New Work

Transformation im Großunternehmen: Neustart für T-Systems

Neue Teamorganisationen, flachere Hierarchien, transparente Entscheidungsprozesse – unter dem Einfluss der Digitalisierung werden traditionelle Arbeitsweisen vielerorts verändert. Aber nicht immer gelingt das schnell und reibungslos wie bei einem Start-up. Wie der Kulturwandel in Großunternehmen wie T-Systems einziehen kann, und was Mitarbeiter und Chefs zur „Magentifizierung“ beitragen müssen, berichten zwei Manager des Konzerns im Spielraum-Interview. 

XING Spielraum: Herr Rätker, dass die Ideen von New Work in neu gegründeten und kleineren Unternehmen leichter umzusetzen sind, scheint klar. Wie aber managt man den Kulturwandel in großen Unternehmen wie T-Systems?

Georg Rätker: So einen Wandel in Haltung und Organisation geht nur mit allen Mitarbeitern gemeinsam. Dazu gehört vor allem eine Änderung im Denken, im ‚mindset‘.

Das ist verständlich – aber nicht selbstverständlich.

Christian Falkenberg: Vollkommen richtig. Eine solche Transformation gelingt nur, wenn allen Beteiligten größtmögliche Spielräume für neue Ideen eingeräumt werden und wechselseitig Fehler und Kritik wirklich zugelassen wird. Wenn Sie dazu ermutigen, einfach zu machen– und nicht nur davon reden. Dafür ist Vertrauen der Schlüssel. Und Vertrauen fällt eben nicht vom Himmel.

T-Systems-Workshop auf der „New Work Session“ von XING in Wolfsburg

Vielen Menschen fällt es nicht leicht, eingeschliffene Arbeitsweisen aufzugeben…

Rätker: Das fällt niemanden leicht, auch den Managern nicht: Auch die Chefs muss man davon überzeugen, dass ihre Mitarbeiter jetzt nicht einfach nur herumspielen, nur weil Abstimmungs- und Entscheidungsprozesse komplett anders ablaufen. Dass es deutlich weniger Masterpläne gibt mit vielen langfristigen Milestones – sondern vielmehr fast tägliche „Stand ups“, in denen wichtige Schritte schnell und unkompliziert besprochen UND beschlossen werden. Dass nicht mehr alles bei uns „top down“ vonstattengeht.

Was sind denn neben dem festgefahrenen Denken die größten Hindernisse auf dem Weg zu einer neuen Arbeitskultur?

Falkenberg: Ich schätze es grundsätzlich, dass Menschen unterschiedlich sind. Dieser Ansatz hilft, sich auf den Weg in neue Arbeitswelten zu machen. Ein Großkonzern wie die Telekom hat komplexe Strukturen. Diese gilt es zu verstehen und die Menschen dahinter zu erreichen. In persönlichen Gesprächen, in denen man seine Standpunkte offenlegt und bereit ist, dem anderen zuzuhören, kann Wunder bewirken. Vertrauen braucht Zeit, und die muss man mitbringen, um erfolgreich zu sein.

Hindernisse gab es natürlich einige, z.B. bürokratische Hürden, weil einfach Richtlinien nicht mehr passen. Oder Budget-Probleme, weil neue Events oder Fortbildungen noch nicht eingepreist sind. Und schließlich mussten logistische Herausforderungen bewältigt werden, wenn etwa Räume zusammengelegt werden oder Software angepasst. Wir haben zum Beispiel für viele Teams neue „Collaboration Rooms“ geschaffen, in denen es viel leichter fällt, neue agile Arbeitsweisen zu leben. Da gab es natürlich Erklärungsbedarf seitens der Verwaltung.

Meistens sind es ja nur wenige Teams oder Abteilungen, die voran sprinten – wie schaffen Sie, den Rest des Konzerns mitzunehmen?

Rätker: Hier lautet eine der entscheidenden Antworten: Transparenz. Wir informieren andere Abteilungen und Standorte regelmäßig über den Stand der Dinge, organisieren Erfahrungsaustausch und offenes, kritisches Feedback. Und so ist die „Magentifizierung“ von Wolfsburg aus, unserem „Pionier-Standort“,  mittlerweile auch in vielen anderen T-Systems-Orten, zum Beispiel in Berlin und Leinfelden, in vollem Gange.

Und die Kunden? Merken die auch schon was von der neuen Kultur bei T-Systems?

Falkenberg: Wir hoffen es sehr, haben auch viele Kunden von Anfang an in unsere neuen Projekte mit eingebunden. Schließlich erwarten sie von uns in digitalisierten Zeiten auch Innovationen und Lösungen in immer kürzeren Zyklen. Das geht nur in, wenn Sie sich selbst deutlich verändern.

Rätker: ….und das auch deutlich zeigen und kommunizieren! Das Feedback unserer Kunden war bis dato stets positiv.

Unsere Interviewpartner:

Georg Rätker leitet die Global Delivery Unit Automotive & Manufacturing Solutions bei T-Systems und ist Geschäftsführer der T-Systems on site services GmbH. Zudem verantwortet er das strategische Hiring Programm für die Global Systems Integration bei T-Systems und ist treibende Kraft bei der Umsetzung und Implementierung agiler Arbeitswelten im Rahmen des T-Systems‘-internen Programms „Magenta-Lighthouse“. Zuvor war er in diversen Führungsfunktionen u.a. bei VW-gedas, EDS und Hewlett Packard für den IT Markt im Bereich Automotive und Manufacturing Industries tätig.

Christian Falkenberg, Service Delivery Manager für Volkswagen bei T-Systems, steuert, koordiniert und organisiert seit Anfang 2016 das bereichs- und standortübergreifende Change- und Transformationsprogramm „Magenta-Lighthouse“ von T-Systems. Zuvor war er in verschiedenen verantwortlichen Funktionen sowohl im Sales- als auch im Service-Bereich bei T-Systems tätig und hat dort unter anderem den Aufbau eines internationalen Performance Centers gesteuert und operativ geleitet.


Eventhinweis: Georg Rätker ist einer von vielen hochkarätigen Speakern auf der New Work Session, die XING am 14. und 15. November in Berlin veranstaltet. Das Event steht unter dem thematischen Motto „WIE TRANSPARENZ MACHT VERÄNDERT“. Impulsgeber aus Politik, Wirtschaft und Kultur berichten und diskutieren, wie transparentes Handeln zu einer Voraussetzung für erfolgreiches Arbeiten wird. Weitere Infos und Ticketbestellungen finden Sie unter diesem Link.

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