Experimentierräume

Projekt "Experimentierräume": Mutmacher für neue Ideen

Die „Experimentierräume“ sind ein Projekt des Bundesarbeitsministeriums, bei dem Unternehmen und Verwaltung dazu ermutigt werden sollen, neue Wege in Richtung Arbeitswelt der Zukunft zu gehen. Ausgesuchte Beispiele werden wir nun in regelmäßiger Folge auf XING Spielraum veröffentlichen.

Der Wandel der Arbeitswelt, ausgelöst unter anderem durch die voranschreitende Digitalisierung, führt zu einem immer drängenderen Bedarf an neuen Strukturen, Arbeitsmethoden und Qualifikationen. Unternehmen sind mit der Herausforderung konfrontiert, sich diesen Veränderungen anzunehmen und bei der Lösungsfindung den betriebswirtschaftlichen Anforderungen ebenso gerecht zu werden wie den neuen Bedürfnissen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Dabei existiert für die Gestaltung der zukünftigen Arbeitswelt keine Anleitung, die die Unternehmen eins zu eins umsetzen können. Häufig ist stattdessen Mut zum Experimentieren gefragt.

Bei dem Projekt der „Experimentierräume“, das das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) im Juni 2017 gestartet hat, geht es darum, geschützte Räume für und in Unternehmen und Verwaltungen zu schaffen, in denen sie zukunftsfähige Arbeitskonzepte in der betrieblichen Praxis austesten können, um daraus zu lernen. Außerdem fördert das BMAS mit dem Webportal eine wichtige Plattform für Unternehmen zum gegenseitigen Erfahrungsaustausch und Wissenstransfer. Die Initiative ist ein Folgeprozess des Dialogs „Arbeiten 4.0“, den das Ministerium seit Anfang 2015 geführt hat.

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Prozess der Lern- und Experimentierräume

Die Hauptthemen der Experimentierräume sind: flexibles Arbeiten, Wissen und Qualifizierung, Führung und Zusammenarbeit sowie Arbeitsgestaltung und Gesundheit. Dazu gehören insbesondere auch innovative Ansätze im Bereich der Mitarbeiterbeteiligung. Ein zentraler Aspekt für die Experimentierräume ist dabei das Vorgehen als iterativ aufgesetzter Prozess. Für alle gilt: Es dürfen Fehler gemacht werden, Irrtümer auf dem Weg zu einem Lösungsansatz werden als Chance und nicht als Scheitern gewertet.

Warum die Themen Digitalisierung und Arbeit 4.0. so wichtig sind und sich das BMAS in diesem Themenfeld so stark engagiert, beantwortet im Folgenden Thorben Albrecht, Staatssekretär des BMAS.

Staatssekretär Thorben Albrecht, Bundesminsterium für Arbeit und Soziales

Staatssekretär Thorben Albrecht, Bundesminsterium für Arbeit und Soziales

Herr Albrecht, welchen Stellenwert hat für Sie das Thema Zukunft der Arbeit?

Thorben Albrecht: Die Zukunft der Arbeit ist sicher eine der großen Fragen unserer Zeit. Dabei spielt Technologie eine zentrale Rolle, es geht aber auch um demographische und kulturelle Entwicklungen. Mit dem Weißbuch Arbeiten 4.0 haben wir einen analytischen Rahmen abgesteckt und erste Gestaltungsoptionen präsentiert. Die Debatte darüber, wie wir in Zukunft arbeiten werden und vor allem arbeiten wollen, ist aber natürlich nicht abgeschlossen.

Jetzt geht es darum, die eher abstrakten Beschreibungen der digitalen Transformation konkret zu machen: Wie verändern sich Branchen und Berufe? Welche Chancen aber auch Risiken ergeben sich für unterschiedliche Beschäftigtengruppen? Mit welchen neuen Formen der Arbeitsorganisation können wir – im Sinne von Mitarbeitenden und Unternehmen – Arbeit besser gestalten?

Vor welchen Herausforderungen stehen die Unternehmen im Zuge der Digitalisierung?

Albrecht: Da ist natürlich zuerst die Frage nach zukunftsfähigen Geschäftsmodellen. Nur wer den strukturellen Wandel unserer Wirtschaft aktiv angeht, wird langfristig erfolgreich bleiben. Ich glaube aber, dass der digitale Wandel vor allem Fragen der Personalpolitik mit neuer Dringlichkeit stellt. Wie sichere ich nachhaltig die Kompetenzentwicklung meiner Beschäftigten, auch bei im Durchschnitt immer älteren Belegschaften? Wie bringe ich Kundenerwartungen und Beschäftigtenbedürfnisse zusammen? Wie passe ich meine Organisationsstruktur einer dynamischeren Umwelt an? Das sind zentrale Herausforderungen, die bei allem Hype um Blockchain und künstliche Intelligenz in den Fokus gerückt werden müssen. 

Warum sind betriebliche Lern- und Experimentierräume aus Ihrer Sicht so wichtig?

Albrecht: Im Dialogprozess Arbeiten 4.0 ist eines besonders klar geworden: Für eine gelungene Arbeitswelt der Zukunft gibt es keine Blaupause, weder für Unternehmen noch für die Gesellschaft. Es geht eher darum, aus und in der Veränderung zu lernen. Deshalb spreche ich auch von einer lernenden Arbeitspolitik. Dazu gehört, Neues zu wagen und Räume zu schaffen, in denen Unternehmensführungen und Beschäftigte gemeinsam innovative Arbeitskonzepte ausprobieren können.

Wie kann man digitale Technologien nutzen, um die Arbeit zu erleichtern? Welche neuen Arbeitszeitmodelle sind möglich, um den betriebswirtschaftlichen Anforderungen ebenso gerecht zu werden wie den Bedürfnissen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter? Wie kann die Digitalisierung helfen, älteren Beschäftigten oder Kolleginnen und Kollegen mit Behinderungen mehr Teilhabe zu ermöglichen? Es gibt keine pauschalen oder abschließenden Antworten auf diese Fragen.

Was es aber gibt, sind Gestaltungsansätze, die man in geschützten Räumen erproben muss. Dafür braucht es Lern- und Experimentierräume. Drei Dinge sind dabei zentral: die Offenheit gegenüber modernen Technologien, die konsequente Beteiligung der Beschäftigten und eine systematische Evaluation, die einen Transfer in andere Organisationen möglich macht.

Was möchte das BMAS mit dem Projekt „Experimentierräume“ bewirken?

Albrecht: Das Bundesarbeitsministerium möchte Unternehmen – und übrigens auch Verwaltungen – dabei unterstützen, Räume zu schaffen, um sich in die Arbeitswelt der Zukunft vorzutasten. Ziel ist es, für die Unternehmen aber auch die Politik und die Gesellschaft insgesamt Lernerfahrungen zu sammeln. Diese Unterstützung erfolgt auf unterschiedliche Weise. Wir präsentieren spannende betriebliche Experimentierräume auf unserer Website und ermöglichen den Austausch zwischen Unternehmen, zum Beispiel über unseren virtuellen Roundtable.

Wir fördern Experimentierräume zu ausgewählten Fragestellungen und stellen die Ergebnisse auf unserer Website zu Verfügung. Und wir helfen KMUs bei der Bewältigung der digitalen Transformation über unser ESF-Programm „unternehmenswert:Mensch“. Vor allem aber bieten wir mit dem Projekt Experimentierräume eine Plattform, die zum Mitmachen einlädt.


Das BMAS-Projekt Experimentierräume bietet auf seiner Webplattform zahlreiche Praxisbeispiele, Expertenbeiträge und Diskussionen rund um die Veränderungen der Arbeitswelt. Ausgesuchte Beiträge werden wir in den nächsten Wochen regelmäßig auch hier auf XING Spielraum veröffentlichen.

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