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Arbeit & Gesundheit

Winterblues ade: Fünf Strategien für mehr Freude am Arbeitsplatz

Die Tage kurz und düster, die Sonnenstunden rar, vielen Menschen schlägt das aufs Gemüt. Berufliche Überlastungsymptome, Depressionen oder Burnout werden im Winter oft noch verstärkt. Wir zeigen Ihnen, wie Sie effektiv dagegen angehen können.

Psychische Erkrankungen rückten 2016 laut DAK-Gesundheitsreport  in Deutschland auf Platz 2 der Gründe für Krankschreibungen. In Herbst und Winter treten die Probleme oft verstärkt auf. Was kann man tun, um sich selbst zu schützen? Diese fünf Strategien des britischen Think Tank „New Economics Foundation“ helfen, die mentale Gesundheit zu stabilisieren:

1. Reden statt E-Mails schreiben

Soziale Kontakte sind besonders wichtig für das Wohlbefinden. Denn der Austausch mit anderen Menschen gehört zu den fundamentalsten Bedürfnissen, die wir haben. Ganz gleich, ob wir gerade selbst etwas geben oder in der nehmenden Rolle sind.

Der Verzicht auf unnötige E-Mails gehört zum einfachsten Ansatz für mehr soziale Kontakte: Aufstehen und zum Kollegen gehen – selbst wenn das persönliche Gespräch nur wenige Momente dauert. Dabei erleben wir den Gesichtsausdruck unseres Gegenübers, hören den Ton der Stimme und gewinnen dadurch ein tieferes Verständnis der Situation. Zudem nehmen E-Mails Zeit und Aufmerksamkeit in Anspruch und lenken von der eigentlichen Aufgabe ab. Es lohnt sich, das Mailprogramm während konzentrierter Arbeitsphasen zu schließen oder das elektronische Postfach nur in bestimmten Zeitabständen zu öffnen.

Auch die nächste Kaffeepause kann genutzt werden: Die Kollegin in der Küche treffen, fragen wie das Wochenende war und wirklich zuhören.

2. Toleranz und Bewegung: Kleine Schritte, große Wirkung

Druck, Angst und Stress sind nicht immer leicht aus dem Arbeitsleben zu verbannen. Allerdings können kleine Schritte helfen, um besser damit zurechtzukommen. Schon ein toleranter Umgang mit unseren Gefühlen mindert die Last: An manchen Tagen hilft es, einfach zu akzeptieren, dass negative Gefühle im Vordergrund stehen und bereits Kleinigkeiten eine Überforderung darstellen. An anderen Tagen freut man sich selbst über Kleinigkeiten und alles geht mühelos.

Eine weitere wirksame Methode zum Stressabbau ist körperliche Betätigung. Die kürzlich veröffentlichte Transport- und Pendlerstudie der PageGroup zeigte, dass europaweit der Stresspegel von pendelnden Radfahrern und Fußgängern der niedrigste ist. Wer stattdessen mit dem eigenen Auto oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln fährt, empfindet den Anfahrtsweg als belastender und kommt gestresster am Arbeitsplatz an. Es lohnt sich deshalb zu prüfen, ob der Weg zur Arbeit mit einem E-Bike gut zu bewältigen wäre.

3. Innehalten und Reflektieren

In einer schnelllebigen Welt ist Hektik der Normalzustand. Manchmal verlieren wir uns dabei selbst aus den Augen. Reflektion und Selbstwahrnehmung helfen uns, unsere Emotionen zu verstehen. Alltägliche Übungen in Achtsamkeit sind eine gute Strategie, um mehr Ruhe, mehr Entspannung und mehr Lebensfreude zu empfinden. Gleichzeitig schärft das unser Verständnis für die Menschen in unserem Umfeld und für unsere Arbeitssituation. Der Psychologe Daniel Goleman fasst es so zusammen: „Wenn man sich bewusst ist, wie Gefühle die eigene Argumentation, das eigene Denken und die Art und Weise, wie man mit anderen Menschen interagiert, beeinflussen – dann ist man reflektiert. Dies ist eine Komponente der emotionalen Intelligenz.“

4. Lernen als Stressabbau

Besonders lohnend ist auch unsere Fähigkeit Neues zu lernen. Susan Wallace, Professorin für Erziehungswissenschaft, schreibt in ihrem Buch „Teaching, Tutoring and Training in the Lifelong Learning Sector“ (Amazon-Link), dass uns lebenslanges Lernen nicht nur persönliche Erfüllung bringt, sondern auch ein äußerst wirksamer Mechanismus zum Stressabbau ist. Darüber hinaus steigert es das Selbstwertgefühl. Allerdings muss sich dafür niemand gleich für ein Zweitstudium einschreiben oder eine andere Form professioneller Qualifikation anstreben. Es gibt viele Gelegenheiten, etwas Neues zu lernen oder bereits vorhandenes Wissen zu erweitern: ein handwerkliches Projekt umsetzen, ein neues Hobby pflegen, Kochen lernen, ein Fahrrad reparieren oder einen Sprachkurs belegen. Alles, was das eigene Repertoire erweitert, ist ein Erfolg und dient letztendlich auch dem Wohlbefinden.

5. Nein zur Stigmatisierung

Die mentale Gesundheit erhält sowohl in der Gesellschaft als auch am Arbeitsplatz zunehmend mehr Beachtung. Es ist also kein Wunder, dass das Bewusstsein für die Notwendigkeit von entsprechenden Maßnahmen sowohl bei Arbeitnehmern als auch bei Arbeitgebern immer stärker vorhanden ist. Immer mehr Unternehmen schließen das Thema seelische Gesundheit deshalb in ihr betriebliches Gesundheitsmanagement ein. Ein positiver Wandel in vielen Unternehmen ist im Gange. Das Resultat sind psychisch gesündere, produktivere, glücklichere Mitarbeiter, die in der Lage sind, mit Stress, Angstgefühlen und Depressionen besser umzugehen.


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1 Kommentare

Wolfgang T. Kehl

09.01.2018

Danke für die fünf Strategien. Alles, was die Situation in der Arbeitswelt entschärft, ist wertvoll, dringend erforderlich und willkommen. Wie wäre es, direkt an die Ursache zu gehen? Dahinter steckt ein Naturgesetz, das überall Unordnung schafft. Auf der Ebene der Arbeitsschritte bekommt man das Gesetz in Griff. Unterscheiden wir bei den Arbeitsschritten zwischen wertschöpfend – es entsteht ein Produkt oder eine Leistung – und wertneutral – es entstehen lediglich Kosten, dann sind die wertneutralen Schritte auf der Überholspur.

Das bedeutet: weniger Leistung – weniger Produktivität – steigender Kostendruck – wachsender Arbeitsdruck – mehr Ausfalltage.

Es ist leicht auf der Ebene der Arbeitsschritte an das Problem heranzugehen. Aber es geschieht noch nicht. Millionen Menschen leiden. Milliarden Euro werden betriebs- und volkswirtschaftlich versenkt.

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