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Selbstständigkeit & Gründung

Spielraum-Gründerlexikon 2018: Ihr Wegweiser in die Selbständigkeit

Selbständig zu sein, sein eigener Chef zu werden, seine Ideen umzusetzen – viele Menschen träumen von einer Existenzgründung. Ob Solopreneur, Freiberufler oder Startup-Chef – mit unserem Spielraum-Gründerlexikon 2018 erfahren Sie, wie Sie ihr eigenes Business Schritt für Schritt aufbauen können.

Der erfolgreiche Unternehmer Justin Mateen fasste den Antrieb eines Entrepreneurs einst so zusammen: “Eine Idee ist nur eine Idee. Wann und wie du sie angehst, bestimmt, was daraus wird.” Wer im Jahr 2018 eine Idee angehen möchte, findet in der deutschen Gründerszene zahlreiche erfolgreiche Vorbilder – und damit auch jede Menge Konkurrenz. Umso wichtiger, den Traum vom eigenen Unternehmen auf solidem Grundwissen aufzubauen. Von Social Media über Finanzierung bis hin zu Weiterbildungen: Wir liefern das ultimative Gründerlexikon – inklusive wichtiger Tipps und weiterführender Links. Auf geht’s in Ihr Business-Abenteuer!

A wie Angst

Der Sprung vom festen Job in die Selbstständigkeit wird möglicherweise das Beängstigendste sein, was Sie je erleben werden. Schließlich wirft die Entscheidung für den Start in ein eigenes Businessleben mehr Fragen als Antworten auf – und kaum jemand aus dem eigenen Umfeld kann die folgenden Fragen auf Anhieb beantworten – auch, weil diese sich häufig eben nicht um klar umrissene Hard Facts wie die Finanzierung drehen:

  • Wann sollte ich anfangen?
  • Was, wenn meine Idee schlecht ist?
  • XY ist mit einer ähnlichen Idee baden gegangen – was, wenn mir das auch passiert?
  • Was, wenn ich mich übernehme und tatsächlich scheitere?

Was können Sie tun, wenn Sie die Angst vor der beruflichen Selbstständigkeit davon abhält, ein eigenes Business zu gründen? Die Lösung für diesen ersten Punkt ist ziemlich geradlinig: Nehmen Sie Ihre Ängste an – und setzen Sie sich in aller Ruhe mit ihnen auseinander.

Sorgen Sie sich etwa darum, dass Ihre Idee nicht gut genug sein könnte? Woran könnte das liegen? Analysieren Sie Ihre Mitbewerber und vergleichen Sie deren Geschäftsidee, Umsetzung und Kundenkreis mit Ihren eigenen. Sammeln Sie Erkenntnisse über die Branche, in der Sie aktiv werden wollen, und stellen Sie diese Ihren eigenen Kenntnissen gegenüber: Welche Fähigkeiten bringen Sie mit, die Ihnen dabei helfen können, am Markt zu bestehen? Und welche sollten Sie sich längerfristig aneignen?

Die Formel ist also ziemlich einfach: Je klarer Sie sich über die Kennzahlen Ihres künftigen Business’ und Ihres eigenen Könnens sind, umso kleiner wird die Ungewissheit – und Sie können sich im nächsten Schritt mit den Hard Facts Ihrer Unternehmensgründung beschäftigen.

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B wie Businessplan

Wer die Angst vorm Gründen überwunden hat, sollte seine Geschäftsidee samt Finanzierungsplan, anvisiertem Markt und Wettbewerberanalyse in einem Businessplan festhalten. So können Sie nicht nur einzelne Kapitalausgaben und Kosten identifizieren, sondern auch eine Preisstruktur für jene Produkte und/oder Dienstleistungen festlegen, die Sie anbieten möchten.

Ihr Businessplan liefert dabei nicht nur Ihnen selbst einen guten und detaillierten Überblick über Ihr Business und dessen Durchführbarkeit. Wenn Sie mit Partnern oder Investoren zusammenarbeiten, wird Ihr Businessplan diesen als Anhaltspunkt für die Erfolgsaussichten Ihres Business’ dienen. Genaue Informationen rund um Ihren Businessplan finden Sie beispielsweise auf der Seite des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie.

Wie umfangreich Ihr Businessplan sein sollte, hängt von Ihrer Geschäftsidee ab. Anbei eine mögliche Gliederung, die die wichtigsten Punkte Ihres Businessplans umfasst:

  1. Zusammenfassung inklusive Geschäftsidee, Erfolgs- und Risikofaktoren sowie Zielen
  2. Gründerpersonen inklusive Berufserfahrungen, Branchenkenntnissen und Defiziten
  3. Geschäftsidee inklusive Alleinstellungsmerkmal, Unternehmenszielen und Voraussetzungen
  4. Markt und Wettbewerb inklusive Kunden, Konkurrenz und Standortanalyse
  5. Marketing inklusive Angebot, Preis, Vertrieb und Werbung
  6. Organisation inklusive Unternehmensorganigramm und Mitarbeiter
  7. Rechtsform inklusive Gründen hierfür und Gesellschafterstruktur
  8. Risiken und Chancen inklusive SWOT-Analyse
  9. Finanzplan inklusive Kapitalbedarf, Sicherheiten, Liquiditätsplan und Ertragsvorschau
  10. Unterlagen inklusive Lebenslauf, Verträgen, ggf. Gutachten und Nachweis über Schutzrechte

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B wie Büro

Diskussion um das Homeoffice

Ein Homeoffice bietet gerade für Selbstständige viele Vorteile (©Foto:
Westend61 / Getty Images)

Zu Beginn Ihres Entrepreneur-Daseins werden Sie sich in den meisten Fällen keine eigenen Büroräume leisten können. In diesem Fall haben Sie mehrere Möglichkeiten: Sie können von zuhause arbeiten. Hier feilen Sie in gewohnter Umgebung an Ihrem Business und können zudem am Leben Ihrer Familie teilnehmen. Darüber hinaus profitieren Sie hier von…

  • niedrigen Kosten,
  • einer flexiblen Zeiteinteilung
  • der Reduzierung Ihres Arbeitsweges

In Ihrem gewohnten Umfeld müssen Sie Ihre Arbeit so strukturieren, dass berufliche und private Angelegenheiten voneinander getrennt bleiben. Das ist vor allem eine Frage des Zeitmanagements. Unsere wichtigsten Tipps:

→ Arbeiten Sie nach Möglichkeit in einem abgetrennten Büroraum

→ Legen Sie die Kernarbeitszeiten in jene Tageszeit, in der Sie allein zuhause sind

→ Legen Sie Meetings auf den Nachmittag, um Ihre Produktivität optimal auszunutzen

Sogenannte Co-Working-Spaces sind eine gute Alternative zum Homeoffice. Sie bieten ideale Strukturen, um ein eigenes Business aufzubauen. Hier arbeiten Sie in moderner Atmosphäre mit unterschiedlichsten Entrepreneuren unter einem Dach – allerdings unabhängig voneinander für unterschiedliche Ziele und Unternehmen. In den gemeinsamen Besprechungsräumen, dem Büro oder der Küche können Sie sich mit den anderen Mietern austauschen und Inspirationen für Ihr eigenes Business sammeln. Je nach Region und Bundesland finden Sie hier unterschiedliche Arten und Zahlen passender Co-Working-Spaces (inklusive entsprechender Nutzungsbedingungen) in Ihrer Umgebung.

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F wie Fempreneur

Laut einem Bericht der bundesweiten Gründerinnenagentur bga lag der Anteil an selbstständigen Frauen in Deutschland 2013 bei über 30 Prozent. Nahezu ein Drittel aller Entrepreneure sind also weiblich, viele von ihnen managen zusätzlich den Alltag ihrer Familien. Diese Doppelbelastung fordert und fördert echte Managementqualitäten. Sie sind eine Frau auf dem Sprung zur Unternehmensgründung? Lassen Sie sich von erfolgreichen Vorreiterinnen inspirieren:

Kamales Lardi, Strategieberaterin, Autorin, Rednerin: „Digitale Technologien und Online Channels bieten viel beschäftigten Unternehmerinnen, die eine Balance zwischen beruflichen und persönlichen Zielen finden wollen, große Vorteile. Arbeitende Mütter haben eine limitierte Zeit um zu netzwerken, sich um Kunden zu kümmern und eine persönliche Marke aufzubauen. Mobile Geräte und Apps, Social Media und andere digitale Plattformen helfen diesen Unternehmerinnen, in Verbindung zu bleiben, die Produktivität zu erhöhen und in weitere Regionen vorzudringen, vorausgesetzt diese Mittel werden richtig eingesetzt.“

Julia Hartz, Co-founder & CEO von Eventbrite: „Baue dir eine Gemeinschaft aus Teammitgliedern, Beratern und Investoren auf, die dich jeden Tag aufs Neue inspirieren, antreiben und unterstützen. Lerne, andere um Hilfe zu bitten. Alle denken, es wäre mutig, alles allein machen zu wollen. Ich finde, es ist viel mutiger, um Hilfe zu bitten, wenn du sie brauchst. Mentoren sind wichtig. Ich glaube, die weiblichen Führungskräfte von heute helfen, eine außerordentliche Generation von Unternehmerinnen zu formen durch ihre Bestärkung und Vorbildfunktion.”

Lisa Chuma, Gründerin & CEO von @TheWomensExpo: „Erzähle deinen Kindern in Form einer Geschichte, die sie verstehen können, warum du manchmal nicht zu Hause bist. Beziehe deine Kinder wenn möglich in dein Business mit ein, so dass sie wissen, dass sie ebenfalls zu dieser Geschichte gehören, selbst dann, wenn du nicht bei ihnen bist.“

Weitere Informationen finden Sie in der 99designs-Infografik rund um Mama-Unternehmerinnen:

Quelle: obicatlia via 99designs

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F wie Finanzierung

Wer ein eigenes Unternehmen gründet, benötigt Kapital. Das bedeutet jedoch nicht, dass Sie automatisch externe Gelder einholen müssen. Berühmte Beispiele wie etwa Mailchimp oder Freeletics sind via Bootstrapping, also Selbstfinanzierung, groß geworden. Als Gründer stehen Sie letztlich vor einer Entscheidung: Wollen Sie die volle Kontrolle (ohne Investoren) behalten oder schnell schwarze Zahlen schreiben (mit Investoren)?

Je nach Branche, Zukunftsvision und Charakter stehen Ihnen unterschiedlichste Möglichkeiten zur Verfügung. Ganz wichtig: Machen Sie sich nicht verrückt. Überlegen Sie in Ruhe, ob Sie beispielsweise Investoren ins Boot holen wollen. Inkubatoren und Accelerator bieten europaweit unzählige Fördermöglichkeiten zu unterschiedlichsten Konditionen. Dabei sollten Sie je nach Art und Stadium Ihres Business unterscheiden und auswählen:

  • Accelerator: Diese Einrichtungen bieten eine attraktive Anschubfinanzierung. Zusätzlich dazu helfen sie beim Aufbau personeller wie technischer Infrastrukturen und sorgen mit regelmäßigen Weiterbildungen für das nötige Know-how. Häufig beraten Acceleratoren auch bei PR- und Marketingmaßnahmen oder betreuen diese sogar gänzlich. Eine solch umfassende Förderung ist natürlich nicht umsonst. Für gewöhnlich “bezahlen” Sie als Entrepreneur nach der Aufnahme in den Accelerator in Form von Unternehmensanteilen.
  • Inkubator: Sogenannte Inkubatoren helfen bei der Weiterentwicklung Ihres Geschäftsmodells, bieten Kapital und stellen bei Bedarf auch einen Arbeitsplatz zur Verfügung. Anders als Accelerator sind sie allerdings nicht auf rasantes Wachstum ausgelegt. Die Aufnahme in einen Inkubator (engl. Brutkasten) bietet also eine langfristige Unterstützung. Darüber hinaus werden häufig keine Unternehmensanteile fällig.

Eine Auflistung der wichtigsten Accelerator und Inkubatoren finden Sie hier. Im Zweifelsfall können Sie sich auch an eine der deutschlandweiten Beratungsstellen für Gründer wie etwa das Business Location Center in Berlin wenden.

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G wie Gewerbeanmeldung

Als Entrepreneur arbeiten Sie buchstäblich auf eigene Rechnung. Informieren Sie sich also rechtzeitig darüber, wie Sie Ihre Leistungen gesetzkonform abrechnen können. Das beginnt bereits beim berühmt-berüchtigten Gewerbeschein: In vielen Branchen brauchen Sie diesen gar nicht, um sich selbstständig zu machen. Sie sollten sich vor Ihrer Unternehmensgründung in jedem Fall mit folgenden Dingen auseinandersetzen:

  • Was ist ein Gewerbe?

Als Gewerbe bezeichnet man erstmal jede Tätigkeit, die…

  • auf Dauer ausgerichtet ist
  • auf eigene Verantwortung und Rechnung sowie
  • mit der Absicht betrieben wird, Gewinn zu erzielen (hierbei spielt es keine Rolle, ob Sie in der Realität tatsächlich immer Gewinn erzielen).

Diese Kriterien treffen zunächst mal auf alle Geschäftsleute zu. Ohne Zweifel gewerblich sind Handwerker, Produktionsbetriebe und Händler sowie Makler, andere Vermittler und alle Kapitalgesellschaften sowie ein Großteil aller Personengesellschaften.

  • Welche Berufe gehören zu den Freiberuflern?

In § 6 der sogenannten Gewerbeordnung findet sich eine Liste selbstständiger Tätigkeiten, die ausdrücklich nicht gewerblich sind. Diese Liste deckt sich größtenteils mit den sogenannten Freiberufler-”Katalogberufen” aus § 18 Einkommensteuergesetz (EStG). Dieses umfasst allerdings mehr und differenziertere Berufe. Im Allgemeinen gilt: Weil der Gewerbestatus insbesondere (gewerbe-)steuerliche Auswirkungen hat, entscheidet häufig das Einkommenssteuerrecht über Ihren Status als Freiberufler oder Gewerbetreibender.

Als Freiberufler gelten folgende Berufe:

  • Apotheker
  • Rechtsanwälte und Notare
  • alle Heilberufe
  • Erzieher und Lehrer
  • Journalisten und Bildberichterstatter
  • Steuerberater und Wirtschaftsprüfer
  • Dolmetscher und Übersetzer
  • Handelschemiker
  • Architekten und Ingenieure
  • Versicherungsunternehmen sowie Seelotsen
  • Beratende Volks- und Betriebswirte
  • Alle selbstständig ausgeübten wissenschaftlichen, schriftstellerischen und künstlerischen Tätigkeiten

Falls Ihre Tätigkeit nicht in der oberen Aufzählung oder in den Freiberufler-”Katalogberufen” zu finden sind, sollten Sie klären, ob es sich bei Ihrer Tätigkeit um eine handelt, die der eines Freiberuflers ähnelt. In diesem Fall setzt das Steuerrecht voraus, dass Sie “auf Grund eigener Fachkenntnisse leitend und eigenverantwortlich tätig” sind. Eine gute Anlaufstelle hierfür ist darüber hinaus auch Ihr Steuerberater oder eine Beratungsstelle für Steuerrecht.

  • Brauchen Sie einen Gewerbeschein?

Die Beantwortung dieser Frage ist davon abhängig, ob Sie ein Gewerbe betreiben oder sich als sogenannter Freiberufler selbstständig machen wollen (Diese Frage können Sie in den oberen Abschnitten klären). Als Gewerbetreibender benötigen Sie einen Gewerbeschein sowie die Mitgliedschaft in der Industrie-, Handels- oder Handwerkskammer. Auch einige freie Berufe sind “verkammert”, allerdings genießt der Großteil der Freiberufler und nichtgewerblichen Selbstständigen einige Privilegien.  Mit einem Gewerbeschein in der Tasche müssen Sie außerdem…

  • Gewerbesteuer zahlen,
  • unterliegen der Gewerbeaufsicht,
  • oft einen größeren Buchführungsaufwand betreiben,
  • sich möglicherweise ins Handelsregister eintragen lassen

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I wie Ideenklau

Konkurrenz belebt das Geschäft. Wird Ihre Geschäftsidee oder Ihr Branding allerdings geklaut, können Konkurrenten zu einer echten Gefahr für Ihre Existenz werden. Darüber hinaus können Sie als Unternehmer auch selbst eine Unterlassungsklage auslösen, wenn Sie verdächtigt werden, Leistungen, Produkte oder Ideen abgekupfert zu haben. In beiden Fällen können Ihnen die folgenden Tipps einigen Ärger ersparen:

  • Informieren Sie sich über Ihre Rechte und Pflichten

Die sogenannte Nachahmungsfreiheit erlaubt es, Leistungen und Produkte zu kopieren, sofern diese nicht “sonderrechtlich” abgesichert sind. Bloße Konzepte unterliegen keinem besonderen Schutz, die tatsächliche Umsetzung von Ideen und Konzepten kann hingegen sehr wohl geschützt werden. Im gewerblichen Rechtsschutz enthalten sind Patent-, Wettbewerbs-, Urheber- und Marken- sowie Designrechte. Diese Regelvielfalt müssen Sie als Laie natürlich nicht vollständig verstehen. Machen Sie sich stattdessen mit den wichtigsten Eckpunkten vertraut und greifen Sie bei Fragen auf den zweiten Tipp zurück.

  • Wenden Sie sich an einen professionellen Rechtsberater

Spezialisierte Juristen sind die richtige Anlaufstelle für Ihre Fragen rund um die Entstehung, Lizenzierung, Durchsetzung und Verteidigung sogenannter Schutzrechte. Informieren Sie sich daher umfassend, bevor Sie einen Anwalt mit Ihrem Fall beauftragen. Kleiner aber wichtiger Tipp: Als Unternehmer sind Sie mit dieser Hürde nicht allein. Bitten Sie befreundete Unternehmer um Tipps oder fragen Sie in spezialisierten Online-Communities um Rat.

  • Überstürzen Sie nichts

Auch ohne die Eintragung in das Register eines Patent- und Markenamts erlangen Sie durch die Benutzung Ihrer Marke das Markenrecht. Sie müssen Ihr Startup und damit Ihre Marke also nicht unmittelbar nach der Gründung beim Markenamt anmelden. Durch die Eintragung könnten nämlich auch Mitbewerber auf Ihr Business aufmerksam werden. In der “Probezeit” Ihres Business’ lohnt es sich also, unter dem Markenradar zu fliegen und das eigene Unternehmen zunächst auf Herz und Nieren zu testen.

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M wie Markenbekanntheit

Quelle: Blackbirds™ via 99designs

Das beste Produkt und die sinnvollste Dienstleistung sind nichts wert ohne Markenbekanntheit. Nur so können sich Ihre Konsumenten ein klares Bild Ihrer Marke machen und (im Idealfall positive) Assoziationen mit ihr verknüpfen. Je teurer Ihre Produkte und/oder Dienstleistungen sind, umso wichtiger ist die Markenbekanntheit – sie rechtfertigt die Kosten und stärkt das Vertrauen in Ihre Marke. Darüber hinaus macht es eine anerkannte Marke natürlich auch deutlich leichter, künftig Top-Talente anzuwerben und sich klar von Mitbewerbern abzugrenzen. All das können Sie bereits in der Startphase Ihres Unternehmens unterstützen:

  1. Wählen Sie das passende Corporate Design:

Logo, Website-Design, Visitenkarten etc. sollten einheitlich gestaltet werden, um Ihre Marke kanalübergreifend präsentieren zu können.

  1. Erzählen Sie eine gute Geschichte:

Nutzen Sie jede Interaktion mit Kunden, Investoren und Medien, um einen positiven Eindruck zu hinterlassen. Dabei sollten Sie nicht einfach nur Ihre Produkte vorführen, sondern Geschichten erzählen, die zu Ihrem Unternehmen passen.

  1. Interagieren Sie mit Ihrem Publikum:

Die Interaktion mit Kunden, Investoren und Medien ist keine Einbahnstraße. Das gilt insbesondere für das aktuelle Social-Media-Zeitalter: Trauen Sie sich, bei Online-Kommentare, Emails und direkten Treffen Profil zu zeigen und bei Bedarf auch Ihre eigene Meinung zu vertreten. Nur so werden Sie sich von der Konkurrenz absetzen und in den Augen Ihres Publikums ein Profil erhalten.

  1. Beziehen Sie Stellung:

Spezifische Werte positionieren Ihre Marke und heben sie so für Ihre Kunden von der Konkurrenz ab. Bestes Beispiel: Ben & Jerry’s. Seit mehr als 30 Jahren macht die Eismarke politische Aussagen mit Hilfe seiner Eiskreationen – und hat sich in dieser Zeit zum weltweit drittgrößten Anbieter für Speiseeis gemausert.

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N wie Networking

Vorbilder wie Apple-Gründer Steve Jobs oder Richard Branson scheinen es vorzumachen: Ganz nach oben kommt, wer sich gegen alle Widerstände mit einer einzigartigen Idee durchsetzt. Die Realität eines Entrepreneurs sieht allerdings häufig anders aus. In kaum einer Branche werden Sie hohe Umsätze generieren und Kunden gewinnen können, ohne sich mit den passenden Partnern zusammenzutun. Haben Sie keine Angst vor persönlichen Treffen mit vermeintlichen Konkurrenten oder Vorreitern Ihrer Branche – häufig ergibt sich gerade aus diesen Begegnungen ein inspirierender Meinungsaustausch.

Allein in deutschen Großstädten gibt es unzählige sogenannte Meetups, auf denen sich potenzielle Weggefährten treffen und langfristige Partnerschaften knüpfen können. Darüber hinaus können Sie natürlich auch via E-Mail, Telefon oder Social Media mit interessanten Business-Persönlichkeiten in Kontakt kommen. Als größte Stadt der Bundesrepublik lassen wir an dieser Stelle Berlin den Vortritt und präsentieren unsere Top 5 der interessantesten Meetups in der Hauptstadt:

FridayatSix: Hier lauschen Sie den Vorträgen bekannter CEOs und profitieren von Peer-to-Peer-Learnings. Das Meetup findet seit zwei Jahren an wechselnden Standorten in Berlin statt.

me: Hier können Sie einmal pro Monat Entrepreneure und Startup-Gründer in besonderem Ambiente treffen: Jeder Speaker hat gerade mal 12 Minuten Zeit, um seinen jeweiligen Vortrag zu präsentieren.

Women Who Code: Hier treffen Entrepreneure und Entrepreneurinnen auf eine weltweit agierende Non-Profit-Organisation, die neben Hack-Events auch Workshops anbieten, auf denen Sie InvestorInnen treffen oder Ihre Karriere optimieren können.

Jelly – Berlin Coworking Club: Dieses Meetup dreht sich um die aktive Zusammenarbeit unterschiedlicher Entrepreneure. Gemeinsam mit anderen Unternehmern treffen Sie sich wöchentlich in unterschiedlichen Cafés, um einfach mal an einem anderen Ort zu arbeiten und sich zu vernetzen.

G-Force: Insbesondere zu Beginn Ihrer selbstständigen Karriere machen Sie Fehler. Das wissen insbesondere erfahrene Entrepreneure, die denselben Weg bereits lange vor Ihnen gegangen sind. Sie prüfen Ihre Geschäftsidee bei diesem regelmäßigen Meetup auf Herz und Nieren.

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O wie Outsourcing

Administration, Buchhaltung und Vertrieb: Als Entrepreneur kümmern Sie sich in der Anfangsphase Ihres Unternehmens zwangsläufig um unterschiedlichste Unternehmensbereiche. Allerdings werden Sie nicht jeden dieser Bereiche gleich gut betreuen können. Dafür sorgen Ihre persönlichen Präferenzen und Fähigkeiten – und das ist vollkommen normal und in Ordnung. Mit den passenden Tools und Dienstleistungen im Rücken können Sie persönliche Schwachstellen flexibel und kostengünstig ausgleichen. Hier kommt unsere persönliche Favoritenliste mit den besten Anlaufstellen für die Bereiche Buchhaltung, Vertrieb und Marketing:

  • Buchhaltung und Steuern

Dieser Bereich ist zweifellos einer der anspruchsvollsten einer Unternehmensgründung. Umso wichtiger, dass Sie sich genau überlegen, ob Sie diesem Part Ihres Unternehmertums selbst gewachsen sind. Wenn dem nicht so ist, können Sie finanzielle Unternehmensaufgaben wie Buchhaltung, Ausgabenerfassung und Kategorisierung, Inkasso und Steuervorbereitung sowie Archivierung, Rechnungsstellung und Verbindlichkeiten an einen Buchhalter oder Wirtschaftsprüfer auslagern.

  • Vertrieb

Vertriebspersonal ist wichtig, um den Markt über Ihr Produkt oder Ihren Service aufzuklären. Vertriebspersonal ist jedoch auch teuer – und damit vor allem in der Anfangsphase einer Unternehmensgründung ebenso weit entfernt wie der heiß ersehnte Break Even. Eine mögliche Lösung: Ein Team von externen Affiliate-Vermarktern. Diese erhalten eine Kommission für jeden erfolgreichen Verkauf.

  • Marketing

Marketing ist eine langfristige, aufwendige Investition – und unumgänglich, wenn Sie Ihre Produkte an den Mann oder die Frau bringen wollen. Falls möglich (finanziell, zeitlich etc), sollten Sie eine konsequente Marketingstrategie gleich zu Beginn Ihres Unternehmertums verfolgen. Hierzu gehören folgende Teilbereiche:

  • E-Mail-Marketing: Interagiere Sie mit Ihren Kunden via E-Mail.
  • Suchmaschinenoptimierung (SEO): Kanalisieren Sie organischen Search Traffic auf Ihrer Website.
  • Social Media Marketing: Nutzen Sie soziale Netzwerke, um Beziehungen und Verkäufe auszubauen.
  • Content Marketing: Nutzen Sie hochwertigen Content, um Kunden zu gewinnen.
  • Pay per click (PPC) Marketing: Erreichen Sie relevante Sucher mit Anzeigen in Suchmaschinen.
  • Website und Blog Management: Pflegen Sie aktuelle Informationen auf diesem Kommunikationskanal.
  • Marketing-Automatisierung: Automatisieren Sie Follow-Ups basierend auf Kundenverhalten.
  • Public Relations (PR): Nutzen Sie Erwähnungen in der Presse und Beziehungen zu Influencern, um eine neue Zielgruppe zu erreichen.

Bedenken Sie, dass weder Sie allein noch ein externer Mitarbeiter all diese Bereiche auf einmal übernehmen kann. Versuchen Sie stattdessen, anstehende Marketing-Aufgaben in einzelne Gruppen zu unterteilen und – wenn Sie diese nicht selbst übernehmen können – an einen Experten auszulagern. Darüber hinaus sollten Sie entscheiden, ob für Ihr Business alle der oben genannten Kanäle wichtig sind: Sollten Sie beispielsweise in Social Media Marketing investieren, wenn Ihr Produkt oder Ihre Dienstleistung eine ältere Kundschaft ansprechen soll?

Ob Sie einzelne Aufgaben auslagern sollten, können Sie beispielsweise mit dem folgenden Kriterienkatalog bewerten:

Quelle: 99designs

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S wie Standort

Natürlich müssen Sie Ihr Unternehmen nicht an einen Standort binden. Gerade im Online-Zeitalter können Sie mit einem Laptop von nahezu überall arbeiten. Nichtsdestotrotz gibt es einige deutsche Städte, die besondere Vorteile (und Nachteile) für die Gründung eines Unternehmens bieten:

Berlin:

  • Größte Dichte an nationalem und internationalem Venture Capital
  • Viele erfolgreiche Unternehmen wurden hier gegründet: z.B. Immobilienscout und Zalando
  • Ausgereifte Infrastruktur mit einer großen Zahl unterstützender Institutionen und Co-Working-Spaces
  • Erfolgreiche Serial Entrepreneure, die als Business Angel finanziell unterstützen
  • Internationale Talente sind leicht zu finden
  • Im Vergleich immer noch günstige Lebenshaltungskosten

München:

  • Vielversprechende Talentsuche an Universitäten wie der TUM, LMU und CDTM
  • Erfolgreiche, ehemalige Executives, die als Angel Investoren investieren
  • Nähe zu starker Industrie mit z.B. BMW und Siemens vor Ort

Hamburg:

  • Enge und gut vernetzte Entrepreneur-Community
  • Leichter Zugang zu internationalen Tech-Firmen wie Facebook, Google und Dropbox
  • Zentrale Lage mit guter Anbindung an Berlin und London

Frankfurt:

  • Enge und gut vernetzte Entrepreneur-Community
  • Unmittelbare Nähe zu großen Geldgebern und Banken

Köln, Aachen und Karlsruhe:

  • Eingeschworene, kleine Community und damit auch weniger Ablenkung
  • Vielversprechende Talentsuche an technisch orientierten Universitäten wie z.B. RWTH
  • Weniger Wettbewerb um Mitarbeiter durch andere Startups

Weitere Informationen bietet der deutsche Startup-Monitor 2016 sowie diese Präsentation rund um den Zustand der deutschen Venture-Szene.

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W wie Weiterbildung

Wer gründet, hat vor allem eines: wenig Zeit. Das ist vollkommen normal, wird Sie jedoch auch davon abhalten, Ihren eigenen Horizont regelmäßig bei tagelangen Weiterbildungen zu erweitern. Kein Problem: Nutzen Sie einfach andere Quellen wie etwa Youtube (und hier insbesondere TED Talks) oder Weiterbildungsanbieter wie etwa Lynda.com, um unabhängig von Uhrzeit und Wochentag neues Wissen zu erlangen. Besonders empfehlenswert finden wir:

  • Der Google Business Channel verbindet das Wissen des Google-Konzerns mit dem alltäglichen Leben junger Entrepreneure. Dieser Kanal ist eine gute Quelle für unterschiedlichste Hacks, Ratschläge und Tipps, wie Sie Ihre eigene Reichweite vergrößern und mit Ihrem Business vorankommen können.
  • Gedanken tanken liefert Denkanstöße und interessante Impulse in Form einer kurzweiligen Vortragsreihe. Hier können Sie Ihr Wissen in den Bereichen Kommunikation, Selbstbewusstsein und Motivation schulen und sich inspirieren lassen. Kleiner Tipp: Darüber hinaus bietet der Veranstalter auch die Teilnahme an einer der vielen Rednernächte an.
  • Roberto Blake – Always Be Creating stellt das Mentoring von Entrepreneuren in den Mittelpunkt seines Contents. In seinen täglichen Videos behandelt Kanalinhaber und Unternehmer Roberto Blake die Themen Grafikdesign, Fotografie und Social Media. Ihm geht es vor allem darum, kreative Entrepreneure bei Ihren Online-Präsenzen zu helfen.
  • Sunny Lenarduzzi liefert unterhaltsame Tipps zu Bildung, Videos und Marketing – und darüber hinaus eine unterstützende und warmherzige Community, die sich in den unzähligen Kommentaren unter ihren Videos gegenseitig ermutigt und Tipps gibt.

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Z wie FaZit:

Gründen birgt Risiken. Es braucht eine gute Vorbereitung, um das eigene Unternehmen auf einer soliden Basis aufzubauen. Trotzdem (und gerade deshalb) wollen wir Sie dazu ermutigen, Ihrer eigenen Business-Idee zumindest einen Nachmittag intensiven Nachdenkens einzuräumen. Stellen Sie sich folgende Frage: Sind Sie bereit, ein eigenes Unternehmen zu gründen?

NEIN

Das ist vollkommen in Ordnung. Manchmal braucht es einen frischen Anlauf, um mit einer Geschäftsidee durchzustarten. Setzen Sie sich nicht unter Druck. Nicht jeder erfolgreiche Mensch muss ein eigenes Unternehmen gründen.

JA

Super! Damit haben Sie bereits den ersten und entscheidenden Schritt gemacht. Informieren Sie sich im Folgenden über alle wichtigen Eckpunkte Ihrer Selbstständigkeit – und legen Sie los. Wir glauben an Sie und Ihre Idee!

(Konzeption und Redaktion dieses Gründerlexikons: Vivecca Frank, 99designs)


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