger an Stresserkrankungen als Kollegen, die mit ihrem Gehalt zufrieden sind. Neue wissenschaftliche Studien zeigen, wie wichtig die Anerkennung seiner Arbeitsleistung für den Menschen ist. Nicht nur finanziell.

Eine ungerechte Bezahlung wirkt sich nicht nur negativ auf den Kontostand aus. Auch die Gesundheit wird in Mitleidenschaft gezogen. So haben Wissenschaftler der Hochschule Ravensburg-Weingarten herausgefunden: Wer sich ungerecht bezahlt fühlt, leidet häufiger unter Stresserkrankungen.

Die Experten analysierten Daten von insgesamt über 5.600 Beschäftigten. Um zu erfahren, welche Folgen die Bezahlung für das Wohlergehen hat, befragten sie die Beschäftigten über einen Zeitraum von rund acht Jahren immer wieder hinsichtlich der Frage, welche Einkommenshöhe aus ihrer Sicht gerecht sei. Darüber hinaus betrachteten die Wissenschaftler, ob die Personen beispielsweise an Erkrankungen wie Depressionen oder Bluthochdruck und anderen Erkrankungen, die häufig in Verbindung mit Stress auftreten, litten.

Ergebnis: Besonders Frauen, die sich schlecht bezahlt fühlten, waren häufiger von Stresserkrankungen betroffen. Insgesamt sei das Risiko, an Depressionen und anderen Stresserkrankungen zu leiden, bei Menschen, die ihr Einkommen als ungerecht wahrnehmen, um 64 Prozent höher als bei jenen, die mit ihrem Gehalt zufrieden sind und es als gerecht empfinden.

Unfaire Bezahlung wird zum Schlafkiller

Welche Folgen eine ungerechte Bezahlung auf einen Menschen haben kann, fand auch Christian Pfeifer heraus. Der Ökonom an der Leuphana Universität Lüneburg analysierte dazu Befragungsdaten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. „Für die Sekundärdaten-Analyse habe ich Regressionsverfahren genutzt, die die Unterschiede anderer Einflussfaktoren kontrollieren, um so den Einfluss der fairen Entlohnung möglichst isoliert zu betrachten“, erklärt er.

Pfeifer kam zu der Erkenntnis, dass gar nicht der eigentliche Stundenlohn ausschlaggebend ist, sondern das individuelle Gefühl der Betroffenen. Aber welche Folgen hat zu wenig Schlaf? Wie wirkt sich dieser Umstand auf die Betroffenen selbst und ihre Leistungsfähigkeit aus? „Zu wenig Schlaf und Erholung, ebenso wie mit unfairer Bezahlung einhergehender psychischer Stress, sind sicherlich schädlich für die Produktivität. So ergaben Studien – unabhängig von fairer Entlohnung – in Krankenhäusern, dass besser organisierte Schichtdienste hinsichtlich Erholungsphasen und Schlaf zu einer Besserung der medizinischen Betreuung führen und zu weniger Fehlern. Zudem konnte für LKW-Fahrer nachgewiesen werden, dass ‚besserer‘ Schlaf die Fahrsicherheit erhöht.“ Im Umkehrschluss bedeutet das: Wer zu wenig schläft, weil er sich ungerecht bezahlt fühlt, macht mehr Fehler und ist weniger leistungsfähig.

Wissen, was die eigene Arbeitsleistung wert ist

Damit Sie selbst einschätzen können, ob Sie gerecht bezahlt werden oder ob Sie eigentlich mehr verdienen müssten, ist es wichtig, dass Sie den Wert Ihrer Arbeit genau kennen.

Ausschlaggebend sind unterschiedliche Faktoren:

  • Ihre Berufserfahrung: Ein Mensch, der bereits seit mehreren Jahren im Berufsleben steht, kann in der Regel mehr Geld erwarten als ein junger, unerfahrener Berufseinsteiger.
  • Ihre Qualifikationen: Haben Sie einen guten Hochschulabschluss oder Ihre Ausbildung in einem bekannten Unternehmen absolviert, steigert dies den Wert Ihrer Arbeitsleistung.
  • Ihre Alleinstellungsmerkmale: Was bringen Sie mit, was andere nicht haben? Haben Sie möglicherweise schon Projekte geleitet? Sind Sie in der Ausbildung tätig? Je mehr Verantwortung Sie tragen, desto mehr Geld dürfen Sie erwarten.

Fühlen Sie sich ungerecht bezahlt, lohnt sich immer auch ein Gehaltsvergleich. Denn Zahlen sprechen bekanntlich für sich. Schauen Sie daher nach seriösen Internetseiten zum Gehaltsvergleich. Dort sind die üblichen Verdienstmöglichkeiten in unterschiedlichen Branchen aufgeführt.

Stellen Sie fest, dass Sie nicht angemessen bezahlt werden, sollten Sie ein Gespräch mit Ihrem Vorgesetzten einfordern. Überlegen Sie sich im Vorfeld, welche Argumente Sie anbringen können, um endlich das Gehalt zu bekommen, welches Ihnen tatsächlich zusteht.

Text: Daniela Lukaßen-Held


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