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New Work in der Praxis: Kreative Lösungen aus dem "Pop-up Office"

Was passiert, wenn man Selbstständige und Angestellte aus ganz unterschiedlichen Branchen und Unternehmen gemeinsam über die Neugestaltung unserer Arbeitswelt nachdenken lässt? Ein spannendes „Pop-up-Office“-Experiment in Hamburg kam zu erstaunlichen Resultaten.

"Pop-up-Office"-Experiment in Hamburg

„Pop-up-Office“-Experiment in Hamburg: „Gelernt, die Gewohnheitsbrille abzunehmen“ (©alle Fotos: Selim Sudheimer)

Die breite Fensterfront in der Hamburger Grindelallee 129 gibt den Blick frei auf einen leeren, gut 100 Quadratmeter großen Raum. Kaum vorstellbar, dass hier noch vor wenigen Tagen ein intensiver Arbeitsprozess stattgefunden hat: 15 Selbstständige und Angestellte – vom Freelance Designer bis zum Personalverantwortlichen eines Großkonzerns – haben fünf Tage nach den methodischen Grundzügen eines „Culture Sprints“ neue Ansätze entwickelt, wie Kulturwandel innerhalb von und in Zusammenarbeit mit Unternehmen gestaltet werden kann. Bunte Post-its, Mindmaps und Plakate zierten die Wände, phantasievolle Prototypen und Bildergalerien verwandelten den Raum in eine farbenfrohe Ausstellungsfläche.

Gemeinsam an die Wurzeln der Probleme

So schnell wie das „Pop-up Office“ Anfang April wortwörtlich in der Grindelallee aus dem Nichts auftauchte, ist es nun, Anfang Mai, wieder verschwunden. In den ersten drei Durchläufen des Formats der Hamburg Kreativ Gesellschaft, einer städtischen Fördereinrichtung für die lokale Kreativwirtschaft, haben Woche für Woche Freiberufliche und Mitarbeiter/innen aus so unterschiedlichen Unternehmen wie der Otto Group, Lufthansa Technik, fischerAppelt oder Jung von Matt gemeinsame Herausforderungen in ihrem Arbeitsalltag identifiziert, sich in einem „Deep Dive“ an die Wurzeln der Probleme getastet und in einem Design Studio konkrete Lösungen in Prototypen übersetzt. Insgesamt 16 verschiedene Kreativitätstechniken kamen dabei zum Einsatz.

„Die Teilnehmenden nehmen die Erfahrungen mit in ihren Berufsalltag, um dort Herausforderungen rund um Hierarchiestufen, Wissensmanagement oder Raumkonzepte anzugehen“, erläutert Jenny Kornmacher, Projektleiterin bei der Hamburg Kreativ Gesellschaft. Es sei kein Zufall, dass in jeder Woche Mitarbeiter/innen aus großen Organisationsformen sowie Selbstständige aus klassischen kreativen Feldern wie dem Design oder der Architektur in einem ausgewogenen Verhältnis vertreten waren: „Mit ihren eigenen Arbeitskulturen können Kreative einen besonderen Input zum Kulturwandel leisten. Aus dieser Überlegung heraus haben wir die Teams gematcht“, erläutert die Projektleiterin.

Das kann Rebecca Weih, Teilnehmerin des „Pop-up Office“ aus dem HR-Bereich Recruiting und Employer Branding der Witt-Gruppe, einer Otto-Tochter, bestätigen: „Von Designer/innen habe ich gelernt, die Gewohnheitsbrille abzunehmen und mit einer offenen Perspektive an Fragestellungen heranzugehen.“ Zudem sei sie überrascht gewesen, wie produktiv sich die Arbeit in interdisziplinären Teams gestalte.

Neue Innovationspotentiale erschließen

Das „Pop-up Office“ ist eines von vielen Formaten, das die Kreativ Gesellschaft im Rahmen eines EU-geförderten Projektes, dem „Cross Innovation Hub“, umsetzt. Ziel des Projektes ist es, kreative und andere Branchen zum Austausch anzuregen und dabei neue Innovationspotentiale zu erschließen. Dazu zählen u.a. auch Hackathons, Barcamps oder Start-up Days. Im Herbst startet ein Accelerator-Programm, das sich gezielt an Gründerteams mit interdisziplinärer Zusammensetzung richtet.

Kreative wie Designer/innen, Musiker/innen oder Architekt/innen sind dabei nicht nur Türöffner für neue Lösungsansätze, sondern auch klare Profiteure des Projektes: „Als Architekt bin ich bisher kaum mit kreativen Techniken wie Design Studio, Context Map oder Campfire in Berührung gekommen“, sagt Philipp Schürmann, Teilnehmer und Mitinitiator des „Pop-up Office“. Im Sommer 2017 war er mit seiner Idee, einen gemeinsamen Arbeitsraum für Vordenker/innen aus unterschiedlichen Branchen zu schaffen, an die Kreativ Gesellschaft herangetreten. Gut neun Monate später nimmt er „einen ganzen Koffer nützlicher Werkzeuge“ aus der Arbeitswoche mit in seinen Berufsalltag.

Auch, wenn das „Pop-up Office“ vorerst aus der Grindelallee verschwunden ist –gut möglich, dass es hier oder auch an anderer Stelle in naher Zukunft wieder auftaucht. Viel wichtiger als die räumliche Sichtbarkeit sind den Veranstaltern ohnehin die Spuren in den Köpfen der Teilnehmenden – ein geöffnetes Mindset für die Arbeitskulturen und Lösungsansätze anderer Branchen.


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