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Arbeit & Spaß

WM 2018 am Arbeitsplatz: Tipps für Fans (und Fußball-Muffel)

Das wird knifflig: Viele Spiele der Fußball-WM 2018 finden nachmittags statt – zur normalen Arbeitszeit. Darf man dann den Live-Ticker am Computer verfolgen? Die Radioreportage? Oder gar den TV-Stream? Und was machen eigentlich Menschen, die sich nicht für den ganzen Fußballrummel interessieren? Hier gibt es die Antworten.

Gegen Südkorea spielt Deutschland bei der Fußball-WM um 16.00 Uhr, an einem Mittwoch. Für viele Berufstätige ist das Arbeitszeit. Darf ich das Spiel im Büro anschauen? Oder wenigstens Radio hören? Auch wenn es dem Fan-Herz wehtut: nein. Erlaubt ist das nur, wenn der Arbeitgeber es ausdrücklich gestattet, sagt Jürgen Markowski, Fachanwalt für Arbeitsrecht und Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Arbeitsrecht im Deutschen Anwaltverein.

„Ich habe ja einen Arbeitsvertrag unterschrieben – und der verpflichtet mich, auch zu arbeiten.“ Fußball zu schauen, würde davon zu sehr ablenken – auch wenn es nur ein Live-Stream in einem kleinen Fenster auf dem Display ist. Gleiches gilt für Radio-Übertragungen. Und zwar selbst dann, wenn Arbeitnehmer im Job sonst Radio hören dürfen. „Solche Duldungen beziehen sich ja meistens auf Musik, manche können dabei ja wirklich besser arbeiten“, sagt Markowski. „Eine Live-Übertragung ist aber was anderes, dabei kann sich eigentlich niemand mehr auf die Arbeit konzentrieren.“

Ein möglicher Ausweg ist der Live-Ticker in Textform: Ist das private Surfen auf der Arbeit sonst erlaubt, spricht vermutlich nichts gegen den gelegentlichen Klick auf „Aktualisieren“ – wenn es die Arbeitsleistung nicht beeinträchtigt.

Und natürlich kann das WM-Gucken auch ausdrücklich erlaubt sein, per Rundmail vom Chef etwa. Manche Arbeitgeber stellen für die großen Spiele vielleicht sogar einen Fernseher oder einen Beamer auf. Dann können sie allerdings auch verlangen, dass Mitarbeiter die 90 Minuten nacharbeiten oder dafür zum Beispiel Guthaben vom Arbeitszeitkonto verbrauchen. „Das ist dann auch ein Fall für den Betriebsrat„, sagt Markowski. „Im Idealfall kann der sogar auf den Arbeitgeber zugehen und so eine Regelung vorschlagen.“

Und dann soll es ja Menschen geben, die sich tatsächlich (und vollkommen legitim) für all diese WM-Aufregung so gar nicht interessieren. Das kann für sie aber in einem fußballverrückten Büro schon nervig werden. Darum sind hier unsere…

Überlebenstipps für WM-Muffel

Das unfassbare Tor aus der zweiten Halbzeit. Der furchtbare Schiedsrichter im Abendspiel. Und wie sind die deutschen Chancen im Viertelfinale? Für Fußball-Fans ist die WM auch ein Festival der Fachsimpelei – für deren Kollegen aber oft eher eine Tortur. Die Plauderei mit den Kollegen gehört für viele Berufstätige zu den angenehmeren Seiten der Arbeit. Bitter nur, wenn der Small Talk plötzlich ganz unter dem Zeichen des Fußballs steht, der Weltmeisterschaft in Russland sei Dank – und man selbst so gar nichts damit anfangen kann.

Was also tun? Augen rollen, Thema wechseln, mürrisch schweigen? Eher nicht. „Ideal wäre natürlich, wenn bei der Arbeit nur über das gesprochen würde, was mich interessiert“, sagt Business-Coach Carolin Lüdemann. „Aber man kann es sich halt nicht immer aussuchen.“

Die Konsequenz heißt deshalb: Mitschwimmen, so gut es geht. „Man muss ja nicht gleich so tun, als würde man überall mitreden können – man kann auch einfach viel nachfragen“, sagt Lüdemann. Oft ist das sogar die beste Strategie. Denn Menschen reden am liebsten über sich und über das, was sie interessiert. „Und wir wissen aus Studien, dass Menschen Gesprächspartner als sympathisch wahrnehmen, wenn die sie über ihre Lieblingsthemen reden lassen“, so die Expertin.

Wer Fans also einfach mal erzählen lässt und sie gelegentlich mit einem „Ach was?“ anfeuert, führt vielleicht nicht das spannendste Gespräch aller Zeiten – sammelt aber immerhin Sympathiepunkte. Und das ist immer noch besser, als sich den Ruf der Spaßbremse einzufangen. „Man kann natürlich versuchen, zum Beispiel über die Rahmenbedingungen von so einem Turnier zu reden“, sagt Lüdemann. „Aber oft geht das dann ja ins Negative, und Small Talk soll ja eigentlich immer in einem positiven Kontext stattfinden.“

Das gilt zumindest für die klassische Small-Talk-Situation – also den Dialog mit Kollegen oder Kunden, die man nicht so gut kennt. Hier sollten sich Fußball-Muffel mit lauten Unmutsbekundungen eher zurückhalten. Kollegen, die man besser und länger kennt und vielleicht sogar Freunde nennt, darf man aber auch mal um einen Themenwechsel bitten. „Da ist es natürlich auch okay, zu sagen: „Leute, wir sprechen jetzt seit Tagen über nichts anderes…“ – das kann man dann ja sogar etwas lustig verpacken„, rät Lüdemann.

Denn gerade in diesem Kontext ist es auch unhöflich, wenn Fußball-Fans tagelang über nichts anderes als die WM reden – und den Dritten oder Vierten in der Runde so ausschließen. Da ist deshalb Rücksichtnahme von allen Seiten gefragt – Halbfinale hin, Halbfinale her.


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