Arbeit & Gesundheit

Arbeit nach Feierabend macht krank: So entgehen Sie dem Stress

Menschen, die Berufliches mit nach Hause nehmen, können schlechter entspannen und leiden häufiger unter Erschöpfungszuständen. Abgrenzung vom Job ist daher sehr wichtig. Wir sagen, wie Ihnen das am besten gelingt. 

Noch eben eine E-Mail versenden, kurz die Unterlagen für das Meeting am nächsten Tag sichten oder die Power-Point-Präsentation für den bevorstehenden Termin am heimischen PC fertigstellen: Wer regelmäßig Arbeit mit nach Hause nimmt, wird schneller krank. Das haben Wissenschaftler der Universität Zürich herausgefunden. Die Psychologen befragten dafür fast 2.000 Beschäftigte aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.  Und sie kamen zu dem Ergebnis, dass Menschen, die Arbeit mit nach Hause nehmen, wesentlich schlechter entspannen und sich erholen können.

Die eigenen Belastungsgrenzen kennen

Damit Ihnen neben der Arbeit noch Zeit für andere Dinge bleibt, ist es darum wichtig, dass Sie lernen, sich abzugrenzen. „Erholung und Abschalten sind nur möglich, wenn man sich voll und ganz mit anderen Dingen beschäftigen kann und nicht ständig wieder an die Arbeit erinnert wird. Auf diese Art kann man sich am nächsten Tag oder nach dem Wochenende wieder mit neuem Elan seinen beruflichen Aufgaben widmen“, sagt Studienleiterin Ariane Wepfer.

Machen Sie sich zunächst bewusst, wo Ihre eigenen Belastungsgrenzen liegen. Überlegen Sie, was Sie leisten können und wann Sie für sich die Reißleine ziehen müssen. Ändern Sie dazu selbst aktiv einiges an Ihrem eigenen Verhalten:

  • Schalten Sie Ihr berufliches Handy nach Feierabend aus: Sicherlich kann es sein, dass Sie noch einen wichtigen Anruf erwarten und Sie darum auch zu Hause Ihr berufliches Telefon im Blick behalten müssen. Doch dies sollte nicht die Regel sein.
  • Setzen Sie bewusst auf Entspannung: Wer ständig über die Arbeit grübelt, kann sich schlecht entspannen. Unternehmen Sie daher in Ihrer Freizeit Dinge, die nichts mit Ihrem Job zu tun haben. Verbringen Sie Zeit mit Freunden und der Familie, gehen Sie Ihren Hobbys nach und machen Sie, was Ihnen Freude bereitet.
  • Nehmen Sie Überlastungsanzeichen nicht auf die leichte Schulter: Schlafstörungen, das Gefühl, nicht entspannen zu können, Herzrasen – Stress und Überforderung äußern sich auf vielfältige Weise. Nehmen Sie Anzeichen wie diese ernst und holen Sie sich professionelle Hilfe, wenn Sie spüren, dass Sie dem Hamsterrad nicht alleine entkommen.

Offen kommunizieren, wenn es zu viel wird

Neben dem Ändern eigener Angewohnheiten und der bewussten Selbstwahrnehmung spielt auch die Kommunikation eine wichtige Rolle. Wenn Sie merken, dass Sie überfordert sind, sprechen Sie dies offen bei Ihrem Arbeitgeber an. Auch, wenn Sie das sicherlich Überwindung kostet.

In einer besseren Position sind Sie, wenn Sie sich vor dem Gespräch mit Ihrem Vorgesetzten bereits einige Lösungen zurechtlegen:

  • Zeiträuber erkennen: Überlegen Sie sich im Vorfeld, warum Sie auch nach Feierabend noch so viel zu tun haben und erstellen Sie eine Übersicht über Ihre täglichen Aufgaben. Auf diese Weise erhalten Sie und Ihr Vorgesetzter einen konkreten Überblick und Sie können gemeinsam besprechen, welche Tätigkeiten möglicherweise an andere delegiert werden können.
  • Festlegung von Zuständigkeiten einfordern: Niemand weiß so recht, wer für was zuständig ist? Insbesondere in Unternehmen, in denen dies nicht klar geregelt ist, bleibt eine Überlastung aller Beteiligten häufig nicht aus. Sehen Sie sich genau an, wie Ihr Tätigkeitsbereich in Ihrer Stellenbeschreibung definiert ist und legen Sie Ihrem Vorgesetzten diese im Gespräch vor.
  • Meeting-Termine reduzieren: Verbringen Sie viel Zeit in Meetings, bitten Sie Ihren Vorgesetzten darum, diesen gerade an sehr arbeitsreichen Tagen fernbleiben zu dürfen. So gewinnen Sie zum einen Zeit für die Erledigung anderer Aufgaben. Zum anderen arbeiten Sie konzentrierter und damit effizienter, wenn Sie Ihre Aufgaben ohne Unterbrechung umsetzen können.
  • Einführung unterstützender Hilfsmittel: Möglicherweise gibt es Software, die Sie in Ihrer Arbeit entlasten würde. Etwa im Bereich des Projektmanagements, für Abrechnungen, das Erstellen von Schreiben und vielem mehr. Recherchieren Sie ein wenig und bringen Sie diese Vorschläge in Ihrem Gespräch an.

Noch ein Tipp: Hören Sie sich im Kollegenkreis um, ob es anderen genauso geht wie Ihnen. Sicherlich haben Sie einen oder mehrere Kollegen, denen Sie vertrauen und mit denen Sie möglicherweise sogar befreundet sind. Schließen Sie sich gegebenenfalls zusammen und suchen Sie gemeinsam das Gespräch mit Ihrem Chef.

Bringt Sie dies nicht weiter, stellen Sie Kontakt zur Personalvertretung her und bitten Sie um Unterstützung. Wichtig ist es in jedem Fall, dass Sie sich nicht mit Ihrer Situation abfinden und resignieren, sondern, dass Sie aktiv werden und handeln. Menschen, von denen im Beruf erwartet wird, dass sie Arbeit mit nach Hause nehmen, rät Ariane Wepfer, dass diese die Arbeit in definierten Zeitfenstern erledigen und sich davor und danach bewusst anderen Dingen widmen. „Ungünstig ist es, ständig zwischen beruflichen Aufgaben und Freizeit hin und her zu wechseln. Auf diese Weise können Sie sich keinem Bereich richtig widmen“, sagt sie.

Und auch für Arbeitgeber hat sie einen Tipp: „Ich empfehle, die Erwartungen in Bezug auf Erreichbarkeit zu thematisieren und nach Lösungen zu suchen und Absprachen zu treffen, die die Erreichbarkeit außerhalb der Arbeitszeit auf das Nötigste beschränken. Führungskräften kommt hierbei eine wichtige Vorbildfunktion zu. Wenn eine Führungskraft ständig erreichbar ist, dann sendet dies Signale. Die Mitarbeitenden denken schnell, dass dies von Ihnen auch erwartet wird.“

Text: Daniela Lukaßen-Held


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2 Kommentare

Petra Grossegger

25.02.2018

Wenn Arbeit nicht als Pflicht angesehen würde, und wann auch immer u von wo auch immer gemacht werden könnte. Man im Flow wäre u nicht zwischen Freizeit u Arbeit unterscheiden müsste, dann wäre das Abgrenzen nicht notwendig. Sorry für eine Plattform über DNA reichlich antiquierte Sicht- u Denkweise.

Sylvia Nickel

28.02.2018

Wer auf die Tomatentechnik (möglichst unterbrechungsfreies Arbeiten in Zeitintervallen) setzt, wird weniger Abgrenzungsprobleme verspüren, denn in Pomodori passen auch persönliche Aktivitäten. und irgendwann am Abend sollte wirklich Schluss sein mit dem Blick auf das Smartphone und die Eingänge unvorhergesehener Aufgaben. Insofern finde ich den Tipp, abzuschalten und off zu gehen, nicht antiquiert. Es stellt sich viel mehr die Frage, ob die ständig von der Erreichbarkeit gehetzten nicht vielmehr Neanderdgitaler sind ;-)