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Keine Angst vor der Selbstdarstellung: Warum Personal Branding unerlässlich wird

„Tue Gutes und rede darüber.“ Warum moderne Arbeitnehmer beginnen sollten, ihre Kompetenzen besser zu vermarkten, erklärt Kommunikationsexpertin Marina Zayats in einem Gastbeitrag für XING Spielraum.

Kommunikationsberaterin Marina Zayats

Kommunikationsberaterin Marina Zayats: „Es geht nicht darum, maximale Aufmerksamkeit zu bekommen, nur der Aufmerksamkeit zuliebe.“

„Die Vielfalt der Aufgaben nimmt stetig zu und der Zyklus in dem bestimmte Fähigkeiten gefragt sind, wird immer kürzer.“  So könnte man die Entwicklungen in der Arbeitswelt in aller Kürze beschreiben. Statt seinen einzelnen Fähigkeiten, rückt der MENSCH als Gesamtbild in den Fokus. Dieses Gesamtbild und dessen Wert richtig einzufangen, ist eine Aufgabe von Personal Branding.

Gleichzeitig werden sogenannte „Portfoliokarrieren“ immer mehr zur Norm: Menschen wollen ihre vielfältigen Leidenschaften und Fähigkeiten im Berufsleben verknüpfen und haben somit mehrere Standbeine gleichzeitig. Die verschiedenen Karrierezweige zu einem kohärenten Bild zu vereinen, ist ebenfalls eine Aufgabe von Personal Branding.

Mit inaktiven oder gar nicht existierenden LinkedIn- oder XING-Profilen und inkonsistenten Informationen auf verschiedenen Kanälen lassen viele Menschen wertvolle Chancen verstreichen. Wer die Werkzeuge des Personal Brandings vernachlässigt, offenbart das Fehlen einer Kompetenz, die in der heutigen Arbeitswelt unerlässlich geworden ist.

In einer aktuellen Studie des Frauenhofer-Instituts zum digitalen Wandel der Arbeit, wird Selbstvermarktung als zentraler Bestandteil für die Sicherung der Chancengleichheit durch Arbeit genannt.

Aber was ist Personal Branding genau?

Personal Branding ist ein Prozess, bei dem man seinen Wert klar definiert und diesen an die richtigen Menschen durch geeignete Kanäle kommuniziert. Wo kein Wert ist, ist auch keine Personal Brand! Viele Menschen halten Personal Branding jedoch für eine Art Kompetenzattrappe.

Diese Einstellung ist auch ein kulturelles Phänomen. In Deutschland wird bescheidene Zurückhaltung geschätzt, auch auf Chef-Ebene. Deutschland ist Schlusslicht was die Sichtbarkeit von Vorständen in den sozialen Medien angeht. Dabei übersehen viele die Chancen, die eine authentische Marke ausstrahlt. In den USA wird Personal Branding schon länger von Unternehmen für Ihre Mitarbeiter angeboten. Diese rennen mit dem neuen Werkzeug nicht wie vielleicht befürchtet in Scharen zur Konkurrenz oder machen sich Selbstständig, sondern bringen das Wissen gekonnt ein beim Aufbauen von Netzwerken, die dann auch Wiederum ihrem Arbeitgeber nützen. Mitarbeiter verfassen z.B. Artikel in ihrem Expertenbereich, teilen diese über soziale Netzwerke und machen somit auch auf die Arbeit des Unternehmens aufmerksam. Gelungenes und sehr wirkungsvolles Employer Branding. Wenn man die Mitarbeiter nur lässt – und schult.

Worum geht es also beim Personal Branding?

Es geht nicht darum, maximale Aufmerksamkeit zu bekommen, nur der Aufmerksamkeit zuliebe. Es geht auch nicht nur um Dich: Es geht darum, was Du für andere tun kannst! Welchen Wert bietest Du wem? Ähnlich wie bei einer Unternehmensmarke, schafft die Personal Brand eine Orientierung für andere und somit Erleichterung im überfluteten Alltag. Du gibst ein Wertversprechen und stehst für eine bestimmte Qualität. Das schafft Chancen für Dich und für Deine Zielgruppe.

Im Klartext heißt das: Jeder ist selbst in der Eigenverantwortung! Genau wie ein Unternehmen kontinuierlich die eigene Marke pflegt, solltest auch Du deine persönliche Marke aufbauen und von Zeit zu Zeit anpassen.

Die gute Nachricht: Wir verfügen heute über mehr und effektivere Werkzeuge denn je, um unsere Persönlichkeit und Kompetenz erfolgreich nach außen zu kommunizieren. Die Schlechte: wenn wir unsere Marke nicht aufbauen und steuern, tun das andere für uns – was selten ein einheitliches, zielführendes Bild hervorbringt.

Der Anfang: Orientierung schaffen

Auf Business Events treffe ich immer häufiger Menschen, deren Jobtitel sich hinsichtlich Kreativität zu übertreffen scheinen: Titel wie Client Happiness Manager, Digital Evangelist und Product Wizard sind hier noch die verständlicheren Formen. Leider erreichen sie nicht das, was sie eigentlich sollen: Orientierung schaffen beim Gegenüber und damit potenzielle Chancen einer Zusammenarbeit. Genau wie Start-ups brauchen auch wir als Menschen einen Pitch.

Der Personal Branding Pitch ist eine zwei bis drei Sätze lange verbale Visitenkarte. Diese kannst Du für deine Social Media Profile, Website und auch beim Vorstellen verwenden um eine erste Orientierung zu schaffen. Der Pitch soll folgende Informationen enthalten:

  • Eine möglichst kurze und aussagekräftige Bezeichnung dessen, was Du machst samt dem offiziellen Titel (egal ob vom Arbeitgeber vorgegeben oder selbst gewählt als Selbstständiger)
  • In einem bis zwei Sätzen erklären, welcher Wert sich für wen dahinter verbirgt. Was ist der Outcome, den du für deine Zielgruppe generierst?

Wenn man diesen Pitch einmal verständlich formuliert hat (am besten auch an fachfremden Freunden trainieren), verstehen andere Menschen nicht nur besser, was Du machst, sondern behalten Dich auch besser im Kopf.

Qualität statt Quantität

Die Werkzeuge, um unsere Qualifikationen, Interessen und Persönlichkeit in einem so klaren Profil darzustellen, dass daraus die „Marke Ich“ wird, sind vielfältig. Allerdings muss man nicht überall mitspielen. Für Menschen, die im nicht künstlerischen Bereich unterwegs sind und auch kein Lifestyle-Produkt mit ihrem Start-up vertreiben, empfehle ich die Basics: Xing. Wer Freiberufler ist, sollte sich auch überlegen, eine eigene Website anzulegen. Was Du auf Instagram, Snapchat oder Facebook treibst kann privat bleiben, sollte aber den Informationen auf den Business Netzwerken nicht widersprechen.

Was in die Social Business Netzwerke reingehört:

  • Der aktuelle Titel
  • Dein Personal Branding Pitch
  • Wenn Du als Experte in einem Themengebiet wahrgenommen werden möchtest: Eigene Blogartikel, die kurz und knapp konkrete Tipps oder Informationen geben. Zusätzlich das Teilen von fremden Artikeln, versehen mit ein bis zwei Sätzen eigener Meinung.
  • Die wichtigsten! Stationen Deines Lebenslaufs, die auch noch einen Bezug zu deiner jetzigen und zukünftigen Karriere haben. Auch hier lohnt es sich kurz zu beschreiben, was Du gemacht und erreicht hast statt nur den Titel aufzuführen.
  • Referenzen! Scheue Dich nicht davor, ehemalige oder jetzige Kollegen, Business Kontakte oder Kunden nach einer Referenz zu fragen.

Daneben gibt es natürlich noch eine Reihe anderen Möglichkeiten, wie Expertenbeiträge in Fach- und Onlinemagazinen wie Xing Klartext, Vorträge bei Branchenevents und das Wichtigste: das Aufbauen und Pflegen eines guten Netzwerks in der eigenen Branche und darüber hinaus. Die hier aufgezeigten Tipps bilden jedoch die solide Basis einer eigenen Personal Brand, die von Dir statt von anderen gesteuert wird.

Autoren-Info: Als Kommunikationsberaterin hilft Marina Zayats Unternehmen und Menschen dabei, ihren Wert überzeugend zu verpacken und wirksam an die richtigen Zielgruppen zu kommunizieren.
Daneben ist sie Co-Founder der TEDxWomen Events in Frankfurt und Mitglied der Global Shapers Frankfurt (Organisation des World Economic Forum).


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3 Kommentare

Roland Golla

19.02.2018

Sehr schöner Artikel Danke dafür 😎

Sonja

20.02.2018

Vielen Dank! Guter Artikel!

Slavisa

20.02.2018

Interessant, jedoch sollte man nicht übertreiben. Leistung überzeugt, wenn man beim richtigen Arbeitgeber ist.