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Neue Führung

„Die Zeiten der Gefolgschaft sollten wirklich vorbei sein“

Götz Werner, der Gründer der Drogeriekette dm,  gilt als einer der Vordenker einer neuen Arbeits- und Sozialwelt in Deutschland. Im Interview mit XING Spielraum erklärt Werner die Strategien guter Unternehmens- und Menschenführung und seine Argumente für das Bedingungslose Grundeinkommen.  

DM-Gründer Götz Werner (in einer Filiale seines Unternehmens): hjjkljlj ölkjölköklök

Götz Werner in einer seiner dm-Filialen: „Die wichtige Frage ist: Arbeite ich mit Druck oder mit Sog?“ ©Foto: dm / Alex Stiebritz

XING Spielraum: Herr Werner, wir sprechen anlässlich Ihres Besuchs bei der New Work Experience* von XING im nächsten Jahr miteinander.  New Work, also die Umgestaltung der Arbeitswelt für und mit den Menschen, ist ja für gerade Sie kein neuer Begriff, Sie plädieren schon seit Jahren. Wie haben Sie die Entwicklung des Themas in den vergangenen Jahren erlebt?

Götz Werner: Vieles stülpt sich geradezu um und entwickelt sich diametral anders. Mein Vater, Jahrgang 1902, war Drogist. Er sprach immer von seiner „Gefolgschaft“. Und er und auch andere Unternehmer dieser Zeit, hatten ein klares Oben-unten-Denken. Für sie bedeutete ein Unternehmen Hierarchie, und sie waren „Direktoren“, die sagten, wo es langgeht.

1973 habe ich dann als Unternehmer erst einmal klein angefangen, mit einer Filiale. Im Laufe der Zeit erlebt man, was es bedeutet, wenn eine solche Organisation wächst. Heute sind wir 60.000 Kolleginnen und Kollegen. Ich habe dabei gelernt, dass man als Unternehmer vorausschauen muss, was als Nächstes angesagt ist. Dazu gehört auch eine geschäftliche und finanzielle Voraussicht. Diese Seite wird heutzutage in der Diskussion über tolle Start-ups und New-Work-Pionierunternehmen mitunter vergessen.

Für Start-ups ist es eine besondere Herausforderung, mit Schwung die Dinge neu aufzubauen und sie dann in eine Phase überzuleiten, in der die Dinge geordnet ablaufen. Es kommt auf einen gesunden Rhythmus an, auch bei alteingesessenen Unternehmen.

Spielraum: Sie waren ja einer der ersten prominenten Vertreter aus der Wirtschaft, der für ein Umdenken geworben hat, für einen humanistischeren Ansatz zum Thema Arbeit. Fühlen Sie sich nun bestätigt?

Werner: Umdenken und Veränderungen geschehen in allen Ecken. Und doch stehen wir im Moment noch vor zwei großen Herausforderungen, Goethe würde sagen: „Zwei Gretchenfragen“: Die erste lautet: Wie kommen diese Veränderungen bei den Menschen an? Die Mitarbeiter sollen sich ja als „Verantwortungsträger“ fühlen, und eben nicht mehr als „Gefolgschaft“, diese Zeiten sollten wirklich vorbei sein. Wir dürfen dabei nur nicht vergessen, worauf es ankommt: Der Mensch darf nie das Mittel, sondern immer nur der Zweck sein.

Anders gesagt: Der Mitarbeiter bringt idealerweise nicht seine Arbeitszeit in ein Unternehmen ein, sondern seine Lebenszeit. Und daraus ergibt sich ein ganz anderes Verantwortungsverhältnis. Auch sich selbst gegenüber, denn er geht ja nicht mehr „nur zur Arbeit“ – wie es so schön heißt, sondern bringt sich als Mensch im Unternehmen ein. Und dann fragt er sich: „Gehe ich mit meiner Lebenszeit sinnvoll um?“

Deshalb ist es entscheidend für Führungskräfte, allen in einem Unternehmen arbeitenden Kolleginnen und Kollegen den Sinn der Dinge zu vermitteln. Übrigens: Wenn man es bei seinen Kolleginnen und Kollegen nicht schafft, braucht man es bei seinen Kunden und Lieferanten gar nicht erst zu versuchen.

Und die zweite Gretchenfrage lautet: „Arbeite ich mit Druck oder mit Sog?“ Wenn ich Menschen unter Druck setzen will, nutze ich Anreizsysteme, wie Extraprämien oder Boni. Die verursachen Druck und für die Betroffenen wird der Bonus zum Malus, denn er lenkt den Blick weg von den Kundenbedürfnissen hin zum Vorgesetzen. Mit Sog hingegen gewinne ich meine Mitmenschen, für das, was man als Unternehmen vorhat. Sog lenkt den Blick auf die Bedürfnisse der Kunden und die der Kolleginnen und Kollegen.

Spielraum: Gibt es denn für Sie überhaupt eine finanzielle Zuwendung, die in Ihren Augen kein Druck-, sondern ein Sogmittel wäre?

Werner: Nein. Arbeit und Einkommen muss man voneinander trennen, etwa durch ein Bedingungsloses Grundeinkommen. Für diese Idee trete ich seit vielen Jahren ein. Aber bitte verstehen Sie mich nicht falsch: Natürlich braucht jeder Mensch ein vernünftiges Einkommen, doch das sollte eben nicht die Hauptmotivation für ihn sein, zu arbeiten.

Unser ganzes Wertesystem verschiebt sich. Und es ist doch deutlich spürbar, dass es bei immer mehr Menschen tatsächlich eine Veränderung in diese Richtung gibt. Wer möchte denn heute noch als Gefolgschaft behandelt werden? Wie ich sagte, es geht um Sog, der lässt Flugzeuge starten und Menschen über sich hinauswachsen.

„Die Treppe muss von oben gefegt werden“

Spielraum: Nun mag es in Deutschland aber noch den ein oder anderen Unternehmensführer geben, der vielleicht diesen Ausdruck nicht mehr verwendet, aber noch in der Denke gefangen ist….

Werner: … ja, das mag leider manchmal durchaus so sein….

Spielraum: Aber an all jene richtig sich ja auch glücklicherweise Ihr Vortrag über neue Führung, den Sie bei der nächsten NWX halten werden, unter dem Motto: „Die Treppe muss von oben gefegt werden.“ Ohne zu viel zu verraten, worum geht es da?

Werner: Das kann ich Ihnen an einem Beispiel näherbringen: Vielen Führungskräften geht es im Umgang mit ihren Mitarbeitern darum, Know-how im Sinne des Unternehmens zu erhöhen. Das ist nachvollziehbar. Aber viel wichtiger noch ist es, dem „Know-why“ nachzugehen. Schon allein, weil Menschen, die das, was sie tun, wirklich für sinnvoll und richtig halten, besser und effizienter arbeiten. Das zeigt auch die Forschung.

Das Know-how kann man sich, auch durch die Digitalisierung, oft recht schnell aneignen. Die wichtigste Aufgabe als Führungskräfte liegt in der Vermittlung von Sinn und Verständnis, dann wird Arbeit authentisch.

Spielraum: Das aber bedeutet einen echten Paradigmenwechsel, weil unsere Wirtschaft ja in den allergrößten Feldern noch genau nach dem Know-how-Prinzip funktioniert. Haben Sie denn den begründeten Optimismus, dass sich auf dieser Ebene, auf der – in ihrem Bild – obersten Treppenstufe – denn wirklich was bewegt? Thomas Sattelberger zum Beispiel hat neulich in einem Interview mit XING Spielraum gemahnt, die Diskussion um New Work sei in Gefahr zum „reinen Management-Buzztalk“ verkommen? Stimmen Sie ihm zu in der Analyse?

Aktuelles Werner-Buch "Sonst knallt's"

Aktuelles Werner-Buch „Sonst knallt’s“: „Die Freiheit des BGE besteht in der Chance, dass jeder Mensch dann NEIN sagen kann.“

Werner: Ich beobachte viele Veränderungen, auch in großen Konzernen. Moderne Führungspersönlichkeiten hat es im Übrigen auch schon vor einigen Jahren und Jahrzehnten gegeben, denken Sie zum Beispiel an Eberhard von Kuenheim, Ex-Vorstandsvorsitzender von BMW. Für uns als Gesellschaft aber auch für Vorstände oder Chefs gibt es immer nur zwei Wege: Entweder, man lernt aus Einsicht oder aus Katastrophen.

Spielraum: Gerade erst in den letzten Tagen gibt es aber viele Jubelmeldungen aus der Wirtschaft, alle Indexe steigen. Die Katastrophe ist da erstmal nicht in Sicht.

Werner: Als erfolgreicher Unternehmer denkt man nicht an die Bilanzen von heute, sondern an die von morgen und übermorgen. Und die Zahlen sind Wirkungsbeweise, für das, was ich antizipiert habe.

Spielraum: Auch in ihrem jüngsten Buch plädieren Sie vehement für ein bedingungsloses Grundeinkommen (BGE). Sie wollen den Menschen, Zitat, dadurch „mehr Freiheit geben…“

Werner: Ja. Das müssen doch nach wie vor die großen Ziele sein: Freiheit, Gleichheit, Geschwisterlichkeit. Die Freiheit des BGE besteht in der Chance, dass jeder Mensch dann NEIN sagen könnte, nämlich zu einer Arbeit, die er nicht sinnvoll findet. Friedrich Schiller hat das bereits vor über 200 Jahren so gesagt: „Der Mensch ist noch sehr wenig, wenn er warm wohnt und sich satt gegessen hat, aber er muß warm wohnen, und satt zu essen haben, wenn sich die bessre Natur in ihm regen soll.“

Spielraum: Ein besseres Schlusswort fällt es uns jetzt auch nicht ein. Vielen Dank für das Gespräch, Herr Werner. Wir freuen uns sehr auf Ihre Keynote bei der NWX im nächsten Jahr.

Das Interview führte Ralf Klassen

Zur Person: Prof. Götz W. Werner, Jahrgang 1944, ist Gründer und inzwischen Aufsichtsrat von dm-drogerie markt. 1973 eröffnete er den ersten Markt in Karlsruhe. Inzwischen arbeiten europaweit mehr als 55.000 Menschen bei dm. Götz W. Werner ist Mitglied mehrerer Aufsichtsräte und Beiräte national und international operierender Unternehmen. Von 2003 bis 2010 war er Inhaber des Lehrstuhls für Unternehmertum (Entrepreneurship) an der Universität Karlsruhe. Bis heute ist er Gastprofessor an der Alanus Hochschule.

Für seine betont antiautoritäre Unternehmensführung, die Schaffung zahlreicher Arbeits- und Ausbildungsplätze und sein soziales Engagement wurde Werner mehrfach ausgezeichnet: Mit dem Verdienstorden 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland, dem Deutschen Gründerpreis, dem Erich Fromm-Preis und vielen anderen Ehrungen. Werner tritt seit Jahren für das „Bedingungslose Grundeinkommen“ (BGE) für jeden Bürger ein, dessen Diskussion in Deutschland er mit seinem Buch „Einkommen für alle“ 2006 eröffnete. Auf der Internetseite www.unternimm-die-zukunft.de ist Werners Engagement für das BGE ausführlich dokumentiert.

Buch-Tipp: Jüngst erschienen ist Werners Buch „Sonst knallt’s!“, das er zusammen mit den Bestsellerautoren Marc Friedrich und Matthias Weik verfasst hat. Die Autoren erläutern darin, warum aus ihrer Sicht eine Neuordnung unseres Steuer-, Sozial- und Finanzsystems dringend nötig ist und zeigen mögliche Entwicklungswege zu Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens auf.


*Veranstaltungshinweis: Götz Werner ist einer von vielen hochkarätigen Speakern und Diskussionsteilnehmern der von XING ausgerichteten „New Work Experience 2018“. Das Event findet am 6. März kommenden Jahres in der Hamburger Elbphilharmonie statt. Mehr Informationen zu Programm und Ticketbestellungen für die #NWX18 bekommen Sie unter newworkexperience.xing.com

15 Kommentare

Ernst Auschner

06.12.2017

Einen schönen guten Tag, da spricht mir der Herr Werner aus dem Herzen. Und ich werde diese These vom „Sog statt Druck“ in den Workshops umsetzen. Endlich sind wir auf dem richtigen Weg, aus heutiger Sicht gesehen. Danke für dieses Interview mit Herrn Werner.

Norbert Hinz

06.12.2017

Ja, alles schön und gut. Wie sieht denn die Realität aus? In vielen Unternehmen können Arbeitnehmer schon froh sein wie Gefolgsleute behandelt und geachtet zu werden. Tatsächlich verfolgt einen permanent das Gefühl wie Schüttgut gehandhabt zu werden.

Jörg PItschke

06.12.2017

Haha: Zitat: „Natürlich braucht jeder Mensch ein vernünftiges Einkommen, doch das sollte eben nicht die Hauptmotivation für ihn sein, zu arbeiten.“
Und wer holt den Müll ab, wer reinigt die Büros und die Toiletten aim öffentlichen Bereich.
Soll er mal erzählen wie er einen Sog erzeugen kann der Müllmann und Putzfrau dazu bewegt den Arsch aus dem Bette zu heben und freiwillig den Job zu machen.
Entschuldigung das sind kommunistische Thesen noch absurder als die von Lenin oder Marx….

Andreas Strauß

06.12.2017

… sehr guter Artikel – einer der mir aus der Seele spricht was „arbeit“ eigentlich sein sollte.
Leider habe ich als Arbeitgeber andere Erfahrungen gemacht – ich versuchte meinen Mitarbeiterinnen den Sinn Ihrer Tätigkeiten zu vermitteln, den Sinn der Abläufe und das Zusammenspiel der Abrteilungen, toleranz im Team … Ich hatte Sie aufgefordert auch an Mir Kritik zu üben, mir offen zu sagen wenn sie anderer Meinung sind … letztenendes um allen das Leben zu vereinfachen und ein Miteinander im Unternehmen zu schaffen.

Das Erfolg zeigte sich darin, dass ich letztenendes angegriffen wurde … Sinngemäß mit den Worten “ … Sie erklären immer das drum herum … sagen Sie mir doch einfach was ich tun soll …“ – meine Gegenreaktion “ Ich möchte das Ihr versteht was für die Abläufe wichtig ist und Ihr eure Entscheidungen selbst treffen könnt.“ … volliges Unverständnis meiner Gegenüber.

Mein Resùme nach 30 Jahren Selbständigkeit und Mitarbeiterführung: viele Mitarbeiter sind leider noch nicht so weit – selbst wenn der Arbeitgeber es zulässt … sie wollen nicht umzudenken … wollen keine Verantwortung … sie wollen lieber Anweisungen, über die sie dann lieber lästern um ein solidarisches „kollektiv“ unten gegen oben zu schaffen anstatt aufrichtig zu sein.
Sie suchen einen Job, der am Monatsende möglichst viel Einkommen beschert … für den geringst möglichen Aufwand .. und wenn man währen der Arbeitszeit noch private Dinge erledigt, bei facebook chattet seinen Urlaub plant und bucht, ist die Welt für viele in Ordnung – leider!
Denn der Kunde bezahlt am Monatsende das Gehalt … der Chef leitet es nur weiter!

Frank Brück

06.12.2017

Der einzige Grund für die Produktion ist der Konsum und wenn wir nicht erkennen und Wege finden, dass der Konsum mit der Produktion Schritt halten kann, ist eine praktische Lösung der Wirtschaftskrisen dieser Welt nicht möglich. Denn für 7 Milliarden Menschen Arbeitsplätze zu schaffen, damit diese sich ihren Lebensunterhalt verdienen können, gelingt nur, wenn wir auf weiteren technischen Fortschritt verzichten und wieder zur Handarbeit übergehen. Wer aber will das?
Daher sollte ein BGE oder eine Volks-Dividende allmählich den Platz von Löhnen und Gehältern einnehmen. Denn wenn eine Maschine den Arbeitsplatz eines Menschen ersetzt, dann kann sie auch den Lohn des Menschen ersetzen und zahlen. Wenn eine Maschine die Arbeit von hundert Menschen erledigt, ist ihre Produktionskraft hoch genug, um damit auch hundert Menschen zu ernähren. Das BGE oder die Dividende ist der logische Nachfolger des Lohnsystems.
Um der Inflation vorzubeugen brauchen wir allerdings ein wissenschaftlich ausgeklügeltes Preisermittlungs-System, das sicherstellt, dass die Preise fallen wenn die Produktion steigt und steigen, wenn die Produktion fällt.

Guido Thielsch

06.12.2017

Hallo Herr Pltschke
wer schimpft sollte auch wissen, was er da sagt! Der Kommunismus wollte Geld abschaffen! Das ist wohl kaum mit einem bedingungslosen Grundeinkommen getan.
Na klar sind die von Ihnen angeführten Tätigkeiten nicht eben beglückend. Doch haben Sie schon mal was von Automatisierung und Digitalisierung gehört? Niemand muss heute mehr menschenunwürdige Tätigkeiten durchführen. Allerdings müssten dann Automatisierung und Digitalisierung auf den Ersatz solcher Arbeiten durch Maschinen ausgerrichtet sein und nicht auf höchstmögliche Profite. Dazu müssten wir begreifen, dass wir miteinander mehr und besseres leisten können als gegeneinander. Herr Werner weiß das offenbar und hat mit dieser Strategie erhebliche Erfolge erzielt. Bitte nachmachen!

Anita Martin

06.12.2017

zu Herrn Jörg PItschke : Hier geht es darum, den Wert der Arbeit wieder zu schätzen. Eine Putzfrau, die nur 5,00 Euro/Stunde bekommt, wird nicht motiviert sein, besser etc. zu arbeiten. Wenn aber eine Grundeinkommen vorhanden wäre, wäre eine gewisse Sicherheit da. Dann könnte die Putzfrau dort arbeiten wo sie besser bezahlt wird, also sich zu ihrem Grundein kommen etwas dazu verdienen. Ohne Grundeinkommen haben eben viele „Druck“ schlecht bezahlte Arbeiten zu machen. Der Unternehmer verdient da immer noch genugt dabei, wenn er aber seine „Arbeiter“ an andere verliert, die besser bezahlen, wird er entweder mitmachen müssen oder er bleibt auf der Strecke. Die Wertschätzung der Menschen und der Arbeit, die sie leisten, muss an erster Stelle stehen. Da kommt dann der „Sog“ ins Spiel. Ich bin übrigens auch für das Grundeinkommen für alle!

Peter Becker

06.12.2017

Meine besten Leistungen habe ich gebracht, als ich in meiner Arbeit einen Sinn gesehen habe und begeistert war. Nach Geld habe ich nicht gefragt, solange es mir nur reichte. Erst als mein Arbeitgeber EFA eingeführt hatte, um per Geldreiz MA zum Befolgen sinnloser Vorgaben zu motivieren, bin ich in die innere Kündigung gegangen, und habe trotzdem dabei mehr verdient mit Show as Show can.
Und @Jörg PItschke: Dann wird für die heute als „niedrig“ angesehenen Berufe die Anerkennung steigen. Kann durchaus so kommen, dass ein Müllwerker wegen seiner Wichtigkeit und seiner Belastung höher angesehen ist und/oder mehr verdient, als ein Sesselfurzer im Industriebüro.

Reiner Ramert

06.12.2017

So edel die Idee eines BGE auch sein mag, sie setzt eine grundsätzliche Bereitschaft zum Arbeiten voraus. Die tägliche Erfahrung – nicht nur von Sozialarbeitern – zeigt aber, daß es viele Menschen gibt, bei denen diese Voraussetzung fehlt. Diese Menschen sind nur an einem bequemen Leben auf Kosten Anderer interessiert. Das beginnt mit dem Sozialbetrügern, geht über Verbrecher aller Art und endet bei den Erben von Bankkonten in Steueroasen. Solange also der Spruch „Arbeit muss sich lohnen“ nicht für alle Menschen gilt, bleibt das BGE eine schöne Idee, vergleichbar mit der Grundidee des Kommunismus.

Josef Kittl

06.12.2017

Sehr guter Artikel, mit dem ich zu hundert Prozent übereinstimme.

Es ist wichtiger das RICHTIGE zu tun, als das was am meisten Kohle bringt.

Deshalb habe ich in den letzten 22 Jahren immer wieder auf mein Bauchgefühl gehört und diverse Positionen als Geschäftsführer abgesagt.

Soviel Freiheit, ins besonders was meine freie Zeiteinteilung angeht, hatte ich früher nie. Selbst als Freelancer nicht.

Und ja, ich wäre auch für ein bedingungsloses Grundeinkommen, damit mehr Zeit fürs Wesentliche bleibt.
Nämlich die FAMILIE und FREUNDE!
Vielleicht noch ein wenig Philosophie und Ähnliches.

Stefan Hinz

06.12.2017

Wenn ich die Kommentare so durchschaue, dann ist zwischen Begeisterung für BGE und die Ideen von Werner Götz und trostlosem Pessimismus anscheinend nicht viel Platz. Wie wäre es an dieser Stelle mal mit ein bisschen Paretoprinzip? 20% der Bevölkerung sind vielleicht Sozialschmarotzer bzw. allein am Leben auf Kosten Anderer interessiert, aber 80% eben nicht. 80% würden Arbeiten wie Putzen und Müll entsorgen für sich selbst ablehnen, aber 20% nicht. Woher kommen all die Altenpfleger, Ehrenamtlichen usw., wer zwingt sie zu tun, was sie tun? Die Idee von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit geht nicht (wie bei Stalin und Konsorten) zwangsläufig davon aus, dass alle Menschen im Prinzip gut sind, sondern es reicht völlig, wenn 80% ein halbwegs anständiges Leben führen möchten (anständig im doppelten Wortsinn). Und dass sie das wollen, zeigen Menschen jeden Tag, weltweit. BGE ist kein Allheilmittel und wie jedes Medikament (noch) nicht weltweit gegen sämtliche Krankheiten einsetzbar, aber wichtig genug, es mal ernsthaft in einem wohlhabenden Land einzuführen. Und angesichts vom völlig unvermeidlichen Jobabbau durch AI ohnehin alternativlos, um es merkelianisch auszudrücken.

Kai Radtke

07.12.2017

Guter Artikel, gute Kommentare! Aus all den Gründen schlage ich vor, das BGE nicht bedingungslos zu zahlen, sondern eine 8-Stunden-Tätigkeit zu verlangen. Tätigkeit kann dabei alles sein, Erwerbsarbeit oder für soziale bzw. gemeinnützige Zwecke bis hin zu Familienarbeit. Familienarbeit würde bei mir mit 4 Stunden/Tag begrenzt. Aber ob jemand gern Bus fährt oder den Fußballverein trainiert oder sich um Kinder kümmert, ist dann gleich. Die Liste der anerkannten Arbeit gibt es ja schon heute, es sind all die als gemeinnützig anerkannten Verein/Gesellschaften. Wenn es nur das BGE gibt fürchte ich, wird die Wirtschaft einfach die Preise erhöhen und es gibt zuviele Ausnutzenden und dann können sich Menschen kein Brötchen mehr leisten, weil nur gegen hohe Bezahlung noch jemand zur Tätigkeit bereit ist.

Annette

07.12.2017

Kai Radtke…. ich stimme Ihnen zu, allerdings würden 30h/ Woche als Bedingung schon reichen.. wenn ALLE, die körperlich könnten, auch arbeiten und sich einbringen… das wäre klasse! Alle hätten wieder mehr Sozialkontakte und „müßten“ tagsüber nicht Sinnloses im TV konsumieren.. Den Wert, der aus „mit- einander arbeiten und lachen können und etwas zu vollbringen“ entsteht, müßten viele wahrscheinlich erst wieder begreifen und was es mit einem macht, wenn man auf sich wieder stolz sein kann.
Ich hatte mich mal gewundert, warum ältere Leutchen (70plus) in GB Kunden dabei halfen, an den Kassen ihre Einkäufe zu verstauen.. Erst taten sie mir leid, dass sie sich was dazu verdienen müßten, aber dann ging mir ein Licht auf: Sie taten es mit ganz viel Freude und charmant – denn sie hatten Gesellschaft, wurden geschätzt und gebraucht. Wer möchte das nicht?

Halim Eberhard von Richthofen

07.12.2017

Zum Kommentar von Herrn Pitschke muss ich sagen: ich habe mal 2 Monate in einer Residenz alle Treppenhäuser gereinigt, alle 14 Toiletten und 14 Bäder und die Flure in 4 Stockwerken geputzt mit einem kleinen Team von 3 Leuten. Am Ende hatten wir den Bogen raus und waren mittags fertig mit Freizeit den ganzen Nachmittag bei guter Bezahlung – und man glaube es nicht, die Arbeit hat Spaß gemacht.
Auf der anderen Seite kann man von Angestellten, die weder in der Schule noch in ihrem bisherigen Berufsleben jemals auch nur eine Ahnung vermittelt bekamen, was es heißt eine Arbeit zu machen, die einem liegt und an der man wachsen kann, erwarten kann, dass sie ein solches Angebot mal eben begeistert annehmen werden. Ich glaube das funktioniert erst, wenn man Mitarbeiter danach auswählt, ob sie mit dieser Chance etwas anfangen können.

Ariane Warneke

09.12.2017

Ein toller Artikel, der Hoffnung gibt – es wird endlich Zeit umzudenken!

 Das „bedingungslose“ GE, naja an „Bedingungen“ zu knüpfen, ist die große Frage. Aber ein sehr guter Ansatz: Ein Grundeinkommen an Menschen zu zahlen, die erwerbstätig sind. In welcher Form (sozial, ehrenamtlich, etc.) auch immer. 
Familienarbeit oder Pflege von Familienangehörigen sollte auf jeden Fall in Teilzeit möglich sein. Denn hier besteht ein wirklich hoher Bedarf und großer Druck bei jungen Mütter und Väter in unserer Gesellschaft. Und es ist schlimm genug nicht zu wissen, wie durch dieses Schicksal die nächste Generation geprägt wird. Was kann aus Kindern werden, deren Eltern von früh bis abends ihr Kind in die Betreuung von anderen Menschen geben müssen um genug Geld zu verdienen um ohne Sorgen leben zu müssen. 
Und dabei geht es dann gleich um die Berufsgruppen wie Erziehung und Pflege von Menschen. Würde ein GE diese Berufsgruppen nicht wieder attraktiver machen? Es gibt genug Menschen die helfen wollen, aber nicht für den Preis selbst um das eigene Überleben kämpfen zu müssen.
Dass es in der Bevölkerung auch schwarze Schafe gibt, das ist nicht zu leugnen. Aber ist es wirklich sinnvoll wegen dieser Minderheit auf eine großartige Chance für die Menschen, die diese nutzen „werden“, zu verzichten? – Es ist an der Zeit umzudenken!

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