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Mein Wunschjob

Jobhopping XXL: 30 Berufe in 30 Wochen

Feuerwehrmann oder Polizistin, von solchen Jobs träumen viele Kinder. Später als Erwachsene träumt man – wenn es im eigenen Job mal wieder langweilig oder frustrierend ist – gerne mal weiter: „Was wäre, wenn ich DAS machen würde?“ Aber wie fühlt man sich, wenn man dann tatsächlich die Chance bekommt, gleich 30 Jobs auszuprobieren? Annabelle Klage erlebt es gerade.

Annabelle Klage, die Jobhopperin des Allgäus

Vor einigen Monaten entschieden sich knapp 100 Menschen dafür, sich einer ganz besonderen beruflichen Herausforderung zu stellen. Sie bewarben sich auf eine etwas andere Stellenanzeige – für einen Job, der im wahrsten Sinne des Wortes mehr als nur EIN Job ist: Gesucht wurde ein Jobhopper. Und zwar in der XXL-Variante. Denn konkret bedeutet die Aufgabe im Rahmen der „Jobchallenge Allgäu“:  30 Berufe in 30 Wochen zu testen. Initiiert hatte die Aktion die Allgäu GmbH angesichts des akuten Fachkräftemangels in der idyllischen bayerischen Region.

Erwählt für die Aufgabe wurde schließlich Annabelle Klage. Und so darf sich die 25-jährige Management-Studentin aus Frankfurt als offizielle Allgäu-Jobhopperin in Kurz-Engagements beispielsweise bei der Flughafenfeuerwehr, einer Pralinenfabrik, einem Seniorenheim oder als Luftfahrtingenieurin ausprobieren. Und natürlich teilt Klage ihre persönlichen Erlebnisse ganz modern auf allen möglichen sozialen Kanälen mit einer interessierten Userschaft, um auf die beruflichen Perspektiven des schönen Allgäus aufmerksam zu machen.

Wie Sie die ersten Wochen der „Challenge“ erlebt hat und wie die Reaktionen im Netz ausfallen, erzählt Annabelle Klage im Interview mit XING Spielraum .

XING Spielraum: Sie sind seit einigen Wochen im Allgäu. Welche Berufe haben Sie bisher kennenlernen dürfen? Was hat Ihnen gefallen bzw. nicht gefallen?

Annabelle Klage: Mein allererster Beruf war der Luftfahrtingenieur bei ACM. Der hat mir total gefallen, weil ich den so noch überhaupt nicht auf dem Schirm hatte – einfach weil der Beruf des Ingenieurs gar nicht mein Ding ist. Es hat dann aber doch total viel Spaß gemacht, weil man im Endeffekt auch eine Art Innenarchitekt ist – und sowas finde ich wiederum hochgradig interessant. Dann war ich Redakteurin bei Outdoor Active. Das ist eine Outdoor Plattform, auf der man online allerhand Outdoor- und Klettertouren und Routen finden kann. Das hat mich so dermaßen inspiriert weshalb ich wirklich Probleme dabei hatte, mich hinzusetzen und tatsächlich die Redakteursarbeit zu machen. Eigentlich wollte ich die ganze Zeit raus und die Routen ausprobieren (lacht). Also, als Redakteur bin ich wahrscheinlich auch nicht geeignet, einfach weil ich Dinge lieber in die Tat umsetze, anstatt darüber zu schreiben.

Und diese Woche bin ich in einer Confiserie – dazu kann ich eigentlich nur sagen: Traumjob, denn ich darf hier Pralinen selber machen und das ist natürlich der Knaller! Das ist Handarbeit und man ist außerdem die ganze Zeit von Schokolade umgeben. Momentan kann ich mir also nichts Besseres vorstellen (lacht).

Hat man in einer Woche denn überhaupt Zeit, einen Beruf richtig kennenzulernen?

Annabelle Klage: Ich würde sagen, eine Woche reicht auf jeden Fall für einen ersten Blick. Man lernt auf jeden Fall viel, viel mehr über den Job, als man lernen würde, wenn man sich das jetzt im Internet anhand von Artikeln und Beschreibungen erlesen würde. Natürlich gibt’s auch immer unerwartete Dinge, die passieren können. Das entdecke ich in dieser Woche wahrscheinlich nicht oder werde wahrscheinlich keinen Eindruck von Dingen bekommen, die spontan noch auf einen zukommen könnten. Ich glaube für einen ersten Eindruck und auch um für sich selber einschätzen zu können, ob man den Beruf machen könnte oder möchte, reicht die Woche aber auf jeden Fall.

Der Veranstalter der Challenge erhofft sich dadurch auch eine Werbung für die vielfältigen Berufe, die es in der Region gibt. Hat es Sie selbst überrascht, in wie vielen Berufen dringend Fachkräfte gesucht werden?

Annabelle Klage: Ja absolut. Ich muss aber auch sagen, dass ich Wirtschaft studiert habe und dadurch bisher gar keine Berührungspunkte zu den jeweiligen Gebieten oder Branchen hatte, in denen die Fachkräfte eingesetzt werden. Ich habe mich nie mit der Problematik befasst – einfach weil es mich nicht betroffen hat. Jetzt wo ich die Problematik direkt sehe,  überrascht es mich absolut, denn ich glaube, ich würde jeden Job machen, wenn es bedeuten würde, dass ich dafür ins Allgäu ziehen dürfte. Und dass es dann hier im schönen Allgäu einen Fachkräftemangel gibt, wusste ich nicht und möchte da jetzt natürlich dabei helfen, das irgendwie zu verändern. Ich finde, hier sollte jeder arbeiten können!

 

Luftfahrtingenieur bei ACM
Luftfahrtingenieur bei ACM
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Sie berichten auf sozialen Medien wie Instagram und Facebook von Ihren Erfahrungen. Wie sind dort die Reaktionen auf Ihre Job-Wanderschaft?

Annabelle Klage: Die Rückmeldungen sind alle positiv! Ich habe bis jetzt noch keine negative Kritik oder keine Beleidigung oder Ähnliches erfahren. Ich habe viel Neid erfahren – aber eigentlich immer guten Sinne. Es gibt viele, die ein bisschen wehmütig werden, wenn sie sehen, was ich mache und sich denken: „Oh Gott, ich hätte auch davon hören sollen. Ich hätte das auch so gern gemacht!“ Diese Reaktion habe ich auch von meinen Eltern bekommen, die gefragt haben „Annabelle, gibt’s da eigentlich eine maximale Altersgrenze oder kann ich mich da auch noch bewerben?“ (lacht) Also alle, die davon hören, wollen es irgendwie auch machen – und das zeigt mir, dass ich hier genau das Richtige mache und es aber auch für alle Anderen mit genießen und erleben muss, weil es etwas sehr Besonderes ist, was ich hier gerade machen darf.

Im Rahmen dieser Aktion warten noch viele Berufe darauf, von Ihnen ausprobiert zu werden. Auf welches Unternehmen oder welchen Beruf freuen Sie sich am meisten?

Annabelle Klage: Ich sehe das Ganze hier aus zwei verschiedenen Blickwinkeln: Einmal sehe ich natürlich die 30 Unternehmen, die ich besuchen werde und testen darf, aber andererseits sehe ich auch die Jobchallenge als Ganzes. Und wenn jetzt die Challenge sich nur um Bürojobs oder nur um die Handwerker der Region handeln würde, dann wäre sie wahrscheinlich relativ langweilig. Dadurch, dass sie aber total branchenübergreifend stattfindet erlange ich deswegen einen Blick in alles. Das macht die Challenge aus – dass sie so abwechslungsreich ist. Deswegen freue ich mich tatsächlich auf die Challenge als Ganzes, eben weil so viel Unterschiedliches passiert. Wenn ich mir jetzt aber alle 30 Berufe anschaue, dann sind meine Favoriten aktuell die mit dem sozialen Mehrwert. Also beispielsweise der Heilerziehungspfleger oder der normale Pfleger. Einfach weil ich dort mit Menschen zu tun habe und einen besonderen Sinn verfolgen kann.

Wenn Sie einen Beruf wählen müsstest, den Sie für den Rest deines Lebens ausüben würde, für welchen würdest Sie sich entscheiden?

Annabelle Klage: (Lacht) Ja, das ist die schwierigste Frage, die ich einfach nicht beantworten kann. Die konnte ich auch noch nie beantworten und ich habe auch total Angst davor, die irgendwann beantworten zu müssen – einfach weil ich mich jetzt überhaupt nicht festlegen kann, nicht entscheiden kann – gar nichts! Also das funktioniert einfach nicht, weswegen diese Challenge für mich perfekt ist, weil sie der Weg ist mich mit meinen Entscheidungsschwierigkeiten irgendwie abzuholen und ich mich jetzt quasi gar nicht mehr entscheiden muss. Also, ich hab‘ da wirklich keine Antwort. Ich weiß es nicht. Das ist eine große Frage, die ich vielleicht nach den 30 Wochen besser beantworten kann.

Sie können Annabelle Klages Berufserfahrungen im Allgäu auf Instagram, Facebook oder ihrem Blog verfolgen.

Das Interview führte Aylin Ömün

©Fotos mit freundlicher Genehmigung von Annabelle Klage


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