Arbeitsplatz Deutschland

Scheitern nicht erlaubt: Deutsche haben Angst vor Fehlern im Job

Eine „Kultur des Scheiterns“ kann in Unternehmen entscheidend dazu beitragen, mehr Mut zu Experimenten und damit auch zu mehr Innovationen zu fördern. Arbeitnehmer sollen dabei keine Angst haben, Fehler zu machen, beteuern Chefs und Führungskräfte gerne. Doch die Wirklichkeit sieht leider noch anders aus, wie eine aktuelle Studie belegt. 

Die überwältigende Mehrheit der deutschen Arbeitnehmer wünscht sich mehr Rückenstärkung und Fehlertoleranz, wenn sie an Innovationen arbeitet. Doch die Realität zeigt: Scheitern ist in deutschen Unternehmen immer noch keine Option. Rund die Hälfte der Arbeitnehmer befürchtet bei Misserfolgen negative Konsequenzen: Verlust der Anerkennung von Kollegen und Vorgesetzten oder negative Auswirkungen auf die Karriere.

Das belegt die vierte So arbeitet Deutschland-Trendstudie der renommierten Personalberatung SThree, deren Ergebnisse XING Spielraum vorab vorliegen. Befragt wurden dabei über 1.000 Angestellte, Freelancer, Berufseinsteiger, Fach- und Führungskräfte.  Ihre Antworten zeigen, wie weit verbreitet die Angst vor Fehlern in deutschen Unternehmen noch immer ist. So antworteten 45 Prozent aller Befragten auf die Frage „Dürfen Sie bei Ihren Unternehmen / Auftraggeber guten Gewissens scheitern, wenn Sie Neues ausprobieren?“ mit „Nein“.  40 Prozent fürchtet, bei Folgeprojekten oder neuen Aufträgen nicht mehr berücksichtig zu werden.  Und die erschreckende hohe Zahl von 31 Prozent muss nach eigenen Angaben sogar mit disziplinarischen Folgen wie etwa gekürzten Boni oder Sonderleistungen rechnen.

Personalexperte Luuk Houtepen:

Personalexperte Houtepen: „Die Angst vor Gesichtsverlust ist in Deutschland noch stark verankert.“ (©Foto: SThreee)

„Während Gründer und Unternehmer in den USA ihr Scheitern auf sogenannten Failure Nights regelrecht zelebrieren, wirft man in Deutschland über Misserfolge den Mantel des Schweigens. Was in Deutschland fehlt ist der Mut, offen über Scheitern zu sprechen und an Misserfolgen zu wachsen“, fasst Luuk Houtepen, Director Business Development bei SThree, die Ergebnisse der Studie zusammen. „Die Angst vor Gesichtsverlust ist in Deutschland noch stark verankert. Wir müssen lernen, Fehler zuzulassen, um aus Ihnen zu lernen. Nur so entsteht Innovation“, so Houtepen weiter: „Dass ein positiver Umgang mit gescheiterten Projekten gerade im Innovationsprozess wichtig ist, zeigen zahlreiche Erfolgsbeispiele aus den USA und europäischen Nachbarländern“

Denn die Furcht vor dem Scheitern hat auch Folgen für die Unternehmen selbst. Denn sie schwächt das Innovationspotenzial deutscher Unternehmen, davon sind die deutschen überzeugt: In der Studie gaben 81 Prozent der Arbeitnehmer und Freelancer in Deutschland an, ihren Arbeit- bzw. Auftraggeber als nicht innovativ genug zu empfinden, sie würden deshalb lieber bei anderen Unternehmen arbeiten. Bei einem Drittel der Befragten werden innovative Vorschläge zwar gehört, aber kaum umgesetzt. Maßnahmen zur Förderung von Ideen vermissen 39 Prozent sogar gänzlich. „Innovation ist gerade in Zeiten kurzer Produktlebenszyklen und steigenden Wettbewerbsdrucks entscheidend für Unternehmen, um mit neuen Markt- und Kundenanforderungen Schritt zu halten“, so Houtepen. „Das Know-how jedes Einzelnen spielt hier eine große Rolle – und muss gefördert und gehört werden.“

Immerhin: Weiterbildung ist auch für 98 Prozent der Befragten wichtig oder sogar sehr wichtig. Und Deutschland scheint hier bereits auf einem guten Weg zu sein. Insgesamt 59 Prozent gaben an, dass ihr Arbeit- bzw. Auftraggeber mit Workshops, Seminaren und Co. kontinuierliche persönliche Weiterbildung fördert.

 

Info: Die Trendstudie „So arbeitet Deutschland“ ist eine regelmäßige Untersuchung der Personalberatung SThree. Sie betrachtet die Wunscharbeitswelt deutscher Arbeitnehmer und Freelancer und vergleicht diese mit deren Wirklichkeit. Regelmäßig Updates dazu sowie ein Whitepaper finden Sie auch unter so-arbeitet-deutschland.com sowie auf dem Instagram Account So_arbeitet_Deutschland.


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