Besser leben. Anders arbeiten.
Das New Work Themen-Portal.

Besser leben. Anders arbeiten.
Das New Work Themen-Portal.

Arbeit & Bildung

"Serious Games": Weiterbildung per Computerspiel

Die Digitalisierung verändert auch die Weiterbildungsangebote: Neben E-Learning und virtuellen Seminaren sind auch Computerspiele für Mitarbeiterschulungen im Einsatz. XING Spielraum hat bei Vodafone nach den Erfahrungen mit den interaktiven Tools gefragt.

Das Verkaufsgespräch läuft alles andere als glatt. Welcher Tarif ist der richtige für den Kunden? Welche Angebote kommen infrage? So ganz kann der Mitarbeiter den potenziellen Käufer noch nicht überzeugen. Aber das ist kein Problem. Denn der Kunde ist nur ein Avatar, der Verkaufsraum computeranimiert.

Vodafone-E-Learning-Experte Thomas Krause

Vodafone-E-Learning-Experte Alexander Krause: „Computerspiele nehmen Druck von den Beschäftigten“ (©Foto: Vodafone)

Bereits seit einigen Jahren setzt das Telekommunikationsunternehmen Vodafone sogenannte Serious Games zur Mitarbeiterschulung ein. Besonders neue Beschäftigte trainieren zunächst in interaktiven Online-Workshops ihre Vertriebskompetenzen, ehe sie richtige Kunden beraten. Am Computer lernen sie, wie sie einem Kunden die verschiedenen Angebote des Unternehmens näher bringen und wie sie ihn letztlich überzeugen. Läuft etwas schief, erhält der Mitarbeiter unmittelbar eine Erklärung.

Und die Schulung via Computerspiel bietet viele Vorteile, wie Alexander Krause, Projektleiter im E-Learning-Bereich bei Vodafone Deutschland, erklärt. „Die Spiele sind zeit- und ortsabhängig. Die Mitarbeiter müssen also nicht zu einer bestimmten Tageszeit im Meetingraum sein. Außerdem können sie sich die Lernatmosphäre schaffen, die sie benötigen.“ So würden viele Beschäftigte im Homeoffice auf die Trainings zugreifen, andere würden sich bewusst innerhalb der Unternehmensräume einen ruhigen Platz suchen, um sich weiterzubilden.

Und auch die Zeit, die sie auf die freiwilligen Online-Schulungen verwenden, bestimmen die Mitarbeiter selbst. „Ein weiterer Vorteil ist, dass sich die Beschäftigten nicht mit anderen messen müssen. Sie müssen in einem Klassenraum nur sagen, dass es einen Test geben wird und Sie sehen, wie die Leute nervöser werden. Mit den Serious Games wird dieser Druck von den Beschäftigten genommen“, sagt Krause.

Computerspiele unterstützen den Mut, auch mal Fehler zu machen

Und auch das Unternehmen profitiert von den Trainings vor dem Bildschirm. Denn ehe neue Beschäftigte tatsächlich Kontakt zu realen Kunden haben, können sie sich zunächst virtuell beweisen und aus den so gemachten Erfahrungen lernen. Wer im Kundengespräch überzeugen kann, geht ein Level weiter und muss ein neues, komplizierteres Problem lösen. Den genauen Sachverhalt bekommt der Mitarbeiter vor dem Start per E-Mail zugeschickt.

Vodafone-Verkaufstraining per Computerspiel

Vodafone-Verkaufstraining per Computerspiel:„In den Spielen sind Fehler in Ordnung, sogar wichtig für den Lernprozess“

Während einige der Schulungen für die Vodafone-Beschäftigten im Privatkunden- und Geschäftskundenvertrieb obligatorisch sind, sind andere freiwillig. „Es gibt Pflichttrainings, wie etwa zum Thema Arbeitsschutz“, erklärt Krause. „Darüber hinaus gibt es aber auch freiwillige Trainings, in denen die Mitarbeiter sich fachlich weiterbilden können oder auch Tipps für eine gute Work-Life-Balance bekommen. “

2.130 Programme hat das Unternehmen seinen Mitarbeitern im Jahr 2016 angeboten. 200.000 mal wurden diese abgerufen. Das Feedback der Beschäftigten fällt positiv aus, erklärt der Projektleiter. Neben den Computerspielen, welche die Mitarbeiter alleine absolvieren, gibt es auch andere Modelle, zum Beispiel in Form von Online-Meetings. Dazu legt jeder Beschäftigte seinen eigenen Avatar an, mit dem er den virtuellen Besprechungsraum betritt. „Dadurch, dass die Mitarbeiter nicht mit ihrem persönlichen Foto, sondern mit einem selbst erstellten Avatar eintreten, sind sie häufig mutiger und viele trauen sich eher, Beiträge zu liefern.“

Sich trauen, etwas beizutragen, aber auch den Mut haben, Fehler zu machen – die computerbasierten Trainings ermutigen nicht nur zurückhaltende Menschen, sie verzeihen auch den einen oder anderen Fauxpas, der das Unternehmen im Realfall möglicherweise Kunden kosten würde. „In den Spielen sind Fehler in Ordnung, sogar wichtig für den Lernprozess“, erklärt Alexander Krause.

Ganz ersetzen würden die Serious Games die herkömmlichen Schulungen jedoch nicht, betont er:  „Ich sehe sie vielmehr als Ergänzung“, so Krause. Dass das Feedback der Beschäftigten sehr positiv sei, zeige besonders eins: „Wir sind in Sachen Digitalisierung auf dem richtigen Weg.“

Text: Daniela Lukaßen-Held


Das könnte Sie auch interessieren:

Digitale Weiterbildung: Für wen lohnt sich E-Learning?

0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.